Freilichtbühne Olching:Temperamentvoll

OLCHING: Erstaufführung von VERHEXTE HEX

Monika Popovits verkörpert die bucklige Hexe Walli und bereitet auf der Bühne einen Zaubertrank zu.

(Foto: Leonhard Simon)

Monika Popovits brilliert in einer Hexenrolle

Von Franziska Schmitt, Olching

Ein Raunen geht durchs Publikum, als der Dampf aus dem Hexenkessel über die Bühne kriecht. Und dann: Neben Haaren und den Fingernägeln einer Jungfrau landet auch eine Tomate samt Strunk im Hexentrank. In diesem und ähnlichen Momenten ist der Hof von Gut Graßlfing von Lachen erfüllt.

Die Premiere des Bauernschwanks "Verhexte Hex" aus der Feder von Ralph Wallner will sich am Freitagabend niemand entgehen lassen. Nicht der Olchinger Bürgermeister Andreas Magg, nicht Pfarrer Josef Steindlmüller und schon gar nicht der Schreiberling selbst. So sind die 208 Plätze vor der Freilichtbühne fast vollständig besetzt. Ebenso "narrisch" seien auch die Schauspieler selbst nun endlich wieder spielen zu dürfen, sagt der Vorsitzende der Volksbühne Olching, Andreas Popovits. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgt während der Vorstellung die Braumanufaktur Olching.

Neben Vorfreude auf den Schwank gehe es auch darum, nun endlich zusammen zu kommen und gemeinsam zu erleben, wie Steindlmüller bei seiner Segnung vor Beginn betont. Und die Regisseurin Ingrid Schediwy verspricht: "Auch wenn ihr alle auf Abstand seid, spüren wir euch. Und ihr werdet uns zu spüren bekommen, wenn wir mit Leidenschaft die "Verhexte Hex" spielen." Der Vorhang lichtet sich und gibt den Blick frei auf Hütte, Feuerstelle, Wald und Brunnen

In drei Akten wird hier die Geschichte der Buckel-Walli und ihrer ambivalenten Beziehung zu den Bewohnern des Dorfes erzählt. Als Hexe wird sie von den Dorfbewohnern gefürchtet. Doch wenn die Bewohner keinen Ausweg wissen, machen sie sich auf zu ihr in den Wald, manchmal auch nur des persönlichen Vorteils wegen.

Gespielt wird die Hexe von Monika Popovits. Durch ihre ausdrucksstarke Gestik und Mimik wird sie dem temperamentvollen Charakter gerecht. Ihre kräftige, durchdringende Stimme setzte sie gekonnt ein, um ihr Gegenüber aus der Reserve zu locken. So hält sie die Dorfbewohner in der Rolle der gewitzten Hexe in Schach. Pfarrer Johannes (Andreas Fischer) ist perplex als Walli ihn auf seine Hämorriden anspricht. Woher sie das nur wieder wissen mag?

Dabei bricht die Inszenierung mit der klassischen Vorstellung der buckeligen und rothaarigen Hexe. Bereits vorab erklärte Paul Held, der die Regisseurin Schediwy zeitweise vertreten hat, dass die Volksbühne Olching auch bei diesem Stück ihrer Natürlichkeit treu bleibe. Auch das Bühnenbild erinnert eher an eine Waldlichtung und macht einen nur wenig zwielichtigen Eindruck. Doch spätestens zum Ende des zweiten Aktes stellt sich das als durchaus vorteilhaft heraus. Die Dynamik wandelt sich, und die Dorfbewohner bringen Buckel-Walli in ihrer Rolle als Dorfhexe immer mehr in Bedrängnis. Durch ein gelungenes Zusammenspiel und starke Charaktere bringen die Schauspieler Hexerei und Dorfgeschwätz glaubhaft auf die Bühne.

Noch am kommenden Wochenende gibt es die Möglichkeit sich die "Verhexte Hex" anzuschauen. Karten können telefonisch unter 0151/56389616 oder unter 0176/69668175 reserviert werden. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.volksbuehne-olching.de.

© SZ vom 26.07.2021
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