Fürstenfeldbruck:Doping bringt Kraftsportler vor Gericht

Lesezeit: 2 min

36 Jahre alter Germeringer am Amtsgericht zu Bewährungsstrafe verurteilt. Der Amateur war vorbelastet

Von Ariane Lindenbach, Germering

Doping ist nicht nur bei Profisportlern weit verbreitet. Auch im Amateurbereich greifen Sportler immer wieder zu verbotenen Substanzen, in der Hoffnung, damit ihre Leistung zu steigern. Auch im Landkreis kommt das vor. Das ist am Mittwochnachmittag in einer Verhandlung wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz vor dem Amtsgericht Fürstenfeldbruck deutlich geworden. Auf der Anklagebank saß ein 36 Jahre alter Angestellter aus Germering. Er hatte einmal Dopingmittel an einen Bekannten verkauft, ein anderes Mal die Mittel von ihm erhalten. Das räumte der 36-Jährige zwar von vorneherein ein. Doch aufgrund einer einschlägigen Vorstrafe und der hohen Wirksamkeit der Mittel verhängte der Vorsitzende Richter eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Der Anklage zufolge verkaufte der Germeringer im April 2014 knapp 100 Tabletten eines verschreibungspflichtigen, leistungssteigernden Mittels an einen Bekannten. Eineinhalb Jahre später kaufte er für 300 Euro von dem selben Bekannten Testosteron-Ampullen. Der Wert für eine nicht geringe Menge war in diesem Fall um mehr als das 130-Fache überschritten, unterstrich die Staatsanwältin. Kommuniziert hatten die beiden Männer jedes Mal über Whatsapp.

Der Verteidiger erklärte für den Angeklagten, dass dieser die Vorwürfe einräume und sich das Testosteron zum Eigenkonsum gekauft habe. Wie er betonte, war sein Mandant mit der Einziehung aller beschlagnahmten Dinge - darunter befand sich neben den Dopingmitteln auch sein Handy - einverstanden.

Den Vorsitzenden Richter Johann Steigmayer, selbst ein begeisterter Sportler, interessierte in erster Linie die Motivation des Germeringers. "Ich wollte mal an Wettkämpfen teilnehmen", erklärte der in einem Fitnessstudio Trainierende kryptisch. Im Profisport, wenn es um Geld gehe, könne er das ja vielleicht noch verstehen, erwiderte der Richter. Aber als Amateur? Ob er keine Angst vor Nebenwirkungen oder eine falsche Dosierung gehabt habe, so ganz ohne ärztliche Betreuung?

Die Antwort des muskelbepackten Germeringers fiel erneut recht kurz aus. "Man fängt ja nicht gleich mit hohen Dosierungen an, sondern man steigert sich." Womit er vermutlich sagen wollte, dass die Hemmschwelle, illegale Substanzen einzunehmen, die man auf dem Schwarzmarkt erworben hat, mit der Zeit immer weiter sinkt. Denn der Angeklagte räumte auch ein, "schon über Nebenwirkungen nachgedacht" zu haben. Da er außerdem erklärte, dass er sich beim Arzt nicht hinsichtlich Hormonrückständen in seinem Blut hatte untersuchen lassen, scheint er die Problematik von unerwünschten Wirkungen auf seinen Körper eher zu verdrängen.

Die Dopingszene blieb dem Richter weiter rätselhaft. "Wenn man ins Studio geht, und die schauen alle so aus, das sieht man doch", er verstehe nicht, wo da das sportliche Kräftemessen bleibe. Steigmayer verglich Doping mit einem Radrennen, bei dem einer der Teilnehmer mit einem E-Bike fährt: "In Anführungszeichen bescheiße ich mich doch selbst." Der Germeringer sagte nichts dazu. Doch er stimmte dem Vorsitzenden zu, dass er nicht einverstanden wäre, wenn sein 13-jähriger Sohn in ein paar Jahren selbst dopen wollte.

"Die nicht geringe Menge ist über das Hundertfache überschritten", hob die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer hervor. Sie beantragte eine neunmonatige Bewährungsstrafe und 2000 Euro Geldauflage, der Verteidiger acht Monate und 1000 Euro. Mit seinem Urteil folgte der Vorsitzende dem Antrag der Staatsanwältin. Ein Monatsgehalt Geldauflage müsse schon sein, damit ihn etwas daran erinnere, dass er bestraft worden sei. Mit Blick auf die einschlägige Vorstrafe warnte er vor weiteren Verstößen. "Ein Fehltritt, wieder in diese Richtung, dann stürzen Sie ab. Und zwar in den Knast."

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