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Corona-Lockerungen in Fürstenfeldbruck:Vorbild Tübingen

Fürstenfeldbruck reicht ein detailliertes Konzept ein, um Modellstadt zu werden. Nach einem negativen Corona-Schnelltest könnten Tagestickets den Zutritt zu Kultur und Gastronomie eröffnen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Kreisstadt rechnet sich gute Chancen aus, als Modellstadt nach dem Vorbild Tübingens ausgewählt zu werden. Ziel ist es, durch intensives Testen auf Corona eine Öffnung von Kultur, Gastronomie sowie Geschäften zu ermöglichen. In Oberbayern soll es zwei Modellkommunen geben. Sie dürfen nicht mehr als 100 000 Einwohner zählen und bei der Sieben-Tage-Inzidenz den Schwellenwert von hundert nicht reißen. Fürstenfeldbruck hat 38 000 Einwohner und pendelt bei der Inzidenz derzeit um die 100.

In seinem Bewerbungsschreiben an Staatsminister Klaus Holetschek (CSU) stellt Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) das fraktionsübergreifend und mit Hilfe von Experten aus Medizin und IT erarbeitete Konzept vor. Das Projekt würde der Lehrstuhl Umweltmedizin der Uni Augsburg gerne wissenschaftlich begleiten. Auch wenn Bruck nicht zum Zuge kommen sollte, könnte es umgesetzt werden - sobald die Corona-Vorgaben das zulassen. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hat der Stadtrat jüngst gefasst.

Bereits Ende März startete der erste Testlauf mit einer Station des "Schnelltestzentrums FFB", die unabhängig vom Modellprojekt in dieser Woche öffnen soll. Sie wird fachlich durch das Hals-Nasen-Ohrenarzt-Zentrum Fürstenfeldbruck unter Leitung der Ärzte Sandra Kainzinger und Stefan Groß getragen und von der Stadt unterstützt. Der erfolgreiche Testbetrieb habe ergeben, "dass drei Personen pro Station nötig sind, um einen entsprechend reibungslosen Ablauf zu gewähren". Das Schnelltestzentrum verfügt über eine bereits entwickelte IT-Anwendung, die Testwillige unkompliziert über einen QR-Code auf die Registrierungsplattform des Schnelltestzentrums weiterleitet. Nach dem Test erhält man innerhalb von maximal 20 Minuten sein Schnelltestergebnis per E-Mail. Mittels der ebenfalls entwickelten App kann dann der Gastronom oder Kinobetreiber das Testergebnis als QR-Code vom Handy des Getesteten ablesen. Der Schnelltestbetrieb ist, teils in Form eines Drive-Ins, an fünf Stationen geplant: neben dem Impfzentrum im Brucker Westen, in der bereits bestehenden Teststation der Malteser in der Hasenheide, auf dem Volksfestplatz, in einem leer stehenden Geschäft an der Hauptstraße sowie am Veranstaltungsforum. Täglich 3800 Schnelltests bei einem Betrieb an allen Wochentagen sollen möglich sein.

Vor allem im Fürstenfeldbrucker Zentrum und im Veranstaltungsforum befinden sich Gastronomiebetriebe mit Freischankflächen, deren Hygienekonzepte sich nach Überzeugung der Stadt bereits nach Ende des ersten Lockdowns 2020 bewährt haben. Die im Oktober erlassene Maskenpflicht für die Hauptstraße würde auch im Fall der Auswahl als Modellkommune weiter gelten, für das Veranstaltungsforum würde sie wegen der zu erwartenden Frequenzsteigerung neu angeordnet werden. Möglich wäre zudem unter Einhaltung der Abstandsregeln die Nutzung von Stadtsaal sowie Stadtsaalinnenhof. Weil das Gesundheitsamt des Landkreises bereits an seiner Grenze ist, bei forciertem Testen aber mehr Kontaktpersonen nachzuverfolgen sein dürften, könnte Personal aus der Veranstaltungsbranche angelernt werden.

Über eine bereits vorhandene App des "Schnelltestzentrums FFB" kann eine Schnittstelle zum Gesundheitsamt hergestellt werden. Auch die Vernetzung mit anderen Apps soll möglich sein. Für die Kontaktdatenverfolgung kommen zwei weitere Wege infrage: die bekannte Corona-Warn-App des RKI sowie die App Luca.

In seinem Bewerbungsschreiben weist Raff auf die Eignung der Stadt für das Modellprojekt hin. So wird das Veranstaltungsforum in "normalen" Jahren von um die 300 000 Gästen besucht, das Museum von mehr als 10 000. Mit der Kreisklinik, den 34 Haus- und 67 Fachärzten sowie elf Apotheken sei Fürstenfeldbruck das medizinische Zentrum des Landkreises. Knapp 470 Pflegeplätze verteilen sich auf vier Pflegeheime. Eine Besonderheit sei das vielfältige Außengastronomieangebot - allein im Zentrum befinden sich 14 Gastronomiebetriebe, deren Freischankflächen von den öffentlichen Verkehrsflächen aus erreichbar sind.

© SZ vom 12.04.2021
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