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Die Löhne steigen:Mehr in der Tasche, weniger im Säckel

Der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst kostet den Landkreis und die Kommunen mehr, als sie geplant haben. Dennoch wird er positiv aufgenommen.

72 Euro bekommt ein Berufsanfänger in der Pflege jetzt pro Monat mehr an Lohn, eine Erzieherin im ersten Berufsjahr kann nach dem Tarifabschluss im öffentlichen Dienst mit 73 Euro Lohnerhöhung rechnen. Diese Beispiele waren am Montag von der Gewerkschaft Verdi zu erfahren. Gezahlt werden die Erhöhungen von den Kommunen, die Kindertagesstätten unterhalten, oder vom Kreis für die Mitarbeiter der Brucker Klinik.

Für die Stadt Germering bedeutet dies, dass sie für ihr Personal heuer 140 000 Euro mehr bezahlen muss als bisher. Die Kämmerer René Mroncz und Günther Gaillinger haben in ihre Zahlen eine Lohnsteigerung von 2,5 Prozent für die 375 Beschäftigten der Stadt und ihrer Eigenbetriebe eingerechnet. Nun müssen sie im Haushalt zusätzlich 40 000 Euro locker machen, um die Tariferhöhung zu finanzieren. Der Landkreis hat ein bisschen besser vorgesorgt: Eine Steigerung der Löhne und Gehälter von drei Prozent sei im Etat berücksichtigt, sagte Pia Schmahl, die Sprecherin des Landratsamtes. Insgesamt kostet den Kreis die Tariferhöhung 484 000 Euro.

Recht knapp kalkuliert, nämlich mit 2,2 Prozent, hat dagegen die Stadt Olching. Bürgermeister Andreas Magg denkt nun darüber nach, wo er das übrige Geld fürs Personal hernimmt. Der SZ sagte Magg am Montag, er trage sich mit der Absicht, eine Verfügungssperre über zehn Prozent zu erlassen. Das bedeutet, dass vorerst zehn Prozent des Geldes für sämtliche im Etat stehenden Ausgaben in der Kasse bleiben muss.

Obwohl die Olchinger Stadtkasse auf die ausgehandelte Gehaltssteigerung laut Magg "nicht vorbereitet" war, hat der Bürgermeister Sympathien für den Tarifabschluss. Er finde es richtig, dass sich die Einkommen auch im öffentlichen Dienst einmal "deutlich verbessern", sagte der Bürgermeister. Die Mitarbeiter müssten an den Gehaltssteigerungen in der freien Wirtschaft profitieren.

Ähnlicher Ansicht ist Holger Geißler, Vorsitzender des Personalrats der Kreisklinik. Er hält den Tarifabschluss für einen Erfolg, denn die Lohnerhöhung ergebe auf beide Jahre berechnet, jeweils ein Plus von etwas mehr als drei Prozent. Das liege über der Inflationsrate. Mehr sei wohl nicht zu erreichen gewesen, sagte der Mediziner. Von Vorteil ist seinen Worten nach auch, dass das Ergebnis ohne längere Streiks zustande gekommen ist - schon allein wegen der Patienten in der Klinik.

Auch Magg hebt hervor, dass die Einigung fast ohne Arbeitsniederlegungen erreicht worden sei - ein Vorteil beispielsweise für die Eltern, die auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind. So hat es in Olching nur einen Warnstreik gegeben, von dem vier Kindertagesstätten betroffen waren.

Pfleger Michael Weinfurter von der Kreisklinik zeigte sich am Montag hingegen enttäuscht von der Einigung. Die Gewerkschaften hätten eine größere Lohnerhöhung erzielen können, ist er sich sicher, denn die Streikbereitschaft sei groß gewesen. So haben auch Mitarbeiter der Klinik an einem Tag die Arbeit niedergelegt und waren in den Warnstreik getreten. Seit 27 Jahren arbeitet Weinfurter in seinem Beruf. In dieser Zeit habe die Arbeitsbelastung zugenommen, sagt er. Werde der Pflegeberuf nicht attraktiver - und dazu gehört auch die Erhöhung der Einkommen -, dann wird sich die Personalknappheit seiner Ansicht nach verstärken.

Der Mangel an qualifiziertem Personal macht auch Geißler Sorgen. In vielen Schichten arbeite nur noch eine voll ausgebildete Pflegekraft, sagt er. Sie werde nur noch unterstützt von Hilfs- und angelernten Kräften. Darunter leide die Pflege. Auch hat er Angst davor, dass Kommunalpolitiker aufgrund der Lohnerhöhungen Stellen abbauen wollen: "Aber wo will man in der Klinik noch einsparen?", fragt er. Magg sieht in der Kürzung von Stellen allerdings keine Möglichkeit, Lohnsteigerungen zu kompensieren. Die Olchinger Stadtverwaltung sei "so eng aufgestellt", dass es keine Möglichkeiten zu Stelleneinsparungen gebe. Außerdem sieht Magg keine Notwendigkeit dazu.

© SZ vom 03.04.2012

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