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Fitnessprojekt:Zu viele Kinder mit Übergewicht

Sport

Buben und Mädchen des Puchheimer Kindergartens Regenbogen freuen sich über Spielgeräte für die Bewegungsstunde.

(Foto: BKK Pro Vita/oh)

Der FC Puchheim und der SV Germering organisieren für drei Kindergärten ein Bewegungsprogramm

Von Johanna Kleinert, Puchheim

Auch im Landkreis Fürstenfeldbruck nimmt die Zahl von übergewichtigen Kindern oder solchen, die von Adipositas bedroht sind, zu. Um das stetig steigende Durchschnittsgewicht effektiv einzudämmen, arbeiten drei Kindergärten in Puchheim und Germering seit September eng mit den dortigen Sportvereinen zusammen. Für ihre Handlungsbereitschaft wurden die Kitas nun ausgezeichnet.

Die teilnehmenden Kindergärten bekommen je einen Vereinspaten zur Seite gestellt. Während der FC Puchheim das Bewegungsprogramm des Kindergartens Regenbogen und der Awo-Kindertagesstätte Grashüpfer organisiert, unterstützt der SV Germering von nun an das Spatzennest. "Bewegung ist sehr wichtig für die Gesundheit und die Entwicklung von Kindern. Gerne unterstützen wir das Projekt, um Kindergartenkindern Spaß an Bewegung zu vermitteln und zu ermöglichen", sagte Jasmin Jumtow, Referentin für Gesundheitsförderung bei der BKK ProVita. Sportliche, erzieherische, ernährungswissenschaftliche und gemeinschaftliche Aspekte will die Initiative vereinen.

Ausgestellt wurden die Urkunden von den Schirmherren der Kooperation, der Bayerischen Sportjugend (BSJ) aus dem Bayerischen Landessportverband, und den BKK-Betriebskrankenkassen Bayern. Die Kampagne läuft unter dem Begriff "BAERchen". Eine Abkürzung, die den weitgefassten Anspruch an das Projekt - Bewegung, Aufklärung, Ernährung und Ressourcen - auf die Zusammenarbeit konzentriert. Mehr als 400 solcher "BAERchen"-Kooperationen wurden seit dem Start im Jahre 2011 ins Leben gerufen.

"Kinder, die im Kindergarten schon mit dem Verein in Kontakt kommen, neigen eher dazu, auch in der Grundschule den Verein weiterhin aktiv zu nutzen", erklärte Margit Schweigler vom FC Puchheim. Den Organisatoren war es gerade deshalb so wichtig, dem Übergewicht mit langfristigen Lösungen den Kampf anzusagen. Nach der BKK, dem Initiator des Projekts, ist nämlich vor allem eine Hauptursache für die Gewichtszunahme bei Kindern verantwortlich: Bewegungsarmut. "Inneneinrichtungen wie Schulen fördern dies sicherlich. Zuhause jedoch geht das Sitzen meist weiter. Das Sitzen vor Bildschirmen. Rund zwei Stunden am Tag verbringen Grundschüler durchschnittlich vor Handys oder Computern. Der Richtwert für die empfohlen Menge Medienkonsums von null Stunden wir damit deutlich überschritten", erklärte der BBK-Pressesprecher Michael Blasius auf Nachfrage der Redaktion.

Die Folgen von Fettleibigkeit wiegen schwer, können Diabetes, Gelenkprobleme, Herz-Kreislauferkrankungen oder Depressionen mit sich ziehen. Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge leiden etwa drei bis vier Prozent aller bayerischen Grundschüler im Einschulungsalter an Adipositas. Bundesweit sind es sogar noch mehr. Fast neun Prozent aller Kinder und Jugendlicher im Alter zwischen drei und 17 Jahren sind hier übergewichtig. Etwa sechs Prozent sind adipös.

Wie viele Kinder in Fürstenfeldbruck erkrankt sind, lässt sich mangels Statistiken nur schwer ermitteln. Feststellbar ist aber, dass immer mehr Kinder im Landkreis korpulenter sind als ihre normalgewichtigen Altersgenossen. Tendenz und Handlungsbedarf seien steigend, wie die Brucker Kitas und die BKK Betriebskrankenkassen Bayern feststellen.

Seit drei Monaten besuchen die Gruppen nun schon für 45 Minuten die Vereinssporthalle. "Wir bauen meistens eine Bewegungslandschaft auf. Hier lernen die Kinder zunächst sich richtig zu bewegen, auf einem Bein zu hüpfen, vorwärts- und rückwärts zu gehen, zu balancieren und zu klettern oder Hindernisse zu überwinden", führte Traude Mandel vom Bayerischen Landessportverband weiter aus. Geleitet wird die Bewegungseinheit von Übungsleitern, die die Vereine stellen und die der BSJ ausbildet. Vergütet werden die Trainer aber von der BKK, mit 800 Euro.

© SZ vom 18.12.2019

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