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Eichenau:Fleißig und bescheiden

IT-Spezialist Ulrich Bode weiß, dass "man schon richtig auf den Tisch hauen muss, wenn man wahrgenommen werden will".

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Zum vierten Mal tritt Ulrich Bode für die FDP als Kandidat an

Von Marija Barišić, Eichenau

Ulrich Bode, feinkariertes Hemd, eckige Brille, sieht so aus, wie Menschen ihn beschreiben würden, die ihn schon sehr lange kennen: "Sehr zuverlässig", sagt seine Schulfreundin Lea Spaak. "Ein unwahrscheinlich Netter, ein fleißiger Puritaner", sagt sein Kreisratskollege Klaus Wollenberg. Und tatsächlich: Dass Bode ein ehrgeiziger, tüchtiger Mensch ist, kann eigentlich niemand leugnen, der sich auch nur ein bisschen mit dem Lebenslauf des 57-jährigen FDP-Politikers auseinandergesetzt hat. Denn Bode, der seit 2002 für die FDP im Kreistag sitzt, ist nicht nur IT-Referent des Landkreises, sondern seit 2016 auch im Eichenauer Gemeinderat und nebenbei auch noch als selbständiger Diplom-Informatiker tätig. Das macht Bode im Übrigen so gut, dass er im Jahr 2008 sogar zum "Fellow der Gesellschaft für Informatik" ernannt wird - eine Auszeichnung für Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die deutsche Informatik verdient gemacht haben.

Anders gesagt: Bode kann viel und Bode macht viel. Und trotzdem hat es der 57-Jährige, der sich nun schon zum vierten Mal in Folge für das Amt des Landrats bewirbt, bei den vergangenen drei Wahlen nicht einmal geschafft, mehr als drei Prozent der Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Woran das wohl liegen mag? "Der bekannte Spruch 'Tue Gutes und rede darüber' gilt für ihn nicht, sondern wohl eher 'Tue Gutes und hoffe, dass die Umwelt erkennt, was du das machst'", sagt Klaus Wollenberg. Seit Jahren sitzt Wollenberg gemeinsam mit Bode für die FDP im Kreistag und weiß wohl besser als jeder andere, wie sein politischer Mitstreiter so tickt. "Unheimlich bescheiden" sei Bode, "fast schon zu bescheiden", findet Wollenberg, der seinen Kollegen immer wieder dazu anspornen muss, seine politischen Erfolge an die Öffentlichkeit zu tragen: "Uli, das ist ja toll, was ihr da macht! Warum machst du das nicht mehr öffentlich?", hat er ihn zum Beispiel gefragt, nachdem Bode es geschafft hatte, die IT an den weiterführenden Schulen im Landkreis zu vereinheitlichen. Auf solche Kommentare reagiert Bode dann so, wie man es von ihm erwarten würde: verlegen und zurückhaltend.

Dabei ist es ja nicht so, dass Bode nicht weiß, worauf er besonders stolz sein könnte: "Mein größter politischer Erfolg bisher war sicherlich der Breitbandausbau in Bayern", sagt er und erinnert damit an das Jahr 2008, als er in seiner damaligen Funktion als Generalsekretär der Bayern-FDP die Passage zur Breitbandinitiative in den Koalitionsvertrag schreiben durfte.

Das genügt ihm allerdings nicht. So will sich der Digitalisierungsexperte auch in Zukunft für die Errichtung einer sogenannten "Bayern Cloud" stark machen - ein zentrales Rechenzentrum für ganz Bayern, bestehend aus etwa tausend IT-Experten, die sich um die gesamte IT der Landkreise und Kommunen kümmern und diese damit entlasten sollen. Mindestens genauso stark schlägt sein "kernliberales" Herz, wie er es nennt, allerdings für das Thema Wirtschaftsförderung. So plädiert Bode schon seit Jahren dafür, mehr Unternehmen im Landkreis anzusiedeln, um "das Leben und Arbeiten im Landkreis zusammenzuführen" und die Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen - "mindestens um das Doppelte, idealerweise um das Dreifache", wie Bode fordert. Diese braucht man laut Bode nämlich dringend, um mehr Geld ins Gesundheitswesen oder etwa in die Sanierung der Schulen im Landkreis zu investieren. Tatsächlich spricht Bode schon seit Jahren über diese Dinge. Dass er es trotzdem kaum schafft, damit Aufsehen zu erregen, begründet er damit, "dass man schon richtig auf den Tisch hauen muss, wenn man wahrgenommen werden will. Das ist sicher eine Schwäche von mir." "Aber", fügt er dann noch schnell hinzu, "auch eine Stärke, weil ich die Dinge lieber sorgfältig und ruhig bearbeite".

© SZ vom 05.03.2020

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