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Minze:Schweißtreibende Tee-Ernte

Pfefferminzernte

Gemeinsam ernten die freiwilligen Helfer Reihe um Reihe ab.

(Foto: Günther Reger)

In Eichenau bringt der Förderverein den Ertrag seiner Pfefferminzfelder ein. Am Ende sind es 280 Kilo

Von Karl-Wilhelm Götte, Eichenau

Es herrscht quirliges Treiben in der Eichenauer "Teehalle". Etwa 280 Kilo Pfefferminzblätter gilt es zu verarbeiten. Die sind am Morgen von 25 Mitgliedern des Fördervereins des Eichenauer Pfefferminzmuseums auf dem nahen Teefeld mit Messern in Handarbeit abgeschnitten worden. Bei den Arbeitern in der Halle greift alles nicht nur dem Augenschein nach professionell ineinander: Pfefferminzblätter fliegen aus einer riesigen Schneide- und Häckselmaschine auf ein Förderband, einige auch auf den Boden. Die Schneidemaschine ist eine "Windmühle", erklärt Hans Kugler, der Vorsitzende des Fördervereins. "Der Schneidevorgang wird dann auch als 'Windeln' bezeichnet." Getrennt werden die Teeblätter von den dickeren Stängeln, die den Pfefferminztee bitter schmecken lassen würden. Die abgeschnittenen Stängel werden in einer Schubkarre weggefahren.

Die Teehalle ist ein Zweckgebäude, das der Förderverein vor zwei Jahren, bezuschusst durch die Gemeinde und den Freistaat, für 85 000 Euro gebaut hat. "Private Spenden waren auch dabei", sagt Kugler und schätzt das Engagement der Eichenauer für den Pfefferminztee. Die Heilpflanze gehört zur Identität Eichenaus, war das Dorf in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts doch die Hochburg des Pfefferminzanbaus in Deutschland. Eine Genossenschaft baute die Pflanze auf einer Fläche von 40 Hektar an und erntete jährlich 45 Tonnen Pfefferminzblätter. Da sind 280 Kilo natürlich wenig, aber immer noch genug, um die Mitglieder des Fördervereins in der Teehalle intensiv zu beschäftigen. "Die Ernte ist normal, aber eher gut", sagt Kugler und führt den Gast in den ersten Stock der Turnhalle. Dort riecht es noch intensiver nach frischer Pfefferminze. "Das Aroma ist enorm. Wir könnten das hier als Wellness mit Klangschalen verkaufen", erklärt der Vereinsvorsitzende und lacht.

Wohl wahr. Hubertus Jung, der ehemalige Eichenauer Bürgermeister, streut auch Pfefferminzblätter zum Trocknen auf eine "Horde", ein acht Quadratmeter großes Rechteck mit einem Gitternetz aus Kunststoff. Zweimal zwölf Horden werden bestreut und aufgestapelt. Jung ist einer der sogenannten Paten, die die Pfefferminzackerreihen betreuen. "Betreuen" heißt ganz regelmäßig zum Acker gehen und die Heilpflanzen vom Unkraut zu befreien. "Sieben- bis achtmal muss das vor der Ernte komplett passieren", spricht Kugler aus jahrelanger Erfahrung. Sonst wäre der Ernteertrag viel geringer. 30 Paten betreuen 24 Ackerreihen auf einer Fläche von tausend Quadratmetern. 140 Mitglieder hat der Förderverein. Viele Familien mit Kindern befinden sich unter den Pfefferminzpaten. Hans Kugler kommt jetzt jeden Tag in der Teehalle vorbei, um die Lüftungsschlitze - je nach Witterung - zu öffnen, damit die Blätter in vier, fünf Tagen trocken sind.

Das Ganze erfolgt aber nicht allein zum Spaß. Aus den getrockneten Blättern werden 50-Gramm-Teetüten, die im Pfefferminzmuseum für drei Euro verkauft werden, auch um das Museum zu finanzieren. Sogar als Weihnachtsgeschenk in Nostalgie-Dosen taugt der Eichenauer Pfefferminztee. Die Juni-Ernte ist die erste Haupternte in Eichenau. Da die Kapazitäten zum Trocknen nicht ganz ausreichen, werden nur zwei Drittel der Teeblätter abgeschnitten. Im August wird dann der Rest der Pfefferminze geerntet, gehäckselt und gewindelt.

© SZ vom 25.06.2018
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