Fürstenfeldbruck BMW kann Fliegerhorst-Zukunft planen

Bürgermeister Hans Seidl (von links), BMW-Immobilien-Chef Herbert Grebenc und OB Erich Raff tauschen die Vertragsexemplare aus.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Ein städtebaulicher Vertrag mit Fürstenfeldbruck und Maisach regelt Lärmschutz und Bebauung

Von Erich C. Setzwein, Fürstenfeldbruck

Manchmal kann ein Jahr länger erscheinen, als es tatsächlich ist. Für die Manager der BMW Driving Academy auf dem ehemaligen Flugplatzgelände in Fürstenfeldbruck und Maisach muss das Moratorium, das sich die Anliegerkommunen auferlegt hatten, wie eine Qual gewesen sein. Die Enttäuschung war dem Bereichsleiter Real Estate Management und Konzernsicherheit BMW Group, Herbert Grebenc, auch bei der Unterzeichnung des städtebaulichen Vertrages seines Unternehmens mit den Rathauschefs von Fürstenfeldbruck, Erich Raff (CSU), und Maisach, Hans Seidl (CSU), immer noch gut anzumerken. Doch offenbar war es für die Städte Fürstenfeldbruck und Olching sowie die Gemeinden Maisach und Emmering besser, einen Gang herunterzuschalten, anstatt mit durchgedrücktem Gaspedal zu einer übereilten Entscheidung zu kommen. Und die nun getroffene Entscheidung, auf der Grundlage eines Vertrages gemeinsam weiter zu planen, hat nun allseitigen Gefallen gefunden.

Als Herbert Grebenc am Donnerstag darüber spricht, dass ein "guter Ausgleich zwischen dem, was wir hier gestalten wollen und was die Stadt Fürstenfeldbruck entwickeln will" gefunden worden sei, steht er im ersten Stock des BMW-Akademiegebäudes am Zaun des Bundeswehrgeländes - und auf Brucker Stadtgebiet. Beim Fototermin kurz danach draußen zwischen zwei Fahrzeugmodellen des Münchner Autobauers betritt der Manager Maisacher Flur. Die Grenzen zwischen den Kommunen sind wie sonst überall auch nicht sichtbar, doch für die weitere Entwicklung des 130 Hektar großen Geländes, das BMW von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gepachtet hat, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen unabdingbar. War der gemeinsam gestaltete Denkprozess der vier Anlieger schon eine "interkommunale Planung", so Seidl, so gehen die Überlegungen schon auch in Richtung eines interkommunalen Gewerbegebiets.

Für Oberbürgermeister Erich Raff jedenfalls war die zurückliegende Gesprächs- und Planungszeit nicht verloren. "BMW kann hier bleiben und den Standort entwickeln", ist das Fazit, das er zieht. Groß waren die Bedenken in der Kreisstadt, dass das Fahrsicherheitstraining, das ein paar Meter vom künftigen Brucker Konversionsgebiet entfernt auf Maisacher Gemeindegebiet betrieben wird, schlechte Auswirkungen auf die Entwicklung eines Gewerbe- und Wohngebiets haben könnte.

Immer größer und berechtigter schienen die Zweifel der Kommunalpolitiker zu werden, beinahe wäre es zu einem Stimmungsumschwung in Bruck gekommen. Daran erinnert sich Raff nicht gerne.

Auch Maisachs Bürgermeister Hans Seidl war daran gelegen, das "Projekt nicht scheitern zu lassen". Es werde "den Menschen dieser Region dienen", was man jetzt ausgearbeitet habe, ist er sich sicher. Zwar ist BMW mit dem Vertrag, dessen Inhalt nicht offiziell bekannt gemacht wurde, auferlegt worden, den Lärmschutz einzuhalten - was auch an etlichen Messstellen kontrolliert werden soll -, aber BMW kann nun eben auch seine Pläne für ein Tagungszentrum weiter verfolgen. Dieses Gebäude hätte Fürstenfeldbruck gerne als Riegel zum dahinter liegenden künftigen Gewerbe- und Wohngebiet.

BMW richtet sich laut Herbert Grebenc darauf ein, die Fahrer von teilautonomen und später autonom fahrenden Fahrzeugen zu schulen. So solle den Autofahrern die Möglichkeit gegeben werden, vor dem Fahren auf öffentlichen Straßen das autonome Fahren auf der Teststrecke auszuprobieren.

Dass manche Brucker, je nach Windrichtung, die Vollbremsungen vom Fliegerhorst weiter wahrnehmen werden, daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Denn das Reifengequietsche produzieren nicht nur die Teilnehmer der BMW-Academy, sondern auch die Polizeibeamten, die unweit von BMW auf einem eigenen Abschnitt des ehemaligen Flugplatzvorfelds ein Fahrersicherheitstraining absolvieren.