Fürstenfeldbruck:Schlachthof-Geschäftsführer in der Kritik

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Verwaltungsrat entscheidet an diesem Dienstag über die Zukunft von Max Keil

Wie es im Brucker Schlachthof weitergeht, steht in den Sternen. Einen Neuanfang verspricht Engelbert Jais, der Obermeister der Metzgerinnung im Landkreis. "Wir brauchen einen neuen Geschäftsführer und einen neuen Betriebsleiter", sagte er am Montag der SZ. Der Betriebsleiter wurde bereits am Freitag freigestellt, der Geschäftsführer ist noch auf seinem Posten. Max Keil will die Entscheidungen des Verwaltungsrates der GmbH & Co KG abwarten, der an diesem Dienstag zusammentritt. Er sei "niedergeschlagen", bekannte er lediglich.

Wie lange der Betrieb geschlossen bleiben wird, konnten weder Keil noch Jais am Montag sagen. Im günstigsten Fall werde es nur eine Woche dauern, wahrscheinlich aber länger, sagte der Innungsmeister aus Luttenwang. "Ich brauche erst qualifizierte, gute Leute." Er selber könne die Geschäftsführung nicht übernehmen, weil er mit seinem eigenen Betrieb voll ausgelastet sei. "Aber ich werde mich einbringen", betonte er. Jais war 1998 einer der Mitgründer des Brucker Schlachthofes. Er ist Teilhaber des Unternehmens und sieht sein Lebenswerk gefährdet. Jais zeigte sich empört über die Vorfälle: "Wir sind Metzger und keine Unmenschen, man kann Tiere nicht wie ein Stück Eisen behandeln." Von denen, die dafür verantwortlich seien, dürfe niemand mehr einen Fuß in den Betrieb setzen. "Das ist ein No-go."

Auf die Frage, ob er enttäuscht sei von Betriebsleiter Alexander Hill, sagte Jais, möglicherweise sei der zu jung gewesen für diese Aufgabe und die Verantwortung. Weil nur wenige junge Leute den Metzgerjob machen wollen und sich kaum noch Lehrlinge finden, galt Hill als Hoffnungsträger der Innung im Landkreis.

Jais jedenfalls will die Vorfälle "ganz, ganz, ganz genau untersuchen" und dann Konsequenzen ziehen. Sein Ziel ist, den Brucker Schlachthof wieder "auf Niveau zu bringen", denn die Metzger brauchen diesen Betrieb, wie er betont.

Ein entscheidender Punkt wird sein, das Vertrauen der Verbraucher wiederzugewinnen, die das Versprechen angelockt hatte, der Schlachthof trage zu einer regionalen und gehaltvollen Versorgung bei, mit kurzen Transportwegen und einer "ethischen Behandlung" der Tiere, wie es auf der Webseite des Schlachthofes heißt. Etwa 60 Prozent der Tiere, die in Bruck geschlachtet wurden, stammen aus ökologischer Haltung, darunter sind Marken wie Bioland oder die Landfrau, die zur Hofpfisterei gehört und in Emmering Fleisch- und Wurstwaren herstellt. Die Landfrau schlachtet nicht selber in Bruck, sondern bekommt Tierhälften angeliefert. "Wir sind schockiert von den Bildern", sagte der Pressesprecher der Hofpfisterei. Sein Haus prüfe derzeit den Sachverhalt. Woher das Unternehmen das Fleisch bekommt, solange der Schlachthof pausiert, wollte er nicht sagen. Der Brucker Betrieb hatte am Freitag für die Metzger für diese Woche Plätze in anderen Einrichtungen reserviert. Einige bringen ihre Tiere nach Augsburg, Jais fährt nach Landsberg.

Die Soko Tierschutz, die die Tierquälerei aufgedeckt hat, fordert "echte Transparenz, harte Strafen und Abschreckung". Der Brucker Fall zeige, dass die Biobranche, der Metzger von nebenan und der Hofladen mit Direktvermarktung, "genauso mit all der Tierqual verbunden sein können wie die Großbetriebe". Dass die Tierschutzfälle nicht vor Gericht kämen, lege schon die Saat für den nächsten Skandal, der eigentlich Alltag ist, kritisierte eine Sprecherin.

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