Fürstenfeldbruck Demo gegen restriktive Flüchtlingspolitik

Bei einer Kundgebung am Sonntag wollen sich Asylhelfer für mehr Arbeitserlaubnisse einsetzen

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Der Streit zwischen Landrat Thomas Karmasin (CSU) und den Asylhelfern im Landkreis um Arbeitsgenehmigungen für Flüchtlinge dauert an. Mit einer Demonstration wollen die Ehrenamtlichen an diesem Sonntag gegen dessen ihrer Ansicht nach zu restriktive Linie protestieren. Würde der Landrat seine Spielräume ausnutzen, könnten 30 Prozent mehr Genehmigungen ausgestellt werden, sagte Willi Dräxler (BBV), Integrationsreferent des Brucker Stadtrates, auf einer Veranstaltung der Initiative Die Brücke. Das sei dringend notwendig, weil sich die Stimmung in den Unterkünften und in der Erstaufnahme am Fliegerhorst mangels Perspektiven rapide verschlechtere. Viele Flüchtlinge würden regelrecht verkümmern. "Das ist unmenschlich", sagt Inge Ammon, eine Helferin aus Bruck.

Die Initiative hatte am Donnerstag mit Kommunalpolitikern sowie ehrenamtlichen und professionellen Helfern über Themen wie Ankerzentren, Arbeitsbeschränkungen und Rechtsextremismus diskutiert. Viele junge Flüchtlinge bekämen zwar Ausbildungsverträge angeboten, hieß es. Aber die Kreisbehörde lasse sie nicht arbeiten, weil sie aus vermeintlich sicheren Herkunftsländern stammen, berichtet Hans Sautmann vom Helferkreis Eichenau. So hätten drei Asylbewerber Ausbildungsverträge für Pflegeberufe bekommen, bislang liege aber nur in einem Fall die Arbeitsgenehmigung vor. Verantwortlich für die restriktive Linie sei die bayerische Staatsregierung. Die Wirtschaft suche Arbeitskräfte und etwa zehntausend Flüchtlinge könnten arbeiten, dürfen aber nicht. Für ihren Unterhalt gebe die Staatsregierung lieber 120 Millionen Euro Steuergeld pro Jahr aus. Viele Unternehmen hätten inzwischen resigniert. Nach Angaben Dräxlers schöpfen andere Landräte, etwa in München-Land, die Spielräume aus und erteilen mehr Arbeitsgenehmigungen als die Brucker Behörde.

Teilnehmer der Diskussionsrunde beschreiben eine Art Abwärtsspirale, die zur Verzweiflung führt und in massiven Konflikten endet - die wiederum Material für rassistische Hetze bieten. Die Menschen würden in den Ankerzentren interniert oder in einer Erstaufnahme wie auf dem Fliegerhorst. "Manche Familien sind bereits seit eineinhalb Jahren dort", berichtet Dräxler. Viele Kinder hätten keine Chance auf einen geregelten Schulunterricht, die Erwachsenen dürfen nicht arbeiten. Etliche würden ihren Kummer in Alkohol ertränken. Weil sie nicht selbst arbeiten und Geld verdienen dürfen, bestehe die Gefahr, dass manche in eine "Schattenwirtschaft" abgleiten, in Schwarzarbeit, Drogenhandel und Prostitution. "Die Verwahrlosung in der Erstaufnahme nimmt zu, die Stimmung geht nach unten, die Menschen geben sich auf."

Von einer dreifachen Traumatisierung spricht Henrik Schonlao, pädagogische Fachkraft im Jugendhaus Alweni, wo zehn Jugendliche leben. Am Anfang stünden oft Krieg und Bürgerkrieg, anschließend die Flucht, die keiner ungeschoren überstehe, und schließlich die Erfahrung, dass das Leben in Deutschland ganz anders ist als erwartet. Besonders krass sei es bei Jugendlichen, die oft seit Jahren ohne ihre Eltern zurechtkommen mussten und Schreckliches erlebt haben. Selbstverständlich seien auch unter den Geflüchteten schwarze Schafe. Aber viele Konflikte hätten ihre Ursache in Traumata, so Schonlao. Es sei wichtig, die Bevölkerung über deren Tragweite aufzuklären. Ammon rügt die Maßregelung der Geflüchteten im Alltag in der Erstaufnahme. Holzmöbel habe man ihnen wieder abgenommen, sie dürften nicht selber kochen, der Besuch von Freunden und Bekannten ist eingeschränkt.

Die Teilnehmer fordern deshalb die Abschaffung von Ankerzentren und ein Recht für alle Geflüchteten auf Arbeit und Ausbildung. Die Demonstration am 30. September steht denn auch unter dem Motto "Recht auf Arbeit und Ausbildung für alle Geflüchteten" und beginnt um 14 Uhr am Volksfestplatz.