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Fürstenfeldbruck:Brucker Vereine fühlen sich übergangen

Mitte März hat der Sportausschuss beschlossen, das Gelände der Stockschützen zu einem Jugend- und Freizeitpark umzugestalten. Nun werden Zweifel am Konzept laut und daran, dem Jugendrat die Organisation zu übertragen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Soll die Stadt das ehemalige Stockschützengelände nebst Sportheim in Eigenregie umgestalten und die Organisation eines öffentlichen Freizeit- und Sportgeländes dem Stadtjugendrat übertragen? Oder wäre ein solches Projekt besser bei einem Verbund mehrerer Sportvereine aufgehoben? An den Fragen scheiden sich die Geister. Die Stadt hatte sich jüngst für die erste Variante entschieden und erntet nun Kritik, weil sie angeblich örtliche Vereine übergeht. Die gute Nachricht: Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) zufolge ist noch nichts entschieden.

Das Vereinsheim des aufgelösten Stockschützen-Clubs.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Es geht um das kleine Holzhaus und die asphaltierten Stockschützenbahnen. Weil es dem Verein nicht mehr gelungen war, einen Vorsitzenden zu finden, hatte er sich im August aufgelöst - das Gelände fällt damit in diesem September an die Stadt. Sportreferent Martin Kellerer (CSU) kam auf die Idee, daraus ein Sport- und Freizeitgelände zu machen, als Treffpunkt für Jugendliche. Unter Einbeziehung des SCF-E-Jugendplatzes soll Raum geschaffen werden für vereinsungebundenen Sport. Im Fachausschuss wurde das Konzept im März einstimmig befürwortet. Es umfasst Bolz- und Beachvolleyballplatz, Streetball-Flächen und einen Pumptrack für Mountainbikes. Die Organisation, auch fürs alte Vereinsheim, soll dem Stadtjugendrat übertragen werden. Die Stadt will sich das alles in einem ersten Schritt 80 000 Euro kosten lassen.

Neben dem Vereinsheim befinden sich die asphaltierten Stockschützenbahnen und der SCF-Jugendplatz.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Was schlüssig klingt, sorgt nun aber für Unmut. Nicht, weil Sportmöglichkeiten geschaffen werden und die Jugend einen Treffpunkt erhalten sollen. Das nämlich findet auch Stefan Sponer, Präsident des Schwimmklubs der Fürstenfeldbrucker Wasserratten, eine gute Sache. Aber zum einen ärgert er sich über die Art und Weise, wie die Stadt "über die Köpfe der Vereine hinweg" die Entscheidung getroffen hat. Zum anderen glaubt er, dass Jugendliche mit der Organisation eines solchen Projekts schlicht überfordert sind und Vereine mit ihrer "Manpower" eine möglichst intensive und gleichermaßen kostengünstige Umgestaltung und Nutzung der Anlagen zuverlässiger sicherstellen könnten. Einer Mitnutzung durch den Stadtjugendrat stehe gleichwohl gar nichts entgegen.

Stefan Sponer von den Wasserratten hat für die Umgestaltung viele Ideen.

(Foto: P. Günther/privat)

Sponer hat mit mehreren anderen Vereinen gesprochen. Und er sagt, dass nicht nur Stadtjugendrat, Bezirksfischereiverein und Wasserratten, die in den Sitzungsunterlagen der Stadträte aufgeführt waren, großes Interesse an einer Nutzung des Areals hätten, sondern unter anderem Eislaufverein (EVF) sowie Eis- und Rollsportclub - Manuel Vilgertshofer vom EVF bestätigt dies. Und für Football- und Rugbyteams könnten im alten Vereinsheim endlich Umkleiden und Duschen eingerichtet werden. Außerdem könnte man Sponer zufolge eine Mittagsbetreuung für Kinder einrichten, um die Zeit zwischen Schule und Training zu überbrücken. Die wäre dann auch offen für alle anderen Kinder. Grundsätzlich würde Sponer das Gelände gerne als Plattform nutzen, auf der Vereine mit vereinsungebundenen Jugendlichen in Kontakt kommen können. Er ärgert sich darüber, dass er bereits "vor 18 Monaten ein solches Konzept bei der Stadt eingereicht" habe, das dann aber den Stadträten gar nicht vorgelegt worden sei. Der Zug freilich scheint noch nicht abgefahren zu sein. OB Erich Raff (CSU) machte auf Nachfrage der SZ klar, dass man noch über die Ausgestaltung des Projekts reden kann. Man wolle etwas für Jugendliche anbieten, aber noch sei nichts entschieden. Sportreferent Martin Kellerer wundert sich, ebenso wie Sportbeiratsvorsitzender Joachim Mack, zwar darüber, "dass sich niemand bei mir gemeldet hat", ist aber offen für eine Beteiligung der Vereine - auch wenn er das Gelände weiterhin lieber in den Händen von Stadt und Stadtjugendrat sähe. Er werde das Gespräch mit allen Beteiligten suchen, verspricht Kellerer. Wichtig sei es, "etwas für die Jugend zu machen", so Mack.

Ist das gesichert, könnte auch der SCF mitspielen. Aus dem Umfeld des Vorstands heißt es, man sei bei der Nutzung des E-Jugendplatzes flexibel, sofern man dessen Pflege nicht aus der Hand geben müsse.

© SZ vom 07.05.2021
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