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Eichenau:Linienscheu

Als die Gemeinde über die für 2021 geplanten Änderungen im öffentlichen Nahverkehrs informiert, regt sich Widerspruch. Eine Bürgerinitiative will keine Busse auf der Allinger Straße

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Wenn von Dezember 2021 an vier neue Buslinien durch Eichenau führen, dann soll das nicht nur Eichenauern erhebliche Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr bringen. Verbindungen zwischen verschiedenen S-Bahnlinien mit etlichen neuen Einsteige- und Umsteigemöglichkeiten sind geplant, für einige Linien hat die Ausschreibung bereits begonnen. Noch nicht dagegen für die neue Linie 862 von Fürstenfeldbruck über Emmering und Eichenau nach Puchheim. Diese soll auf der Allinger Straße durch den Westen Eichenaus geführt werden, und dagegen hat sich Widerstand geregt. In einer Informationsveranstaltung haben Eichenaus Bürgermeister Peter Münster (FDP) und der Nahverkehrsexperte des Landratsamtes, Hermann Seifert, am Mittwochabend einhundert Zuhörern in der Budriohalle erklärt, warum die neuen Linien als notwendig erachtet werden, warum die Linie 862 über die Allinger Straße führen soll und welche Verbesserungen die Neuerungen für die Gemeinde Eichenau bedeuten.

Der Protest ist nicht laut, aber energisch. Die Anwohner, die sich gegen die Absicht des Landkreises stellen, bringen Argumente, Fragen und Informationen vor, die in der zweieinhalbstündigen Veranstaltung gehört, ausgetauscht, abgewogen, beantwortet und auch korrigiert werden. Ziel des Bürgermeisters ist es, "alle auf denselben Informationsstand zu bringen."

So hat Hermann Seifert einige Mühe zu erklären, dass die Busse derzeit eben nicht bis drei Uhr in der Früh durch Eichenau fahren, wie das eine Anwohnerin wahrgenommen haben will, sondern nur bis 00.30 unterwegs sind, und dass es keine Ruftaxis sind, die nach Mitternacht noch fahren. Die Betriebszeit für die neue Linie 862 ende um 22.30 Uhr, danach würde, und das erstmals in Eichenau, das Ruftaxi fahren.

Einige Anwohner der Allinger Straße zeigen am Mittwochabend bereits vor Beginn der Veranstaltung in der Budriohalle deutlich, was sie von den Plänen halten, Busse an ihren Haustüren vorbeifahren zu lassen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auch Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Schadstoffausstoß der Busse und die Größe der Busse spielten in der Diskussion eine Rolle. Ebenso wie zunehmender Lärm und die steigende Gefahr durch die 112 geplanten Busfahrten am Tag. Ob die ausführlichen Informationen und Erklärungen beim Publikum Wirkungen zeigten, war nicht feststellbar. Die Diskussion über die Einführung der Buslinie 862 ist damit auch noch nicht zu Ende. In der Allinger Straße hat die Initiative von Günther Kosler genügend Unterschriften für einen sogenannten Bürgerantrag gesammelt. Titel des Antrags: "Keine Buslinie durch die Wohnstraße Allinger Straße". Sich damit zu beschäftigen, obliegt dem Eichenauer Gemeinderat, der am kommenden Dienstag tagt und unter Tagesordnungspunkt fünf entscheiden wird, ob der Antrag überhaupt zulässig ist. Bürgermeister Peter Münster kündigte an, dass die Verwaltung die Annahme des Antrags empfehlen werde. Entscheiden werde aber der Eichenauer Gemeinderat.

Grund für einen Bürgerentscheid gibt es jedoch nicht. Auch wenn Günther Kosler immer noch dabei ist, die notwendige Anzahl von Unterschriften für ein Begehren zusammenzubekommen, ist das Thema Buslinie kein gemeindliches, über das die Eichenauer allein entscheiden könnten. Es ist Sache des Landkreises, die Gemeinde formuliert lediglich ihre Wünsche und gibt sie an das Landratsamt weiter. So ist auch die Linienführung entstanden, die den Bürgerprotest ausgelöst hat.

Bürgermeister Peter Münster erläutert die Pläne für die neuen Linien (im blauen Hemd: Hermann Seifert, ÖPNV-Experte des Landkreises).

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Sollten Anlieger der Allinger Straße mit ihrem Anliegen eine Mehrheit im Gemeinderat finden, die Straße busfrei zu halten, dann würde die Linie eben auf der Hauptstraße fahren. Dieser Verbindung zwischen Bruck, Emmering und Puchheim Bahnhof dürfte nach Informationen von Hermann Seifert in zwei Fällen eine höhere Bedeutung zukommen. Zum einen bei den immer wieder auftretenden Störungen auf der Bahnlinie der S4. Sollten Züge in Puchheim enden, könnten die Fahrgäste mit dem Bus weiterfahren. Und dann wäre da noch der Ausbau der S 4 auf drei Gleise, der in einigen Jahren beginnen soll. Dann könnte der Schienenersatzverkehr über mehrere Monate durch diese und weitere neue Linie n erfolgen.

© SZ vom 11.09.2020

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