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Fürstenfeldbruck:Besondere Nähe zu den Künstlern

Der Pianist Martin Helmchen ist beim Klaviersommer 2020 kurzfristig eingesprungen, weil die vorgesehene Anna Tsybuleva pandemiebedingt nicht einreisen durfte. In diesem Jahr holt sie ihren Auftritt nach.

(Foto: Günther Reger)

Mit dem Fürstenfelder Klaviersommer bietet das Veranstaltungsforum auch in diesem Jahr wieder eine Konzertreihe mit einmaliger Qualität und Atmosphäre an

Von Florian J. Haamann

Mit einer ganz besonderen Konzertreihe meldet sich das Veranstaltungsforum Fürstenfeld aus dem Lockdown zurück. Der Fürstenfelder Klaviersommer hat sich in den vergangenen zwei Jahren zu einem echten Schatz im großen Angebot klassischer Konzerte im Landkreis entwickelt - nicht nur wegen der herausragenden Künstler, die dort auftreten, sondern vor allem wegen der ganz besonderen und einmaligen Atmosphäre, die die Abende versprechen.

Entsprechend froh ist Veranstaltungsforumsleiter Norbert Leinweber über die Chance, den Klaviersommer auch in diesem Jahr anbieten können. Los geht es Anfang Juli. "Wir sind schon ein Stück weit stolz darauf, dass wir so kurz nach der Wiedereröffnung internationale Künstler aus Israel, der Ukraine und Österreich auf die Bühne bringen können. Da steckt viel Organisationsarbeit drin, weil da ganz andere Anforderungen dahinter stehen als bei einem lokalen Künstler. Ich bin froh, dass das Timing so gut passt und wir uns auch getraut haben die Planung durchzuziehen".

Diese Reihe mit ihrem besonderen Charakter sei ein toller Start für die Rückkehr der Kultur ins öffentliche Leben. "Das ist wie ein Wohnzimmerkonzert, die Besucherinnen und Besucher sind nah an den Künstlern dran, können ihnen quasi auf die Finger schauen", sagt Leinweber. Für die Konzerte wird extra eine seitliche Tribüne aufgebaut, im Nachgang gibt es ein Künstlergespräch. Diese Tradition soll auch in diesem Jahr unter Coronabedingungen und mit den erforderlichen Hygienemaßnahmen aufrecht erhalten werden. Etwa die Hälfte der Karten ist bereits als Abo und im Einzelverkauf gebucht. "Das zeigt uns, dass das künstlerische Angebot stimmt", sagt Leinweber. Im vergangenen Jahr konnten zeitweise nur 50 Besucher zu den Klavierkonzerten zugelassen werden, dieses Mal sieht es so aus, als ob es mindestens 250 werden dürfen.

"Es ist schon etwas Besonderes, dass man so etwas in Fürstenfeldbruck aufziehen kann. Wir können hier Musiker erleben, die weltweit Karriere machen. Das ist vor 30 Jahren undenkbar gewesen und wird vielleicht auch nicht immer so bleiben. Aber jetzt ist es so, und dafür bin ich dankbar, gerade weil es wegen der Pandemie nicht selbstverständlich ist", sagt Dinis Schemann, der künstlerische Leiter des Klaviersommers.

Eröffnet wird die Reihe am Samstag, 4. Juli, von Anna Malikova, die eine musikalische Reise von Europa nach Russland präsentiert, mit Werken von Franz Schubert, César Frank und Alexander Skrjabin. Malikovas hat am Moskauer Konservatorium studiert und 1993 den ersten Preis beim ARD-Wettbewerb gewonnen, es war der Startschuss für ihre Weltkarriere. Das zweite Konzerte am 16. Juli gestaltet das Silver-Garburg Klavierduo unter anderem mit Mendelssohns Sommernachtstraum und Werken von Nikolai Rimski-Korsakow.

Zum Abschluss des Klaviersommers ist in diesem Jahr, am Samstag, 24. Juli, Anna Tsybuleva zu hören, die bereits im vergangenen Sommer eingeladen war, pandemiebedingt aber nicht einreisen durfte. "Sie spielen zu sehen ist ganz große Klasse. Bei ihr spürt man in jedem Ton die Dankbarkeit, Musik machen zu dürfen", sagt Dinis Schemann.

Doch der Klaviersommer ist nicht alles, was die Besucher in den nächsten Wochen und Monaten im Veranstaltungsforum erwartet. Vor allem stehen viele Nachholtermine an. "Der Polt beispielsweise ist schon ewig ausverkauft. Um allen Käufern einen Besuch zu ermöglichen, gibt es zwei Auftritte und es findet draußen statt. Also müssen wir die Leute kurzfristig anschreiben und das organisieren", sagt Leinweber.

Wenn alle geplanten Veranstaltungen in den kommenden Wochen und Monaten stattfinden können, dann wird es in Fürstenfeld in diesem Sommer so viel Programm geben wie selten zuvor, betont Leinweber. Dazu gehören nicht nur die einzelnen Abendveranstaltungen, sondern Großtermine wie das Fürstenfeldpicknick (11. Juli), die Internationalen Naturfototage (29. Juli bis 1. August), der Fürstenfelder Kinosommer (4. bis 20. August) und der Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt (14. und 15. August). Die Sicherheit der Besucher bei Veranstaltungen im Innenbereich soll die Lüftungsanlage verbessern, mit der es möglich ist, sechs Mal pro Stunde die komplette Luft auszutauschen, mit hundert Prozent Frischluft Anteil von draußen. Für Leinweber sind Kulturveranstaltungen Gesamterlebnisse, die aus einem Dreiklang bestehen. Dem Inhalt, der Inspiration bietet, Freude und Horizonterweiterung. "Je nach Sparte und Programm bringen uns Künstler zum Lachen und Staunen, zum Weinen und Träumen, zum Denken und Fühlen", sagt Leinweber. Ein weiterer Aspekt sei die Kommunikation der Besucher untereinander und mit den Künstlern. Schließlich nennt er den Genuss, den die Kulinarik und das Ambiente vor Ort bieten. Deshalb hofft Leinweber, dass möglichst bald wieder normale Rahmenbedingungen für Kulturveranstaltungen herrschen. "Liveveranstaltungen lassen sich nicht mit Streaming-Angeboten vergleichen und können nicht ersetzt werden", fasst es Leinweber zusammen.

Karten für den Klaviersommer sind unter www.fuerstenfeld.de erhältlich. Dort sind auch alle geplanten Veranstaltungen und die jeweils aktuellen Corona-Maßnahmen zu finden

© SZ vom 19.06.2021
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