Fürstenfeldbruck Abgefahren

Im August steigen Fahrgäste am Fürstenfeldbrucker S-Bahnhof in mehrere Busse Richtung Pasing ein.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Nach Abschluss der Bauarbeiten verkehrt die S-Bahn der Linie 4 seit Dienstag wieder nach Fahrplan. Die Verantwortlichen blicken zufrieden zurück auf den Schienenersatzverkehr in den Sommerferien. Pendler hingegen ärgerten sich über Pannen und lückenhafte Information

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die S 4 verkehrt seit Dienstag wieder regulär zwischen Pasing und Geltendorf. Sowohl die Bahn als auch das Landratsamt bezeichnen den Schienenersatzverkehr durch Busse in den Sommerferien, abgesehen von einigen Pannen, als Erfolg. "Ein Lob an die Bahn, die haben wirklich versucht, für jeden etwas anzubieten", sagt Hermann Seifert, ÖPNV-Experte der Kreisbehörde.

In den Ferien war der S-Bahnverkehr zwischen Bruck und Pasing weitgehend eingestellt worden, weil Gleise ausgetauscht wurden. Stattdessen klapperten Ortsbusse die Bahnhöfe ab, Schnellbusse fuhren nonstop von Bruck nach Pasing und Shuttlebusse von Eichenau nach Olching und von Puchheim nach Lochhausen zur Linie S 3. Dazu hielten Regionalzüge in Buchenau, alle zwei Stunden fuhr eine S-Bahn und man konnte mit dem regulären MVV-Bus nach Germering zur S 8 ausweichen.

Insgesamt bot die Bahn damit sechs verschiedene Möglichkeiten an, von Bruck nach München zu fahren. "Das war ein sehr aufwendiges Konzept, wie wir es so noch nicht gehabt haben, aber es hat sich bewährt", betont ein Sprecher der Bahn. Allerdings hatte das ursprüngliche Konzept der Bahn für den Ersatzverkehr gar keine Shuttlebusse zur S 3 vorgesehen, nicht einmal Schnellbusse, sondern lediglich Ortsbusse. Erst nachdem Landrat Thomas Karmasin (CSU) und der ÖPNV-Experte Seifert Anfang Mai die Pläne kritisiert hatten, besserte die Bahn nach.

Es zeigte sich, dass die Ortsbusse tagsüber wenig nachgefragt waren, während die Schnellbusse von den Pendlern gut angenommen wurden. Am Anfang waren sogar zu viele Busse am Start, dann habe man einige abgezogen, berichtet der Sprecher der Bahn. Insgesamt waren etwa 40 Busse im Einsatz, die mehr als 10 000 Fahrten absolvierten. Ärgerlich für die Pendler war, dass für Busse zur S 3 extra Tickets gelöst werden mussten und der Takt auf der S 3 sowie der S 8 ausgedünnt worden war. Insbesondere die Züge der S 3 waren teilweise überfüllt. Der Bahn-Sprecher erklärt, dass solche Baustellen einen Mehraufwand an Personal und Zügen bedeuten, weil Abschnitte wie der zwischen Bruck und Geltendorf vom Gesamtsystem abgetrennt sind. Wegen der Bauarbeiten an der S 7 und S 4 seien 18 zusätzliche Schichten notwendig gewesen.

SZ-Leser kritisierten mangelhafte Informationen für Rollstuhlfahrer, weil nicht jeder Bus mit einem barrierefreien Zugang ausgestattet war. Angesichts der großen Zahl von Fahrgästen habe der Schienenersatzverkehr dennoch "im Großen und Ganzen" gut funktioniert, lobt Hermann Seifert. Immerhin handelte es sich um einen Ersatz und nicht den regulären Betrieb. Den ÖPNV-Experten freut, dass die Intervention des Landratsamtes auf fruchtbaren Boden gefallen ist. "Die Gesprächspartner der Bahn waren sehr kooperativ."

Lediglich bei den Informationen habe es mitunter gehapert. So berichtet Seifert, dass die Angaben in den Fahrplänen gelegentlich um bis zu zwei Minuten von der Realität abwichen. Manche Fahrer von Regionalzügen wussten offenbar nichts von dem außerplanmäßigen Halt in der Buchenau, so dass etliche Züge am Bahnsteig vorbeirauschten.

Vielleicht lernt die Bahn aus der Auseinandersetzung. "Die Zusammenarbeit hat sich bewährt. Insbesondere haben uns die Vorschläge aus dem Landratsamt sehr geholfen", erklärt der Sprecher des Unternehmens. Zwar stimme man sich bei größeren Projekten immer mit den Anrainern ab, jedoch sei der Austausch in diesem Fall deutlich umfangreicher gewesen.

Die Bahn wird auf der Strecke der S 4 bald beweisen können, dass es noch besser geht: Bereits 2016 werden die Weichen von Gleis 2 im Puchheimer Bahnhof und 2019 Gleise und Weichen im Buchenauer Bahnhof ausgetauscht. Die nächste Großbaustelle folgt 2017, wenn die Gleise zwischen Grafrath und Geltendorf ersetzt werden, wohl auch wieder in den Sommerferien.