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Böhmerweiher:Umbau zum Badesee

Wann genau die Böhmerweiher zum Erholungsgebiet werden, ist noch nicht klar. Der Leinenzwang für Hunde habe damit aber nichts zu tun

Die Böhmerweiher werden zu einem Erholungsgebiet ausgebaut. Während noch offen ist, wann mit der Umsetzung der Pläne für die beiden Baggerseen zwischen München, Puchheim und Gröbenzell begonnen wird, ist die Tatsache, dass die Umgestaltung stattfinden wird, unbestritten. Das bestätigen die Vertreter aller am Projekt beteiligten Kommunen. Für Unsicherheit über die gegenwärtige Sachlage hatte in der Bevölkerung unter anderem eine Petition gesorgt, die "Gegen Leinenzwang und Umwandlung des Böhmerweihers in einen Badesee" plädiert. Angestoßen wurde diese durch die neuerdings herrschende Anleinpflicht für Hunde, auf die seit vergangener Woche mehrere Schilder auf dem Gelände hinweisen.

Die Initiatorin der Petition Saskia Kobal sieht in der Maßnahme ein gezieltes Vergraulen von Hundehaltern als ersten Schritt zur Umwandlung des Areals. "Erst müssen die Hunde an die Leine, dann sind sie vielleicht ganz verboten, alles Stück für Stück, damit es keinen Stress gibt", sagt die Münchnerin, deren Anliegen bis zum Donnerstag knapp 1200 Unterstützer unterschrieben haben. Unter den vielen Badeseen um München seien die Böhmerweiher beinahe die letzten gewesen, an denen Hunde noch frei laufen durften. Kobals Ansicht nach gestalte sich das Miteinander von Hundebesitzern, Spaziergängern, Reitern und Badegästen vor Ort harmonisch. "Wir halten uns an Regeln, die nicht vorgegeben wurden, sondern sich im Laufe der Zeit automatisch entwickelt haben", sagt Kobal.

Aufgestellt wurden die Schilder vom Kommunalreferat München, das in seiner Funktion als Immobilienmanager der Stadt für die Verkehrssicherungspflicht zuständig ist. Seit 2013 befindet sich das Areal um die Weiher, das vormals Privateigentum der Familie Böhmer war, die auf dem Gelände ein Kieswerk betrieb, im gemeinsamen Besitz der Stadt München, der Stadt Puchheim, der Gemeinde Gröbenzell und des Erholungsflächenvereins. Als Grundeigentümer habe die Stadt das Recht, festzulegen, was sie auf ihrem Grund duldet und was nicht, sagt der Vorsitzende des Bezirksausschuss 22 Aubing-Lochhausen-Langwied, Sebastian Kriesel (CSU). Auch dass die Schilder, wie von einigen Seiten kritisiert, keine Quelle der Anordnung enthalten, sei seit Jahren so üblich, da eine solche nicht hoheitlich nachgewiesen werden müsse.

Mehrere Schilder weisen seit vergangener Woche auf die Leinenpflicht hin. Mancher Hundehalter befürchtet, dass das nur der Anfang ist und die Vierbeiner bald ganz verboten sein könnten.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Ein direkter Vorbote des geplanten Umbaus sei die Maßnahme allerdings nicht, betont Kriesel. Vielmehr sei sie ein "Ausfluss eines Anliegens, das mehrfach von verschiedenen Bürgern an die Stadt gestellt wurde". Zuletzt wurde in der Bürgerversammlung des 22. Stadtbezirks im Mai der Antrag einer Bürgerin auf die Einführung der Leinenpflicht mehrheitlich angenommen und der Stadt vorgelegt. Hintergrund des Antrags seien mehrere gemeldete Konflikte zwischen Hundehaltern und anderen Besuchern gewesen. Kriesel verstehe, dass durch die Vorschrift "eine jahrzehntelange Übung beeinträchtigt" werde. "Man könnte in einem weiteren Schritt überlegen, ob das wirklich für das ganze Gebiet gelten muss oder ob man da nicht eine Aufteilung trifft", sagt er.

Puchheim und Gröbenzell, die je ein Sechstel des rund 27 Hektar umfassenden Areals besitzen, hatten bei der Umsetzung des Antrags kein Mitspracherecht. Man sei "kurzfristig darüber informiert" worden, sagt der dritte Puchheimer Bürgermeister Thomas Salcher (CSU). Auch Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) erklärt, die geplante Aktion "unmittelbar vor Aufstellung" per E-Mail mitgeteilt bekommen zu haben. Im Gröbenzeller Ortsverband der Grünen sei man empört über die "völlig unabgesprochene Maßnahme", sagt der Vorsitzende Walter Voit. Seit Jahren spricht sich seine Partei gegen den Ausbau der Böhmerweiher und den damit einhergehenden Eingriff in die dortige Natur aus. "Am besten wäre, wenn die Pläne unterlassen würden, wenn sie aber umgesetzt werden, sollte das mit minimalem Eingriff und unter Erhalt der sensiblen Naturflächen zwischen den Weihern geschehen", sagt Voit.

Bereits 2006 hat die Stadt München einen Bebauungsplan vorgelegt, der für das Gelände eine Aufteilung in einen Badebereich am westlichen Weiher und eine Biotopentwicklung am östlichen Weiher vorsieht. 2014 erfolgte ein konkreter Entwicklungsentwurf durch den Erholungsflächenverein, der von der Stadt die Trägerschaft für Planung und Ausbau übernommen hat. Der Plan, den Voit konträr zum Wunsch der Grünen als "Maximalplanung" bezeichnet, sieht unter anderem Abgrabungen für eine Insel, Liegeflächen, Sanitäreinrichtungen, Parkplätze, Beachvolleyballplätze und einen Kiosk vor.

Bereits weit mehr als 1000 Unterstützer hat die Petition gegen den Leinenzwang gefunden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Sowohl Puchheim als auch Gröbenzell haben den Entwurf in seiner damaligen Form abgelehnt. "Ich stehe für einen zurückgenommenen Charakter eines naturbelassenen Sees und eine entsprechende naturverträgliche Nutzung", betont Schäfer. Salcher findet es "bedauerlich", dass das Gelände derart durchgeplant werden müsse und nicht mehr sich selbst überlassen werden könne.

Der derzeitige, seit Jahrzehnten bestehende Zugang von Gröbenzell müsste nach Ansicht der Grünen generell überdacht werden. Dieser führe von Norden kommend direkt in den Bereich zwischen den beiden Weihern, wo eine Vielzahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten angesiedelt ist.

Beim Erholungsflächenverein wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung in München ein an die Kritik der Miteigentümer angepasstes Konzept entwickelt. Für eine Stellungnahme zum aktuellen Sachstand der Planungen war der Geschäftsführer des Vereins in der vergangenen Woche nicht zu sprechen. Dass der Planungsprozess so lange dauert, verwundert Salcher. Die Gröbenzeller Grünen haben den Verein bereits öffentlich aufgefordert, die aktuellen Pläne für das Areal offenzulegen. Schäfer vermutet, dass der neue Entwurf im Herbst oder Winter vorgelegt wird.