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Fürstenfeldbruck:Der Wald darf bleiben

Die Betreiber einer Kiesgrube im Westen der Kreisstadt erklären sich bereit, auf die Erweiterung in den Rothschwaiger Forst hinein weitgehend zu verzichten. Nun soll Richtung Bundesstraße 471 abgebaut werden

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Der Kiesabbau in den Rothschwaiger Forst hinein kann offenbar doch abgewendet werden. Das wurde am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Stadt und Landkreis deutlich, bei der sich auch die beiden Geschäftsführer des Kieswerks äußerten. Ein Kompromiss sieht vor, größtenteils auf Flächen zwischen der bestehenden Kiesgrube und dem westlichen Stadtrand auszuweichen.

Beantragt hatte das Unternehmen den Abbau auf 17,6 Hektar im Zuge seiner südlichen Erweiterung. Dort sollte in drei Abschnitten 15 Jahre lang Kies ausgebeutet werden - vor der Wiederauffüllung sowie Wiederaufforstung. Der Stadtrat hatte sich bereits 2013 mehrheitlich für diese Variante entschieden, mit Blick auf mögliche Staub- und Lärmbelastungen im Falle eines Abbaus Richtung Bundesstraße 471. Damals galt der Rothschwaiger Forst in diesem Bereich noch als mäßig erhaltenswert. Mittlerweile hat sich das Bild geändert: Nur noch in geringem Maße findet sich eine Häufung von Fichten, abgelöst wurde die Monokultur von einem Mischwald, in dem Tierarten wie Eidechsen und Fledermäuse heimisch sind.

Dreimal Thomas, dreimal gesprächsbereit: Die Chefs des Kieswerks, Thomas Vilgertshofer (Mitte) und Thomas Ottl (links: Landrat Thomas Karmasin)

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die aktuell angedachte Alternative im Osten wäre in dieser Hinsicht unproblematischer. Dort liegen Äcker und Wiesen, ein Teil des eher spärlichen Baumbestandes im südlichen Bereich der dreieckigen Fläche ist dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Die Stadt muss nun die planerischen Voraussetzungen schaffen für die Verlagerung des Kiesabbaus, zudem muss der Regionalplan geändert werden. Das dürfte gut zwei Jahre dauern. Weil das Unternehmen die benötigte Erweiterung offenbar nicht so lange komplett aufschieben kann, will es sich vom Frühjahr an zunächst auf einen Teil des westlichen Drittels der beantragten Abgrabungsfläche im Süden der Kiesgrube beschränken. Der Baumbestand dort gilt als wenig erhaltenswert und würde von einer späteren Wiederaufforstung profitieren. Die beiden Chefs der Firma KRO, Thomas Vilgertshofer und Thomas Ottl, könnten sich vorstellen, mit drei Hektar auszukommen, bevor der Abbau dann im Osten der Kieswerkstraße fortgesetzt werden kann. Noch besser wäre es, wenn sie sich doch noch mit einem Grundeigentümer einigen könnten, dessen west-östlich verlaufender, 19 Meter breiter Waldstreifen das bestehende Abbaugebiet durchschneidet.

Dürfte das Unternehmen KRO dort Kies abbauen, könnte der Rothschwaiger Forst möglicherweise ganz unangetastet bleiben. Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) kündigte Verhandlungen mit den insgesamt acht Grundeigentümern an. Rückendeckung hatte er sich bereits in einem Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats am Montagabend geholt. Auch dort hatten die beiden Geschäftsführer klar gemacht, dass das Unternehmen zwar grundsätzlich eine Erweiterung benötigt, aber bereit ist, über Alternativvorschläge zu reden. Raff sprach von einem "konstruktiven Gespräch". Man wolle "alles versuchen, dass der Wald erhalten bleibt, aber auch die Existenz von KRO nicht gefährdet wird". Dem Unternehmen bescheinigt der OB, umweltbewusst und nachhaltig zu agieren. Darauf legt auch der Allinger Bauunternehmer Vilgertshofer großen Wert. Er verwies auf die bereits erfolgte Pflanzung mehrerer Tausend Bäume und das Anlegen von Biotopen, die Entfernung des von der Vorgängerfirma unzulässigerweise an der Staatsstraße aufgeschütteten Materials sowie das generelle Engagement, Baustoffe zu recyceln statt sie einfach zu deponieren. Man sei bereit, mit der Stadt zu kooperieren.

Grünen-Stadtrat Thomas Brückner als Vertreter des Bundes Naturschutz sieht in dem erreichten Kompromiss zwar einen Fortschritt im Vergleich zu den ursprünglichen Planungen. Er würde sich allerdings wünschen, dass das Unternehmen komplett auf eine Expansion in den Forst hinein verzichtet - auch wenn im Südwesten der Kiesgrube lediglich einige Hektar "strukturarmer Nadelwald" der Kettensäge zum Opfer fallen würden. Brückner hegt die Hoffnung, dass man die südliche Expansion im Zuge der Anhörung vielleicht ganz verhindern kann und sich deshalb nicht auf voreilige Zugeständnisse einlassen muss. Denn aus Gründen des Klima-, Umwelt- und Artenschutzes hält er es "grundsätzlich für problematisch, neue Schneisen in den Wald zu schlagen". Den Kieswerkbetreibern kreidet er an, mit der Aufforstung nach Abschluss bisheriger Kiesabbaubereiche nicht vorschriftsgemäß voranzukommen - ein Vorwurf, dem die beiden Chefs widersprechen. Grundsätzlich plädiert Brückner für Recycling und den Umstieg auf Holz als Baustoff.

Solch grundsätzliche Einwände können Landrat Thomas Karmasin (CSU) zufolge im aktuellen Verfahren nicht mehr erörtert werden. Karmasin ließ durchblicken, dass sich auch ein massiver Abbau in den Rothschwaiger Forst hinein formal kaum verhindern lasse, zumal es keinen politischen Spielraum gibt. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde hat hier kaum eine rechtliche Handhabe, sofern KRO als Antragsteller beispielsweise im Zuge der obligatorischen Umweltverträglichkeitsprüfung alle erforderlichen Gutachten vorlegt. Denn die Stadt hat dort im Flächennutzungsplan eine "Konzentrationsfläche für Kiesabbau" ausgewiesen. Und der Regionalplan klassifiziert den Bereich folgerichtig als "Vorrangfläche für den Kies- und Sandabbau". Man sei auf den guten Willen von Seiten des Unternehmens angewiesen, so Karmasin.

Der scheint vorhanden. An seinem Antrag auf Rodung nebst Kiesabbau in den Rothschwaiger Forst hinein hält der Betrieb gleichwohl formal fest. Das bedeutet, dass im Fall scheiternder Grundstücksverhandlungen die ursprünglichen Rodungspläne doch noch realisiert werden könnten.

© SZ vom 16.09.2020

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