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Fürstenfeldbruck/Egenhofen:Baustofffirma verlost Blühpatenschaften

Combayn Baywa-Plattform zur Vermittlung von Blühflächen

Schön bunt, aber nicht heimisch: Das Bild einer blühenden Wiese mit Schmuckkörbchen und Ringelblume.

(Foto: Combayn/oh)

Baywa-Tochter bringt Landwirt und Unternehmen zusammen

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck/Egenhofen

In Poigern, in der Gemeinde Egenhofen, wird eine 1,2 Hektar große Blühfläche entstehen.

Das Baustoffunternehmen Kann GmbH mit einem Standort in Fürstenfeldbruck bezahlt den Bauern Josef Huber dafür. Es hat die Patenschaften im Rahmen eines Gewinnspiels unter seinen Kunden verlost, sodass die Fläche hundert Paten hat.

Für das Unternehmen ist die Aktion ein Ausgleich zu ihrem wirtschaftlichen Handeln. "Damit schaffen wir gemeinsam 10 000 Quadratmeter neuen Lebensraum für Artenschutz in Fürstenfeldbruck. Gleichzeitig können wir dadurch einen positiven Beitrag für mehr Biodiversität direkt vor der Haustür leisten", wird Kann-Geschäftsführer Frank Wollmann in einer Pressemitteilung zitiert, die die Baywa verschickt hat.

Denn die Blühpatenschaft ist von Combayn vermittelt worden, einer hundertprozentigen Tochter der Baywa, die extra zu diesem Zweck gegründet wurde. Sowohl Firmen als auch Privatleute können dort ganz einfach für ein Jahr Pate für eine Blühfläche werden. Man kann die Patenschaften auch verschenken.

Auf der Homepage von Combayn wird genau erklärt,wie Landwirte und Privatleute die Artenvielfalt fördern können - welche heimischen Pflanzen an welchen Standorten funktionieren und wie man sie richtig pflegen sollte.

Auf den Bildern der Seite sieht man mehr dekorative nicht heimische als heimische Pflanzen - das Schmuckkörbchen Cosmea zum Beispiel und Calendula, auch bekannt als Ringelblume. "Das sind eben Werbebilder", sagt Baywa-Pressesprecherin Antje Krieger. In der Praxis legt das Projekt nicht unbedingt den Fokus darauf, funktionierende Lebensgemeinschaften zu schaffen. Es werde nicht darauf geachtet, dass tatsächlich eine Mischung heimischer Wiesenblumen zum Einsatz komme. "Wir schreiben den Landwirten nicht vor, welches Saatgut sie ausbringen", sagt Krieger. "Das überlassen wir ihnen als Experten." Es müsse nicht das Saatgut der Baywa selbst sein. "Wir wollen aber nicht nur die Honigbiene schützen", betont Krieger. Honigbienen sammeln Nektar und Pollen bei einer Vielzahl von Pflanzen. Viele Wildbienen sind auf wenige, heimische Pflanzen spezialisiert.

Die Fläche in Egenhofen wird zunächst für ein Jahr eingesät, über diese Zeit läuft die Patenschaft. Von Combayn empfohlene Wiesenpflanzen wie die Wilde Möhre, eine Futterpflanze der Raupen des Schwalbenschwanzes, bilden allerdings im ersten Jahr nur eine Rosette, sie blühen erst im zweiten Jahr. Landwirt Huber hat schon bisher kleinere Blühstreifen angelegt. Er wäre gerne bereit, seinen ehemaligen Maisacker längerfristig in eine Blühwiese umzuwandeln, erklärt er auf Anfrage. "Wenn das ein Dauerding wird, habe ich damit keine Probleme. Da bin ich schmerzfrei. Für mich ist das ein Experiment."

© SZ vom 04.05.2021
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