Ehrung Hans Well bekommt Preis

Hans Well will vermeiden, dass Kurt Eisner und die unblutige Revolution in Bayern vergessen werden.

(Foto: Toni Heigl)

WDR zeichnet Hörspiel "Rotes Bayern" aus

Von Manfred Amann, Türkenfeld

"Sie müssen sich das einmal vorstellen: eine Revolution in Bayern, in München, von den Roten! 750 Jahre Wittelsbach erledigt. Ruck-zuck, aus, Äpfel, Amen!" Dieses Zitat aus dem Hörspiel "Rotes Bayern - Es lebe der Freistaat! - Die Münchner Revolution 1918 und die Räterepubliken 1919", lässt erahnen, welch historische Bedeutung Autor Hans Well aus Zankenhausen dem Geschehen und den politischen Akteuren vor hundert Jahren beimisst. Es ärgert Well, dass diese weichenstellende Zeit und besonders die Rolle von Kurt Eisner bislang viel zu wenig gewürdigt wurden. Für das Hörspiel wird ihm am heutigen Dienstag im WDR Funkhaus in Köln der deutsche Hörbuchpreis als "Bestes Sach-Hörbuch" verliehen.

Während der Schulzeit habe er so gut wie nichts über die Münchner Revolution erfahren. Er habe lernen müssen, dass die Französische Revolution die Monarchie blutig beseitigte, aber nichts davon gehört, dass unter der Führung von Kurt Eisner die bayerische Monarchie ohne Blutvergießen abgeschafft, der Freistaat gegründet, der Achtstundentag eingeführt und die Aufsicht der Kirche über die Schulen abgeschafft worden sei, erklärt Well. Und der Autor wäre nicht der Chef der Biermösl-Blosn, wenn er den Christsozialen nicht zutrauen würde, den Freistaatsgründer und sein Wirken für Bayern möglichst vergessen machen zu wollen, "weil Eisner so gar nicht ins rechte Weltbild der Bayerischen Staatsregierung passt".

"Subversiv, wie es seine Art ist, ist Hans Well in den Museumskeller gestiegen, natürlich nur im Geiste", heißt es in einer Würdigung im Bayerischen Staatsanzeiger. Und der Autor habe "eine ganze Combo von Freunden mitgebracht", neben seiner Frau Sabeeka Gangjee-Well als Mitautorin und seinen drei Kindern als Musikanten (Wellbappn) auch den Schriftsteller Gert Heidenreich und die Schauspieler Heinz-Josef Braun, Bernhard Butz, Gisela Schneeberger und Johanna Bittenbinder als Sprecher. Begründet wird die Auszeichnung von der Jury wie folgt: Die Geschichte der Gründung des Freistaates und der Räterepublik als Hörspiel sei gelungen, kenntnisreich, witzig, klug und gewürzt mit bitterbösem Humor. Familie Well und ihre Mitstreiter beleuchteten eine zentrale Episode der bayerischen Geschichte, die oft als Randnotiz behandelt werde. Egal ob zeitgenössische Quellen zitiert, historische Momente nachgespielt oder hintergründige Lieder angestimmt würden: "Wissensvermittlung war selten so unterhaltsam." Die Nominierungsjury hatte erläutert: "Rotes Bayern" sei Feature, Hörspiel und Revue in einem. "Hier wird Geschichte zum Klingen gebracht und ironisch kommentiert". Der Nachwelt werde so ein Blick auf die Revolutionszeit geboten. "Das Feature belehrt nicht, sondern erzählt, kommentiert und unterhält".