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Premiere:Renaissance des Autokinos

Von diesem Freitag an sind in Fürstenfeldbruck wieder Filme auf der Leinwand zu sehen. Allerdings nicht im geschlossenen Raum, sondern unter freiem Himmel auf dem Volksfestplatz

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Ein bisschen wie beim Tetris-Spielen werde es beim Einweisen der Autos wohl zugehen, erzählt Markus Eisele, Mitbetreiber des Autokinos auf dem Brucker Volksfestplatz. Immerhin gehe es darum, alle so zu platzieren, dass jeder eine gute Sicht auf die Leinwand habe. Diese hängt dafür deutlich höher als es sonst bei Open-Air-Kinos der Fall ist. Jedes Auto wird dafür von einem Einweiser platziert, große Fahrzeuge wie etwa VW-Busse werden direkt ganz hinten untergebracht. Erlaubt sind nur PKWs. Motorräder oder Wohnwagen sind nicht zugelassen.

Am Donnerstag mussten nicht nur Eisele und seine Mitarbeiter noch einmal eine Sonderschicht einlegen, auch bei der Stadt Fürstenfeldbruck galt es, die letzte Hürde abzubauen. Da der Volksfestplatz nicht gewidmet ist, braucht es für jede Veranstaltung eine eigene Baugenehmigung. "Ich muss sagen, Hut ab, dass die Stadt in der Lage ist, so etwas mal in eineinhalb Wochen durchzupauken. Es haben wirklich alle an einem Strang gezogen", sagt Eisele. Damit steht dem bis zum 11. Juli geplanten Autokino-Genuss nun nichts mehr im Wege und die Premiere an diesem Freitag kann wie geplant statt finden. Da die Betreiber, neben Eisele noch Tom Blum, der Organisator des Fürstenfelder Kinosommers, noch keine Erfahrung mit Autokinos haben, sollte es am Donnerstag noch einen Testlauf geben, um an den letzten Feinheiten zu schleifen.

Autokino

Tom Blum (links) und Markus Eisele betreiben das Autokino.

(Foto: Privat)

Blum ist im Team für die technische Infrastruktur zuständig, Eisele kümmert sich um die Programmgestaltung. Damit die Besucher einen reibungslosen und schönen Abend erleben können, arbeiten sieben Mitarbeiter aus dem Lichtspielhaus, verstärkt durch Kollegen aus den Münchner Kinos von Eisele, bei jeder Vorführung. Sie kümmern sich um den Einlass, wo die online gekauften Tickets durch die geschlossene Scheibe gescannt werden, die Übergabe der ebenfalls vorab im Netz bestellten Getränke und Snacks und eben um die Platzierung der Gäste. Aber die Betreiber haben auch an alle eventuellen Notfälle gedacht. Falls ein Auto nach dem Film nicht mehr genug Saft in der Batterie hat, um zu starten, gibt es eine Werkstatt, die sich um das Problem kümmert. Und sollte einer der Gäste es nicht schaffen, den Ton in seinem Autoradio zu empfangen, stehen ein paar Kofferradios zum ausleihen bereit. Empfangbar ist der Ton über die UKW-Frequenz 90,4. Wer will, kann das auch über sein Smartphone hören, über Kopfhörer oder eine Bluestooth-Box - natürlich in angemessener Lautstärke. Auch sonst gelten einige Regeln. Während des Films muss der Motor abgeschaltet werden, ebenso die Lichter. Hupen ist ebenfalls untersagt, es soll Rücksicht auf die Anwohner genommen werden.

Anfangs ist der Einlass auf 200 Fahrzeuge beschränkt, sollte sich in den ersten Tage zeigen, dass noch etwas mehr Platz ist, könne die Kapazität auf bis zu 250 Erweitert werden, sagt Blum. Der Eintritt kostet 19 Euro pro Auto, das sind 9,50 für die zwei Personen auf den Vordersitzen. Besucher auf den Rücksitzen sind kostenfrei, müssen aber aus dem gleichen Hausstand sein. Die Premiere an diesem Freitag sei bereits so gut wie ausverkauft, auch das Wochenende schon gut ausgelastet. "Die Karten können ja erst seit ein paar Tagen gekauft werden und auch die kommende Woche füllt sich langsam schon", sagt Eisele.

FFB

Damit auch alle Besucher etwas sehen können, ist die Leinwand extra hoch aufgehängt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gespielt wird eine Mischung aus den Highlights der vergangenen Saison und Filmklassikern, darunter "Die Känguru-Chroniken", "Parasite", "Pulp Fiction" und "The Big Lebowski", pro Abend gibt es einen Film. Eröffnet wird das Autokino an diesem Freitag mit "Bohemian Rapsody". Aktuell steht das Programm bis zum 14. Juni. "Wir werden uns dann an die Erfahrungen der ersten Wochen anpassen. Wir experimentieren auch ein wenig, wir zeigen auch einen Horrorfilm und schauen mal, wie das funktioniert. Ich denke, es ist eine schöne Mischung und jetzt schauen wir mal, wie sie angenommen wird", sagt Eisele.

Autokino auf dem Brucker Volksfestplatz, von diesem Freitag, 29. Mai, an bis zum 14. Juli. Beginn jeweils um 21.30 Uhr, Einlass eine Stunde vorher. Eintritt 19 Euro pro Auto. Tickets und Informationen unter www.autokino-ffb.de

© SZ vom 29.05.2020
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