Eichenau:Glücksmomente für Demente

EICHENAU: Übergabe einer Tover Tafel beim Evangelischen Pflegezentrum Eichenau

Das Gerät projeziert verschiedene Szenarien auf verschiedene Flächen, etwa Herbstlaub, mit dem die Nutzer dann interagieren können.

(Foto: Leonhard Simon)

Mit einer zweiten sogenannten Tovertafel bietet das Seniorenzentrum Eichenau Abwechslung im Alltag seiner Bewohner

Von Ariane Lindenbach, Eichenau

Buntes Herbstlaub rieselt auf einen Tisch im evangelischen Pflegezentrum Eichenau. Drum herum sitzen vier Frauen mittleren Alters, die gleichermaßen begeistert und fasziniert mit ihren wenige Zentimeter über der Tischplatte gehaltenen Händen die Blätter verdecken. Sobald sie die Blätter verdecken, verschwinden diese, während auf die Mitte des Tischs wieder neue Blätter rieseln. Es sind freilich keine echten Blätter, die da geräuschlos und wie von Zauberhand herabfallen, sondern eine Projektion. Die so genannte Tovertafel ist eine Erfindung aus den Niederlanden für Demenzkranke, die den Menschen mit schwindendem Gedächtnis schöne Erlebnisse und Aktivitäten und falls möglich auch Interaktionen mit anderen ermöglichen möchte. Das evangelische Pflegezentrum in Eichenau hat nun, dank der finanziellen Unterstützung durch die Bürgerstiftung, ein zweites derartiges Gerät anschaffen können.

Das Seniorenheim hat mit der Tovertafel gute Erfahrungen gemacht. "Wir haben eine sehr gute Resonanz", berichtet Susanne Brenner, die Leiterin der Einrichtung. Mit der Tafel könnten die an Demenz erkrankten Bewohner verschiedene Beschäftigungen zumindest ansatzweise wieder erleben. "Die kurzen Momente schaffen", nennt sie das. Bislang musste die eine, seit 2019 vorhandene Tovertafel jede Woche umgezogen werden, damit sowohl die Bewohner des normalen als auch das geschützten Bereichs davon profitieren. Nun gibt es eine in beiden Bereichen. Eine Pflegekraft ist übrigens immer anwesend, wenn die Tafel zum Einsatz kommt.

Stefan German von der Tover GmbH demonstriert die Funktionsweise im großen Aufenthaltsbereich der Einrichtung. Von der Decke hängt ein Projektor, der die gewünschten Bilder auf den Tisch, wahlweise auch den Boden, projiziert. Wie er den Vertreterinnen des Heims und der Bürgerstiftung erläutert, gibt es insgesamt 29 Spiele auf vier verschiedenen Niveaus. Es gibt die Möglichkeit, gemeinsam Ball zu spielen oder auch nur bei beruhigender Musik zuzusehen, wie Seifenblasen von der Mitte des Tisches aus auf die Fläche projiziert werden und am Tischrand wieder verschwinden; berührt man sie mit der Hand, zerplatzen sie. Ein anderes Spiel imitiert das Putzen von den Silberbesteck. Dazu hat German eine Anekdote auf Lager: Bei einer Präsentation der Tovertafel in einem Heim sagte eine Frau: "Das habe ich mein ganzes Leben lang gemacht, dazu habe ich keine Lust mehr ". Die Runde lacht.

Laut Germann stammt der Name "Tovertafel" ebenfalls aus den Niederlanden - er bedeutet Zaubertisch. Mit dem 8000 Euro teuren Gerät - dazu kommen noch 720 Euro für die Spielesoftware - könne man "einfach glücklich Momente produzieren". Vielen Demenzkranken helfe es, sie "aus ihrer Apathie herauszuholen". Das Geld für die Anschaffung stammt zum größeren Teil vom Sighart Fonds für Senioren, der Anteil für die auf 24 Monate lizenzierten Spiele von der Seniorenhilfe Sonnenstrahl; beide gehören zur Bürgerstiftung für den Landkreis.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB