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Fürstenfeldbruck:Eine prägende Persönlichkeit

Oberbürgermeister Erich Raff (rechts) überreicht Martin Kornacher am Dienstag vor Beginn der Sitzung ein Präsent der Stadt.

(Foto: Stadt Fürstenfeldbruck)

Fürstenfeldbrucker Stadtrat verabschiedet sich von Stadtbaurat Martin Kornacher

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Martin Kornacher hat das Bild der Stadt fast zwei Jahrzehnte lang buchstäblich geprägt. Nun ist der 61 Jahre alte Stadtbaurat vom Stadtrat verabschiedet worden. Am Dienstag hatte er seinen letzten Auftritt in dem Gremium. Weil er offiziell erst zum 1. Dezember mit Ablauf der fünfjährigen Amtsperiode als berufsmäßiger Stadtrat in Ruhestand geht, wird er aber wohl noch im einen oder anderen Fachausschuss der Stadt anzutreffen sein - und vor allem auch noch in der Bauabteilung des Rathauses. Kornacher wird seinen Nachfolger Johannes Dachsel, 38, noch einarbeiten, bevor er endgültig Adieu sagt.

Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) würdigte die Verdienste des Diplomingenieurs. Er habe "viele Projekte angeschoben" und in wichtigen Wettbewerben als Preisrichter fungiert. Der OB verschwieg aber auch nicht, dass es Spannungen in seinem Verhältnis zu Kornacher gegeben hat: Neben den Erfolgen habe es auch "schwierige Momente" mit den drei Oberbürgermeistern und wechselnden Stadträten gegeben - Raffs Vorgänger waren Sepp Kellerer (CSU) und Klaus Pleil (BBV). Nicht immer, aber häufig, habe sich die Politik letztlich aber der als fundiert empfundenen Sichtweise Kornachers angeschlossen. Der ist eher ein Mann der leisen Töne, der seine Meinung begründet und dann vertritt. Dabei geriet er bisweilen auch mit dem heutigen Finanzreferenten Klaus Wollenberg (FDP) aneinander.

2015 war Kornacher - neben Fürstenfeldchef Norbert Leinweber das zweite berufsmäßige Mitglied des Stadtrats - in der vierten geheimen Wahl dieser Art für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden. Von 34 anwesenden Stadträten votierten damals 31 für Kornacher, zwei gegen ihn, eine Stimme war ungültig.

Enger als zu Raff war Kornachers Verhältnis in den zurückliegenden Jahren zu Christian Stangl (Grüne). Der heutige Zweite Bürgermeister war in der zurückliegenden Amtsperiode Baureferent und lernte dabei den Stadtbaurat kennen und schätzen - beide sind längst per du. Stangl gab einen kleinen Einblick ins Privatleben des Münchners. Der sei ein passionierter Imker. Von dem über Bebauungspläne weit hinausgehenden Blick fürs Große und Ganze und für das Zusammenspiel und die diffizile Bauweise eines Bienenstocks habe auch die Tätigkeit als Chef des Bauamts profitiert. Das Ergebnis nennt Stangl "Stadtbaukunst" oder auch augenzwinkernd "Stadtimkerei". Nicht zuletzt Kornacher sei die Entwicklung des Klosters zu einem Kulturzentrum zu verdanken. Seine Handschrift finde sich auch im Konzept der innerstädtischen Wegeverbindungen, der Umgestaltung des Marktplatzes und des Geschwister-Scholl-Platzes, dem umgebauten alten Graf-Rasso-Gymnasium und dem Kino an der Maisacher Straße, aber auch in Konzepten wie dem Energienutzungsplan oder der sozialgerechten Bodennutzung. Kornacher habe mit Weisheit und Erfahrung eines Imkers "klug die Interessen der Stadt vertreten", so Stangl.

Kornacher zeigte sich fast wehmütig. Den prächtigen Kleinen Saal in Fürstenfeld, in dem der Stadtrat Corona-bedingt tagte, kenne er noch aus der Zeit, in der hinten in der Ecke Stroh lag. Sein Dank galt seinem Team im Bauamt und auch dem Stadtrat, der immer wieder gute Ideen eingebracht und für die Umsetzung gesorgt habe.

© SZ vom 02.10.2020

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