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Eichenau:Live aus der Budriohalle

Die Gemeinde Eichenau darf zur Info-Veranstaltung über die neuen Buslinien nur 100 Zuhörer in den Saal lassen. Alle anderen können die Diskussion auf der neuen Gemeinde-Homepage verfolgen und per E-Mail Fragen stellen

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Zum Fahrplanwechsel im Dezember des Jahres 2021 soll Eichenau ein Drehkreuz für neue überörtliche Busverbindungen werden. Von Olching nach Germering, zum Beispiel, oder von Fürstenfeldbruck über Emmering nach Puchheim. Verbindungen wie diese sollen es ermöglichen, gleich drei S-Bahnlinien durch den Landkreis miteinander zu verbinden und Gebiete für den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) zu erschließen, in denen man von vielen treuen Stammkunden weiß und in denen aber noch viele neue Fahrgäste erwartet werden. Doch die Bemühungen des Landkreises, durch den Ausbau der Buslinien den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu fördern und die Verkehrswende anzustreben, werden von einer Initiative in Eichenau torpediert. Der Protest kommt hauptsächlich von Anliegern der Allinger Straße und aus Nebenstraßen, weil dort die neue Buslinie 862 geplant ist. Weil Bürgermeister Peter Münster (FDP) festgestellt hat, dass viele der an der Diskussion Beteiligten nicht auf dem gleichen Informationsstand sind, will er am Mittwoch dieser Woche die Bürger umfassend informieren.

Genau einhundert Eichenauer werden der öffentlichen Veranstaltung in der Budriohalle beiwohnen können. Mehr sind nach den aktuellen Corona-Vorschriften nicht erlaubt. Das heißt aber nicht, dass alle übrigen Interessierten ausgeschlossen bleiben. Die Gemeinde hat etwas Geld in die Hand genommen, um auf ihrer neuen Homepage via Youtube live aus dem Sportzentrum zu übertragen. Aufgezeichnet wird die Veranstaltung laut Münster nicht.

In den vergangenen Wochen konnten sich die Eichenauer um die Einlasskarten bewerben. Alle Karten sind vergeben worden, der Einlass wird kontrolliert.

Große Fahrzeuge könnten es wegen der vielen geparkten Personenwagen in der Tat auch schwer haben.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Dass es keine Info-Veranstaltung wie sonst wird, zeigt sich daran, dass es nur Stehplätze in der Halle geben wird. Auch der Bürgermeister und seine Mitarbeiter werden im Stehen Auskunft geben. Eingeladen ist Hermann Seifert, der sich im Landratsamt Fürstenfeldbruck um den ÖPNV kümmert und schon sehr viele Buslinien und deren Schnittstellen geplant hat. Er wird erläutern, was er vor mehr als einem Jahr in Eichenau vorschlug. Im Gemeindegebiet sollen vom Dezember 2021 an weiter drei Buslinien unterwegs sein. Jetzt verkehren die Linie 841 und 842 tagsüber und die Linie 824 vorwiegend in den Abendstunden. Mit einem neuen Fahrplan erhalten die Linien auch neue Nummern, wobei nur die neue Linie 861 eine reine Ortsbuslinie bleiben und vom Bahnhof aus den Südwesten Eichenaus erschließen soll. Durch die Hauptstraße soll die Linie 860 fahren, die vom Gymnasium Olching kommend die S-Bahnhaltestellen in Olching (S 3), Eichenau (S 4), Harthaus und Freiham (beide S 8) anfährt.

Dem Bahnhof Eichenau kommt dabei die Schlüsselrolle zu, ist er doch Kreuzungspunkt aller Linien. So wird die Linie 863 von dort bis zum Fliegerhorst geführt werden, was weit in die Zukunft greift, wenn nach der Umwandlung des militärischen Geländes ein neues Wohn- und Gewerbeviertel entstehen wird. Wie der 863-er Bus wird auch die Linie 862 Emmeringern die Möglichkeit geben, sowohl zum S-Bahnhof Bruck zu kommen, als auch nach Eichenau oder nach Puchheim und durch Umsteigen in Eichenau über Germering Freiham zu erreichen. Auch Richtung Norden sind neue Verbindungen denkbar, zum Beispiel für Pendler bis nach Bergkirchen im Landkreis Dachau.

Abstellplatz Allinger Straße: Etliche Anlieger möchten keinen regelmäßigen Busverkehr haben, was sie auch unübersehbar kundtun.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Dass künftig allein 112 Busse der Linie 862 täglich durch die Allinger Straße im östlichen Teil Eichenaus fahren könnten, um auch dort neue Fahrgäste zu gewinnen, das missfällt dem in der Allinger Straße wohnenden Günther Kosler. Er führt zusammen mit anderen die Gefahren für Kinder und ältere Menschen ins Feld, die durch das erhöhte Verkehrsaufkommen entstünden. Der überregionale Busverkehr solle stattdessen auf der Hauptstraße und nicht durch die "Wohnstraße" fahren. In der Allinger Straße kann sich der Initiator einer Onlinepetition einen ausgebauten Radweg vorstellen.

Die Kommunalpolitik hat bereits bei der Vorstellung im vergangenen Jahr das neue Buslinienkonzept begrüßt. Die CSU hat zwischenzeitlich mit einem Faltblatt versucht, die Bevölkerung über die Neuerungen zu informieren. Zuletzt hatten sich SPD und Grüne in einer gemeinsamen Erklärung verwundert über Art und Inhalt des Protestes geäußert. Von der Veranstaltung am Mittwoch erwarten sich SPD und Grüne, dass sie für einen offenen und konstruktiven Dialog genutzt werden kann.

Die Informationsveranstaltung findet in der Budriohalle Eichenau am Mittwoch, 9. September, von 19 Uhr an für maximal 100 Besucher statt und wird live auf www.eichenau.eu/youtube übertragen. Fragen können per E-Mail vor und während der Veranstaltung an strassen@eichenau.de eingereicht werden.

© SZ vom 08.09.2020

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