Eichenau:Noch lange eine Baustelle

Eichenau: Nach außen macht die Eichenauer Starzelbachschule einen guten Eindruck. Doch viele Baumängel müssen behoben werden.

Nach außen macht die Eichenauer Starzelbachschule einen guten Eindruck. Doch viele Baumängel müssen behoben werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Starzelbachschule in Eichenau weist viele Mängel auf

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Die immer noch ziemlich neu erscheinende und in Rottönen schimmernde Fassade der Starzelbachschule in Eichenau verdeckt einen Zustand, der im Gemeinderat als "marode" und vom Architekten als "verwahrlost" bezeichnet wird. Denn während die offene Ganztagsschule neu an die Schule an der Parkstraße gebaut wird, sind Schäden bekannt geworden, deren Reparatur nicht nur viel Geld verschlingen, sondern auch die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern in den kommenden Jahren belasten werden. Noch stehen keine Summen im Raum und auch einen Plan für die Beseitigung aller Mängel gibt es noch nicht, doch ist den darüber entscheidenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäten seit Dienstagabend klar, dass sie sich noch viele Sitzungen lang damit befassen werden dürfen.

Die Augen geöffnet hat dem Gemeinderat und der Verwaltung Architekt Christian Peter (SPP Architekten und Ingenieure). Er berichtete schonungslos seine Eindrücke von einer Begehung der Schule und der Halle. Peter ist Planer der offenen Ganztagsschule und den Eichenauern durch den Umbau der Aussegnungshalle bekannt. Weil im Zusammenhang mit der Erweiterung der Starzelbachschule auch die Sanierung der Turnhalle ansteht, wurde er gebeten, sich den Komplex im Ganzen anzusehen. Er ist auch Sachverständiger für Bauschadenbewertung und hat bei seiner Begehung zunächst lediglich dokumentiert, was während der Bauphase und bei Rundgängen augenscheinlich war: "Es fällt uns auf die Füße, während wir arbeiten."

Die vom Architekten dargestellte Problematik ist beispielhaft dafür, wie Kommunen planen und wirtschaften und warum es meist doppelt so teuer wird, wenn billig gebaut wird. Es zeigt sich aber auch dort wieder das Dilemma, dass Gemeinden wie Eichenau gezwungen sind, bei der Vergabe von Arbeiten das scheinbar wirtschaftlichste Angebot zu akzeptieren, wohl wissend, dass es spätestens nach der Gewährleistungsfrist zu teuren Reparaturen kommt. Eichenau hat da einige Erfahrung, insbesondere was die vorangegangene Sanierung der Starzelbachschule angeht.

Als akutes Problem hat sich die Feuchtigkeit herausgestellt, die ins Gebäude an verschiedenen Stellen eindringt. Bürgermeister Peter Münster (FDP) befürchtete schon, dass Decken aufgemacht und Wände entfernt werden müssten, ja das ganze Gebäude zu entkernen wäre, um die Schimmelausbreitung im Schulgebäude zu verhindern. Wasserflecken an den Decken zeigen, wo Feuchtigkeit herauskommt, das Schwierige aber scheint zu sein, die Stelle zu finden, wo Wasser eintritt.

Auch unter dem Turnhallendach sind Rostflecken zu sehen als Hinweis darauf, dass Feuchtigkeit durchkommt und den Stahl im Beton rosten lässt. Christian Peter meinte dazu, dass das noch keine Folgen habe, eher schon die von ihm entdeckten Schäden in der Spannbetondecke. Wer dafür verantwortlich war, kann nach der unbestimmten, aber sicher lange zurückliegenden Zeit nicht mehr ermittelt werden, aber ältere Mitglieder des Gemeinderates erinnern sich an die Montage von Bühnentechnik in der Halle. Nur sind damals beim Bohren in die Spannbetondecke sogenannte Spannlitzen durchtrennt worden, wie der Architekt berichtet. Diese Litzen spannen die Betonteile vor, wodurch die Tragfähigkeit des Daches gewährleistet werden soll. Die Folgen sind für Peter klar: Schneit es im Winter und würde der Schnee das Dach belasten, müsste geräumt werden. Und zwar immer und nicht erst, wenn eine bestimmte Höhe und ein kritisches Gewicht erreicht würden.

Das Dach ist auch der Schwachpunkt des Schulgebäudes. Obwohl noch nicht einmal zehn Jahre alt, ist die dort verlegte Bitumenbahn an vielen Stellen geflickt worden. Peter erklärt das so: Es würden bei Sonneneinstrahlung 80 Grad erreicht, und bei dieser Temperatur könne sich das Bitumen aufblähen. Laut Bauverwaltung ist das Dach zwar repariert, aber dicht und an den Stellen, an denen die Photovoltaikanlage über dem Bitumendach steht, seien auch keine Schäden.

Dafür ist die PV-Anlage bereits nach sieben Jahren an vielen Stellen defekt und vom Netz genommen worden. Laut Bürgermeister Peter Münster "delaminieren" sich einzelne PV-Module, was nichts anderes heißt, als dass sich die zusammengefügten, laminierten Schichten auflösen. Münster geht davon aus, dass diese Anlage abgebaut werden muss und nicht wieder auf dem Dach installiert werden kann.

Zu diesen elementaren Schäden kommen viele weitere Mängel, wie etwa abgenutzte Teppichböden hinzu. Für den Architekten und Baumängelexperten Christian Peter sollten aber diese Probleme nicht einzeln für sich betrachtet und einzeln gelöst werden. Denn alles hänge mit allem zusammen, alles könne gemeinsam betrachtet werden, wofür eine ganzheitliche Lösung angestrebt werden solle.

Dass dies ein Weg sein könne, wie die Gemeinde könnte, darüber bestand im Gemeinderat nach dem Vortrag Peters Einigkeit. Es wurde denn auch eine Konzeptstudie beschlossen, um die erforderliche Instandsetzung wie auch die Instandhaltung der Schule mit den weiteren Maßnahmen in Einklang zu bringen. Dadurch soll auch geklärt werden, wie die Räume in dem Schulkomplex nach Eröffnung des Neubaus genutzt werden können, welche Strukturen sich ändern. Damit einher gehen dann die Fragen, ob die Schützen weiter im Keller bleiben und auch das Pfefferminzmuseum seine Räume an der Parkstraße behalten wird.

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