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Eichenau:Erweiterter Horizont

Zwei Generationen, ein Ziel: Tina Schulz und Hans Sautmann stehen an der Spitze der Eichenauer Grünen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die neuen Sprecher der Eichenauer Grünen, Tina Schulz und Hans Sautmann, wollen Ökologie und Ökonomie verbinden

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Ginge es nur nach dem Ergebnis der Europawahl in vergangenen Jahr, dann müssten die Eichenauer Grünen bei der Kommunalwahl in diesem Jahr die Zahl ihrer Gemeinderäte mindestens verdoppeln. So aber beflügeln die fast 25 Prozent der Europawahl die neue grüne Doppelspitze aus Tina Schulz und Hans Sautmann immerhin zu dem Wahlziel: "Sechs Sitze sollen es schon werden."

Vier Vertreter des Ortsverbandes von Bündnis90/Die Grünen sitzen im Eichenauer Gemeinderat, sie haben, wie üblich im kommunalpolitischen Tagesgeschäft, häufiger mit den anderen Fraktionen gestimmt, als die Konfrontation gesucht. Durch die Grünen haben sich die Anwohner des geplanten und mittlerweile errichteten und in Betrieb gegangenen Edeka-Supermarktes an der Hauptstraße artikulieren können, und auch der Einsatz für die lärmgeplagten Anwohner des Transgourmet-Geländes -früher Aldi-Zentrallager - im Süden hat den Grünen nicht nur einen deutlichen Sympathiezuwachs, sondern auch neue Mitstreiter auf der Gemeinderatsliste für die Kommunalwahlen gebracht.

Tina Schulz ist 40 Jahre alt, Hans Sautmann 66. Beide verbindet, dass sie das zentrale Thema der Grünen, die ökologische Wende, nicht als Elitenthema sehen wollen, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dazu gehört nach Meinung Sautmanns auch, das Gespräch darüber mit der Wirtschaft zu suchen. Vor Kurzem haben sie mit Barbara Fuchs eine Landtagsabgeordnete der bayerischen Grünen eingeladen, die im Wahlkampf Auskunft gab, wie grünes Wirtschaften funktionieren kann. Schulz und Sautmann haben da genau die Richtige angesprochen, denn die Fürther Abgeordnete ist nicht nur wirtschaftspolitische Sprecherin und Mittelstandsbeauftragte ihrer Fraktion, sondern auch Mitglied im Landtagsausschuss für Staatshaushalt und Finanzen.

Und noch ein weiteres Thema, und dies nicht unbedingt ein Kernthema der Ökopartei, möchte die Eichenauer Grünenspitze diskutieren: Wie sozial lässt sich die ökologische Wende gestalten? Denn Klimaschutz kostet Geld. Geld, das knapp werden kann in Familien, die in einer Ballungsregion leben, in der Zuzugsdruck und hohe Mieten, insgesamt hohe Lebenshaltungskosten den Alltag bestimmen. Auswirkungen sehen Sautmann und Schulz da für die Ortsentwicklung. Denn den Gartenstadtcharakter Eichenaus gelte es unbedingt zu erhalten. Überlegungen, in der Hauptstraße urbaner zu planen, seien nicht von vorneherein abzulehnen. "Wir würden da begrenzt mitgehen", sagt Sautmann. Denn wenn sich dadurch an der einen oder anderen Stelle für niedrige und mittlere Einkommen erschwinglich Wohnungen ergäben, wäre der einen oder anderen Familie schon geholfen.

Ebenso beim Thema Geschwindigkeit auf der Hauptstraße. Tina Schulz findet, dass Tempo 30 angesichts der hohen Verkehrszahlen und vor allem des Schwerlastverkehrs wegen der Sicherheit der Kindern angezeigt wäre. Und sie gibt sich kompromissbereit. Wenn nicht auf ganzer Strecke durch den Ort, dann wenigstens an einigen besonders gefährlichen Stellen der Staatsstraße.

Sich thematisch breiter aufzustellen, dabei die vor allem von Gemeinderätin Rike Schiele vertretene Familien- und Kinderpolitik mit im Vordergrund zu behalten, das sind Ziele, die die beiden im Oktober gewählten Grünen-Sprecher umsetzen wollen. Als erstrebenswert sehen sie es an, weiter Mitglieder zu gewinnen. Von einmal sieben, acht Aktiven auf jetzt 26, das halten sie für enorm, das Potenzial sei noch größer, meint Sautmann.

Jetzt, wo sich zur Kommunalwahl 2020 neue Ortsverbände der Grünen gründen, wo die Eichenauer es erstmals geschafft haben, eine Liste mit 26 Kandidaten und der üblichen Reihung Frau/Mann zustande zu bringen, da wird der Wunsch nach einem Bürgermeisterkandidaten größer. Die Eichenauer wählen zwar 2020 einen neuen Gemeinderat, aber die nächste Bürgermeisterwahl ist erst 2022. Zeit genug, um einen Bewerber aus den eigenen Reihen zu finden.

© SZ vom 13.02.2020
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