Fürstenfeldbruck Der Speiseplan als Hausaufgabe

Nachsitzen an der Fürstenfeldbrucker Grundschule-Mitte: Eltern, Lehrer, Kinder und Köchin feilen am gesunden und gleichermaßen schmackhaften Mensaessen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

In der Grundschule lernen Kinder das Einmaleins und korrekte Rechtschreibung. In der Brucker Schule-Mitte am Theresianumweg stand jüngst ein eher ungewöhnliches Fach auf dem Lehrplan: das gesunde Mittagessen, das schmeckt. Gemeinsam mit den Kindern drückten dabei auch Lehrer, Eltern und Mitarbeiter der Kantine an mehreren Terminen die Schulbank. Das Ziel: Alle sollen von dem einjährigen Coaching des auch für Ernährung zuständigen Amts für Landwirtschaft profitieren.

Die 360 Schüler der Einrichtung, darunter die Kinder der beiden Partnerklassen der Cäcilienschule, beschäftigten sich jüngst beim ersten Gesundheitstag der Grundschule einen ganzen Vormittag lang mit gesunder Ernährung. Es gab Probierstationen mit Obst, Gemüse und Brotaufstrichen. Und weil in der Schule auch die Theorie nicht zu kurz kommen darf, galt es, Rätsel zu lösen. Rektorin Ilona Seyfried zieht ein sehr positives Resümee. Sie hat dabei auch das ganze zurückliegende Schuljahr im Blick: Mit Hilfe der Ökotrophologin und Fachberaterin für Kinderernährung, Martina Bedenbecker, sei es gelungen, "zum einen die Qualität des Essens und zum anderen die Situation in unserer Mensa deutlich zu verbessern". Die Sache soll also weit über diesen einen geschmackvollen Vormittag hinauswirken.

Wenn das Auslöffeln der (Gemüse-)Suppe zum Vergnügen wird: Emilie, Carla, Lean und Laurent (alle 9, von links) beim Gesundheitstag in der Mensa.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

An insgesamt vier Tagen hatte sich ein Team, dem neben Küchenchefin Nicol Souidi und der Lehrerin und Verpflegungsbeauftragten Manuela Kiese auch Vertreter der Schulleitung, der Eltern und der Kinder angehörten, mit der Schulverpflegung beschäftigt und "Hausaufgaben" abgearbeitet. So wurde die Meinung von Ganztagsschülern und deren Eltern abgefragt, um herauszufinden, was gut ankommt (wie etwa Nudeln oder Schnitzel) und was eher nicht - wo also Änderungsbedarf bestand. Das "Wunschessen" der Kinder unterschied sich durchaus vom angebotenen Mittagessen der Großküche, die Tag für Tag 350 Kinder aus Hort, Mittagsbetreuung und Kindergarten Frühlingstraße möglichst gesund sowie mindestens zu 30 Prozent bio, aber eben auch nicht zu teuer satt bekommen soll. Auf den Prüfstand gestellt wurden auch Gestaltung und Service in der Mensa.

Süßspeisen müssen laut Martina Bedenbecker nicht grundsätzlich tabu sein. Aber Grießbrei ohne Begleitung von Rohkost oder Gemüse sollten die absolute Ausnahme sein. Gemüse ist quasi tägliche Pflicht, alles weitere die Kür. Sogar Fastfood kann gesund sein. So bot Nicol Souidi bereits Falafel mit Bulgursalat und Gemüse an. Und siehe da: Nach anfänglichem Zögern probierten viele Kinder und merkten, dass das richtig gut schmeckt. Martina Bedenbecker zufolge lässt sich auch Fleisch beispielsweise durch Hülsenfrüchte ersetzen. Das ist gesünder und ganz nebenbei auch noch kostengünstiger.

Pausenbrot

Welche Eltern kennen das nicht? Sie geben ihrem Kind gesunde Kost mit. Und die wird unangetastet wieder heim gebracht. Ernährungsexpertin Martina Bedenbecker weiß, dass es "kein Patentrezept" gibt. Gleichwohl plädiert sie für das zu Hause vorbereitete Pausenbrot als Ergänzung zum ersten Frühstück. Wichtig ist, dass das dem Kind auch schmeckt - ansonsten landet es nämlich in einem unbeobachteten Augenblick im Mülleimer. Bedenbecker empfiehlt Vollkornbrot mit gesundem Belag oder beispielsweise Frischkäseaufstrich, flankiert von mundgerecht geschnittener Rohkost, also etwa einer Gelben Rübe oder ein paar Radieschen. Dazu ein Apfel oder ein paar Weintrauben - das genügt. Süßigkeiten oder gezuckerte Joghurts wie Actimel sollten tabu sein.slg

Dass Gesundes gut schmecken kann, davon konnten sich beim ersten Gesundheitstag die Kinder auch jenseits der Mensa überzeugen - bei einer gemeinsamen Brotzeit, für die die Bäckerei Reicherzer jedem Kind eine Scheibe Dinkel-Urkornbrot spendierte. Und weil sie bei Sport und Spiel auch noch körperlich aktiv waren, hatten die sich auch eine süße, nicht ganz so gesunde Belohnung verdient: Der "krönende Abschluss" des Gesundheitstags war eine "Schokoladen-Meditation". "Man darf sich in kleinen Mengen schon auch mal was gönnen", sagt die Rektorin. Man wolle gleichwohl vermitteln, "dass Essen etwas Wert- und Genussvolles ist, für das man sich Zeit nehmen sollte".

Den "Food-Trends in Kita und Schule" widmet sich an diesem Mittwoch eine Fachtagung der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Oberbayern West und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Vorträge und Foren richten sich vor allem an Vertreter von Schulen und behandeln Themen wie geschlechtsspezifisches Essverhalten, Kochwagen fürs Klassenzimmer oder gesunde Getränke.