Digitales Klinik auf dem Weg der Besserung

Nach Computervirus-Attacke sind die Schäden nahezu behoben

Im Klinikum Fürstenfeldbruck kehrt langsam wieder Normalität ein. Seit Montagmorgen nimmt das Krankenhaus wieder alle Patienten auf und wird auch wieder von den Rettungsdiensten angefahren. "Wir sind wieder auf die ILS aufgeschaltet", teilt Klinikvorstand Alfons Groitl mit. Elf Tage lang hatte die Klinik nicht im Normalbetrieb arbeiten können, nachdem ein Computervirus die EDV lahm gelegt hatte. Infolgedessen hatte sich die Klinik von der Integrierten Leitstelle (ILS) Fürstenfeldbruck abgemeldet, die die Notrufe entgegennimmt und die Einsätze der Rettungsdienste koordiniert. Das bedeutete, dass die Rettungsdienste nur noch lebensgefährlich erkrankte oder verletzte Personen auf kürzestem Weg nach Fürstenfeldbruck brachten, alle übrigen wurden in umliegende Kliniken gefahren. Damit waren allerdings auch längere Transportzeiten verbunden.

Alle seien jetzt "natürlich erleichtert" darüber, "dass die Maßnahmen Wirkung zeigen", berichtet Groitl. Die hauseigenen IT-Spezialisten sowie Fachleute zweier zusätzlich eingeschalteter externer EDV-Firmen kümmerten sich und kümmern sich immer noch darum, das Computersystem wieder so in Gang zu setzen, dass sämtliche Anwendungen möglich sind. Etwa 140 der insgesamt knapp 450 Rechner im Haus funktionierten am Montagmorgen bereits wieder. Auch die Lohn- und Gehaltsabrechnung ist wieder aufgeschaltet. Bis allerdings alles wieder im Normalbetrieb läuft, könne es noch "ein paar Tage dauern", sagt Groitl.

Die Belegung auf den Stationen in der Brucker Klinik war sichtbar zurückgegangen. Welchen finanziellen Schaden der Vorfall hinterlässt, kann Groitl derzeit noch nicht beziffern. Weniger Patienten sorgen für weniger Umsatz, zudem kamen auf der Ausgabenseite Kosten für die beauftragten externen Firmen und Software hinzu.

Am Donnerstag vorvergangener Woche hatte sich das Computerproblem bemerkbar gemacht und sich schnell im gesamten Netzwerk des Hauses ausgebreitet. Der Hintergrund des Vorfalls ist noch nicht geklärt, eine Erpressung könne er aber ausschließen, so Groitl auf Nachfrage der SZ. Die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelte Zentralstelle Cybercrime Bayern ist eingeschaltet. Sie wurde 2015 eingerichtet, um bei Angriffen auf bedeutende Wirtschaftszweige oder bei Verfahren aus dem Bereich der organisierten Cyberkriminalität zu ermitteln.