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Ausstellung Sparkasse

Tanja Xeller beschäftigt sich in ihren Werken mit der immer noch eher seltenen Kunst des Buchfaltens.

(Foto: Günther Reger)

In einer Ausstellung geben Künstler ihren Werken Nummern statt Namen

Die größte Herausforderung bei jeder Gruppenausstellung einer Künstlervereinigung ist es wohl, einen passenden Übertitel für die Vielzahl an unterschiedlichen Werken zu finden. Deshalb haben sich die Olchinger Künstler dazu entschieden, ihre aktuelle Ausstellung in der Sparkasse einfach "Ohne Titel" zu nennen. Das gilt auch für die Werke, die keinen Namen tragen, sondern Nummern. Nun ist die Idee, Kunstwerke von einem konkreten Titel und damit von einer vorgegeben Interpretationsrichtung zu befreien, nicht neu, aber durchaus eine gute Idee. Durch die Nummerierungen allerdings wird dieses Konzept gestört, weil sie eine gewisse Chronologie oder Reihenfolge der Werke suggerieren.

Zu sehen ist, wie es für so eine Ausstellung typisch ist, ein breites Spektrum an Motiven, Techniken, Stilen und Materialien, vom digital bearbeiteten Foto bis zur Steinskulptur. Eher selten zu sehen ist allerdings das, was Tanja Xeller macht: Buchfaltkunst. Dabei werden die Seiten eines Buches so gefaltet, dass an der Front ein Muster, Buchstaben oder Figuren zu erkennen sind. Deshalb wird diese Gattung auch als "Buch-Origami" bezeichnet. Eines von Xeller ausgestellten Werken zeigt das Wort "Freude", das zweite zeigt ein mit einem Muster gefaltetes Buch in einem Glas, das mit Papierstreifen aus Notenblättern gefüllt ist.

Ähnlich ungewöhnlich sind auch die Werke von Chadha Bali, die zwei runde Spiegelmalereien und ein Gemälde zeigt. Einen der Spiegel hat sie mit einem schwarz-weißen Linienmuster bemalt, in dem zehn unterschiedlich große Kreise freigelassen sind und in denen sich der Besucher selbst erkennen kann. Das zweite Spiegelgemälde ist ähnlich aufgebaut, nur dass die Muster bunt und flächiger, aber immer noch abstrakt sind. Auch in ihrem Gemälde bleibt sie dem Kreis als Motiv treu, allerdings sind darauf eine Vielzahl von Gesichtern und Masken zu sehen, die kreuz und quer über das Bild verteilt sind und teilweise in Neonfarben leuchten.

Wesentlich konventioneller sind da die Aquarelle von Valentin-Zoltan Nagy. Detailreich und technisch versiert zeigt er etwa einen Bistrotisch, der in einer romantischen Hügellandschaft steht, daneben ein Baum mit sauber herausgearbeitetem Stamm und skizzierten Blättern. Die vier Stühle des Tisches sind leer, auf dem Tisch stehen eine Flasche Rotwein und ein Glas. Das Bild ist in schwarz-weiß gehalten, bis auf zwei Elemente: Die violette Tischdecke und eine rot-braune Burganlage im Hintergrund. Trotz seiner reduzierten Einfachheit erweckt das Bild ein großes Sehnsuchtsgefühl.

Geradezu düster kommen im Gegensatz dazu die Werke - eine Skulptur und drei Gemälde - von Klaus Kühnlein daher. Sein Motiv ist ein Kokon, der aufzuplatzen droht. Im zentralen Gemälde hat die Hülle sogar bereits Risse, im Inneren erkennt man viele kleine, schwarze Karten, die mit einem Wort bedruckt sind: Trump. Daneben ist der Kokon mit anderen kleinen Motiven wie in einem Setzkasten zu sehen. Und auch als Skulptur hat Kühnlein sein Motiv verarbeitet. Vom Kokon gehen mehrere Drähte ab, an denen Steine befestigt sind, das Ganze wirkt wie die Darstellung eines entfernten, gefährlichen Sonnensystem.

Insgesamt beteiligen sich 24 Künstler an der Ausstellung, die einen gutes Gefühl dafür vermittelt, warum es interessant ist, wenn sich Künstler zusammen tun, um gemeinsam zu arbeiten, sich auszutauschen und auszustellen.

Ausstellung "Ohne Titel", der Olchinger Künstler, Vernissage an diesem Donnerstag von 19 Uhr an in der Sparkasse Fürstenfeldbruck, Hauptstraße 8. Danach zu sehen bis zum 2. März.

© SZ vom 09.02.2017

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