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Club-Jubiläum :Klassentreffen der Kicker

Mit einer inoffiziellen Feier begehen 180 ehemalige Klubmitglieder des SC Fürstenfeldbruck dessen 100. Geburtstag

Dass der SC Fürstenfeldbruck tatsächlich seinen 100. Geburtstag erleben würde, war nicht unbedingt abzusehen. Vor zwei Jahren drohte die Insolvenz, mit Verzicht auf viel Steuergeld wurde der Verein am Leben gehalten. Ein Jubiläumsspiel gegen die Fußballlegenden aus Barcelona blieb im Verkündigungsstatus stecken, so aber wollten Albrecht Huber und Gesinnungsgenossen das Jahr 2019 nicht verstreichen lassen. Und so trommelte der Unternehmer aus Maisach und frühere Vereinschef für ein Ehemaligentreffen am Pucher Meer, das eine Art "inoffizielle 100-Jahr-Feier" sein sollte.

Inoffizielle 100-Jahr-Feier des SCF am Pucher Meer

Zeit zum Zurückblicken: Fotos und Zeitungsausschnitte zu 100 Jahren SCF gibt es bei der Feier zu sehen.

(Foto: Matthias F. Döring)

Die Location führt Viktor Fischer, der einst selbst für den SCF kickte und jetzt Gastronom ist. Das Schild "geschlossene Gesellschaft" weist darauf hin, dass man unter sich bleiben will an diesem Sonntagvormittag. 180 Freunde des Vereins kommen, "das ist überragend", freut sich Albrecht Huber über das Klassentreffen. Es gibt Freibier, Weißwürste und Brezen.

Im Restaurantgebäude hat Karl Danke, SCF-Mitglied und BBV-Stadtrat, eine Ausstellung mit Fotos aus früheren SCF-Zeiten, mit alten Festschriften und Zeitungsartikeln zusammengestellt. Er habe sich das Material aus dem Clubheim holen dürfen, betont Danke. Selbstverständlich war das nicht, da die Bande zwischen den Ehemaligen um Huber und Co. und der aktuellen Vereinsführung um Jakob Ettner längst zerschnitten sind. Dekoriert haben sie in den Vereinsfarben mit blauen Wimpeln und gelben Luftballons, draußen hängt ein großes SCF-Wappen.

Inoffizielle 100-Jahr-Feier des SCF am Pucher Meer

Stadtrat Karl Danke, Gastronom Viktor Fischer und Ex-SCF-Präsident Albrecht Huber (von links) organisierten die Feier.

(Foto: Matthias F. Döring)

Gerhard Knöchel, früherer Geschäftsführer und langjähriger Alte-Liga-Leiter und später wie Huber von Ettner aus dem Verein ausgeschlossen, fasst 100 Jahre Klubgeschichte zusammen. Er hat die Vereinschronik im Kopf, Notizzettel braucht er dafür nicht. Gegründet 1919 zunächst als Abteilung des Turnvereins, dann unter dem Namen Fußballclub Fürstenfeldbruck. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Verein 1946 der SC Fürstenfeldbruck. Das 1921 gebaute Stadion an der Pucher Straße war bis 1978 Heimstatt, dann erfolgte der Umzug in das städtische Sportzentrum. 1971 stieg der Verein erstmals in die Bayernliga auf, die damals dritthöchste Spielklasse war. Knöchel erinnerte auch an die Korn-Affäre 1987 und an damals 380 000 Euro Schulden. Der Jetzt-Zeit widmete er nur einen Satz: "In den letzten fünf Jahren ging's ständig bergab."

Nicht jeder hat die Zerwürfnisse der vergangenen Jahre verfolgt. Rainer Scholz, 65, wohnt in Lohr am Main. Er kickte beim SCF, ehe er Profi wurde bei Kickers Würzburg, Hannover 96, Waldhof Mannheim und Darmstadt 98. Mit dem heutigen Fußball, sagt er, habe er so seine Schwierigkeiten: "Da ist zu viel Geld im Spiel." Er lobt Hans Greben, der mehrmals Trainer in Bruck war und jetzt neben ihm steht: "Von ihm bin ich taktisch geschult worden."

An Tischen und Stehtischen wird munter geplaudert: Thomas Griesgraber, der vor zwei Jahren SCF-Präsident werden wollte, die ehemaligen Vereinschefs Hans Hahn und Uli Bergmann, Kunsthaus-Gründer Gerhard Derriks, Kaltenberg-Vertriebsleiter Richard Sturm, OB Erich Raff und BLSV-Kreis-Chef Steffen Enzmann (nicht in offizieller Funktion, wie beide betonen). Auch Protagonisten aus erfolgreichen SCF-Bayernligazeiten finden sich zum Plausch zusammen: Ludwig Schäffler, Werner Hainz, Franz Taferner, Wolfgang Förg, Fredi Böhlert, Uwe Flähmig, Thomas Miller. Bei den Löwen brachte es Miller später zum Bundesligaprofi, die Fans verehrten ihn als "Fußballgott". Ein bisschen ähnlich sind sich 1860 und der SCF ja ob ihrer immer wieder öffentlich ausgetragenen Kabale. Es sei Zeit für einen Neuanfang, sagt Miller über den SCF. Man müsse an den Verein denken. Eigene Interessen hätten da zurückzustehen.