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Erwachsenenbildung:Auf Raumsuche

Der Germeringer Volkshochschule bereitet die zunehmende Zahl von Integrationskursen Probleme

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Die Volkshochschule Germering drücken ständig Raumprobleme. Mit der Zunahme der Integrationskurse für Flüchtlinge und Asylbewerber hat sich die Lage nochmals zugespitzt. Doch es kann noch schlimmer kommen. Die Eigentümer der Gebäude am Therese-Giehse-Platz an der Stadthalle - der sogenannten Germeringer Harfe - planen bekanntlich den Abriss des Areals im Jahre 2023. Die VHS ist in einem Teil des Gebäudekomplexes untergebracht und fürchtet in drei Jahren um ihr räumliches Dasein. "Unser Asylplan", bestätigte VHS-Vorstandsfrau Evi Seidel bei der Mitgliederversammlung, "geht bis 2022". Danach stehe die weitere Unterbringung der VHS-Verwaltung noch in den Sternen.

Nicht nur die Geschäftsstelle befindet sich am Therese-Giehse-Platz, auch vier Kursräume werden dort ständig genutzt. "Besonders der Tanzraum mit Schwingboden ist ideal", so Seidel. Die VHS-Chefin schätzt vor allem auch die zentrale Lage der Germeringer Bildungseinrichtung. Kurze Wege zur Stadtbibliothek und Stadthalle würden vieles erleichtern. "Auch der Parteiverkehr ist hier - animiert durch die Fensterfront mit den Veranstaltungsplakaten - enorm", lobte Seidel den jetzigen VHS-Standort. Kurse veranstaltet die VHS im Mehrgenerationenhaus (Zenja) und in fast allen Grund- und Hauptschulen in der Stadt. "Trotzdem sind wir räumlich immer am Anschlag", klagte Seidel. Der Lernort für einen demnächst stattfindenden Integrationskurs steht etwa immer noch nicht fest.

Allein 22 Integrationskurse führte die VHS im Jahre 2018 durch. Die beginnen mit Einstufungstests und enden mit verschiedenen Abschlusstests. "Das ist sehr aufwendig", erklärte Seidel, weil auch zahlreiche Beratungstermine zu diesem Angebot dazugehören. Die Vorstandsvorsitzende feiert im kommenden Herbst ein Jubiläum, ist sie doch seit 25 Jahren bei der VHS beschäftigt. 2006 wurde Seidel Geschäftsführerin, 2015 Vorstand. Zusätzliche Arbeit bereitet der VHS das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das mit neuen Vorschriften den Bürokratismus und Formalismus weiter ausgebaut hat. "Da machen wir mehr Verwaltungsarbeit als pädagogische Arbeit", meinte Seidel bei der Mitgliederversammlung. Deutschkurse sind auch über die Integrationskurse hinaus sehr gefragt. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 67 Kurse für insgesamt 1004 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die für eine Volkshochschule maßgebenden Zahlen von insgesamt 1441 Veranstaltungen mit knapp 15 000 Teilnehmern, sowie 12 422 Doppelstunden sind auch 2018 ziemlich konstant geblieben. Auch bei den Programmbereichen gibt es keine gravierenden Änderungen. Nach wie vor ist der Bereich Gesundheit mit 5746 Anmeldungen der Renner. Dort wird vor allem Yoga gebucht. 82 Yoga-Kurse fanden statt. Pilates (31) und Zumba (48) liegen ebenfalls weiterhin im Trend.

Der Bereich Sprachen lockte - inklusive Deutsch - 2500 Teilnehmer an. Bei den Fremdsprachen führt Englisch die Meldeliste an. Japanisch nimmt neuerdings zu; 2018 fanden drei Kurse statt. "Wir wissen nicht warum", erklärte Seidel achselzuckend. Erfolgreich war auch der Programmschwerpunkt Frankreich mit 32 Angeboten und 562 Teilnehmern - samt einer Reise in die Provence zur Lavendelblüte - gewesen. Die Sommerakademie lockte im vergangenen Jahr 806 Teilnehmer an. Insgesamt beschäftigt die VHS 360 Kursleiter und Referenten.

Die Finanzen der Germeringer Volkshochschule sind im Plan. Darauf achtet auch der Aufsichtsrat mit Christian Grams als Vorsitzender des Gremiums. Einnahmen von 1,057 Millionen Euro standen Ausgaben von 1,021 Millionen Euro gegenüber. Die Stadt Germering unterstützte die Bildungseinrichtung 2018 mit 243 000 Euro. "Die Stadt hat immer ein offenes Ohr für die VHS", bestätigte Grams. Er hofft, dass dies auch beim Umzug zu einem neuen Standort der Fall sein wird. "Eine Option ist eine Containerlösung", befürchtete Seidel. Lieber wäre ihr schon ein eigenes Haus. Seidel ist sich in einem sicher, was die Zukunft betrifft: "Das wird noch spannend werden."

© SZ vom 20.05.2019

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