Eichenau Künstler mit der Kamera

Zur Eröffnung ist Karl-Josef Hildenbrand erschienen, um den Bewohnern des Pflegezentrums Fragen zu seinen Werken zu beantworten.

(Foto: Johannes Simon)

Der Fotograf Josef Hildenbrand stellt im Pflegezentrum aus

Von Florian J. Haamann, Eichenau

Einen Künstler von überregionaler Bekanntheit und Bedeutung haben die verantwortlichen des Eichenauer Pflegezentrums in ihre Räume gelockt, um dort die Besucher - und auch die Öffentlichkeit - mit seinen Werken zu erfreuen. Und zumindest einige der Werke von Karl-Josef Hildenbrand dürfte jeder kennen, der regelmäßig eine Zeitung aufschlägt. Denn Hildenbrand ist Fotojournalist und arbeitet seit 2002 für die Deutsche Presseagentur (DPA). In der Cafeteria und dem ersten Stock des Pflegezentrum zeigt er nun eine Auswahl seiner Fotografien, darunter mehrere preisgekrönte Bilder.

"Ausstellungen haben in unserem Haus eine lange Tradition und ich bin froh, dass wir das nun weiterführen können", erklärte Silvia Große, die Assistenz der Einrichtungsleitung, in ihrer Einführung. "Gleich beim ersten Anblick von Hildenbrands Werken wusste ich, ja, das passt zu uns". Knapp 40 Bewohner der Einrichtung waren die in die Cafeteria gekommen, um der Eröffnung beizuwohnen, auch der Künstler war anwesend und stand den interessierten Besuchern im persönlichen Gespräch Rede und Antwort.

Die ausgestellten Werke zeigen eindrucksvoll, dass gute Fotografie immer auch große Kunst ist. Hildenbrands Bilder sind keine zufällig festgehaltenen Momente, sondern durchdachte Kompositionen, er beherrscht das Spiel mit Formen, Farben, Flächen. All das vereint sich beispielsweise in seinem "Müßiggänger Herrmann". Das Bild zeigt einen Herren mit Hut, der an einem See sitzt. Hildenbrand hat ihn im Gegenlicht von hinten fotografiert, von seinem Herrmann ist nur die Silhouette zu erkennen, keine Details. Nur, dass er auf einer Bank sitzt, zurückgelehnt mit dem rechten Arm auf die Lehne gestützt. Das Persönliche verschwindet - bis auf den Hut -, aus dem Mann wird etwas Symbolisches. Interessant ist, dass Hildenbrand ihm trotzdem einen Namen gibt. Durch sein Zurücktreten macht der Mann Platz für die blaue Oberfläche des Sees und die verschiedenen Grüntöne des Waldes am anderen Ufer. Abgerundet wird die Komposition durch mehrere Vögel, die ebenfalls als Silhouette durch das Bild fliegen.

Wenn in Hildenbrands Fotografien Menschen vorkommen, dann geht es bei der Darstellung nicht um sie, ihr Aussehen, die Gesichter. Vielmehr sind sie das lebendige Medium, das die Aussage des Künstlers transportiert. Weitere Beispiele dafür sind die Werke "Musikanten I" und "Warten auf die Wiesngaudi". Ersteres zeigt einen Mann und eine junge Frau mit Rundzopf, beide in Tracht, von beiden ist nicht mehr zu erkennen. Ansonsten sieht der Betrachter nur noch ein Instrument. Und dennoch erzählt das Bild mehr über bayerische Blasmusik als jedes Gruppenfoto einer Kapelle. "Warten auf die Wiesngaudi" zeigt vier junge Frauen im Dirndl, zwei erschöpft auf dem Boden sitzend, zwei weitere stehen am Rand des Bildes und blicken ins Leere. Dieses Mal sind die vier Figuren zwar klar zu erkennen und dennoch sind sie als Menschen austauschbar, lediglich ihre Körperhaltung und ihr Ausdruck sind wichtig für die Geschichte.

Vor seiner Zeit als Presse- und Zeitungsfotograf hat Karl-Josef Hildenbrand, der 1959 im unterfränkischen Würzburg geboren wurde, mehr als zehn Jahre für Werbung und PR gearbeitet. Erst 1991 ist er als Fotograf zur Allgäuer Zeitung gegangen. 2002 wechselte er dann zur DPA, war in Afghanistan und mehreren afrikanischen Ländern unterwegs, hat Barack Obama und Angela Merkel beim G7-Gipfel 2015 in Elmau beim Spazieren gehen abgelichtet und war bei zahlreichen großen Sportereignissen mit seiner Kamera dabei. Für seine Bilder wird er so gut wie jedes Jahr mit mindestens einem Preis ausgezeichnet, vom bayerischen Pressefoto bis zum DPA-Foto des Jahres.

Ausstellung mit Werken von Karl-Josef Hildenbrand, Cafeteria des evangelischen Pflegezentrums Eichenau, zu sehen bis Mitte September.