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Bildung im Landkreis:Digitale Hausaufgabe

Bamberg, Deutschland 04. Januar 2021: Auf einem Tisch in einer Wohnung steht ein aufgeklappter Laptop mit einem Online-

Wichtigstes Utensil des Distanzunterrichts: Der Laptop verbindet Schüler und Lehrkräfte.

(Foto: imago/Fotostand)

Wegen der Corona-Pandemie werden Kinder und Jugendliche erneut in den flächendeckenden Distanzunterricht geschickt. Die Schulen sehen sich diesmal jedoch besser vorbereitet als im Frühjahr

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Wohn- und Kinderzimmer sind von diesem Montag an Unterrichtsräume: Weil die Schulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben, lernen Kinder und Jugendliche zuhause - am Computer oder am Laptop. Damit das diesmal besser klappt als während des Lockdowns im Frühjahr des vergangenen Jahres, hat das Landratsamt die Server-Kapazitäten mehr als verdreifacht. Und auch die Schulen sind besser ausgestattet und auf den Distanzunterricht vorbereitet.

Statt auf Mebis, der vom Kultusministerium zur Verfügung gestellten und häufig überlasteten Internetplattform, setzen die Schulen im Landkreis auf Programme, die die Möglichkeit zu Videokonferenzen geben, wie sie viele Mitarbeiter von Firmen inzwischen aus ihrem Berufsalltag kennen. In den Grund- und Hauptschulen am meisten verbreitet ist wohl "Big Blue Button". Ähnlich wie die Programme großer Software-Hersteller bietet es die Möglichkeit, sämtliche Schüler einer Klasse am Bildschirm zu sehen. Laut Uli Rödl vom Medienzentrum des Landkreises enthält Big Blue Button auch Features für den Unterricht, wie Whiteboards oder Umfragetools.

Etwa 25 Grund- und Hauptschulen sowie eine Handvoll Gymnasien verwenden Big Blue Button. Damit die Bildschirme nicht schwarz bleiben, hat der Landkreis Serverkapazität erworben - und zwar erheblich mehr als im vergangenen Jahr. Von Dienstag an steht den Schulen die Leistung von 13 Servern zur Verfügung, zuletzt waren es noch vier gewesen. Etwa 26 000 Euro könnte dies den Landkreis in diesem Jahr kosten. Rödl zeigt sich froh über die erweiterte Serverleistung, denn so, wie es im vergangenen Jahr war, habe man jetzt nicht starten können, sagt er und rechnet vor: Mit Hilfe der Leistung eines Servers können 250 Schüler gleichzeitig in Videokonferenzen unterrichtet werden. In den vergangenen Monaten standen den Schulen vier Server zur Verfügung - für einen flächendeckenden Digitalunterricht viel zu wenig. Nun muss man sehen, wie lange die erweiterten Kapazitäten reichen. Eine Option für eine weitere Aufstockung hat Rödl jedenfalls.

Die Grundschule Graßlfing gehört nicht zu den Landkreisschulen, die mit Big Blue Button den Digitalunterricht angehen. Schulleiterin Cathrin Theiß vertraut auf MS Teams. "So können wir alle morgens sicher anfangen, ohne rauszufliegen", fasst sie ihre Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zusammen. Das Einarbeiten in die Möglichkeiten der Software, das schon im vergangenen Schuljahr begonnen hat, hat die Lehrkräfte viel Zeit und Mühe gekostet. Und es ist noch nicht abgeschlossen, denn mit jeder neuen ersten Klasse muss die Handhabung des Programms wieder eingeübt werden. Und das nicht nur mit den Buben und Mädchen. Auch die Eltern müssen wissen, wie man in das Programm gelangt und bestimmte Funktionen bedient, schließlich kann dies nicht von Erstklässlern erwartet werden. Die aber haben ebenso per Videokonferenz Unterricht wie die älteren Kinder.

Einfach ist das nicht, doch Grundschullehrerinnen und -lehrer seien sehr fantasievolle Menschen, sagt Theiß. Als Beispiel führt sie das Erlernen von Buchstaben an. Diese könnten an die Tafel geschrieben und nachgemalt werden. Doch für den Unterricht am Computer gibt es noch andere Möglichkeiten. So könnten Erstklässler die Buchstaben auch mit Bauklötzen legen oder mit Kastanien. Am Bildschirm kann die Lehrkraft sehen, ob das richtig gemacht worden ist. Zudem gibt es freilich auch noch die üblichen Lernmaterialien. Die werden per E-Mail versendet oder können in der Schule abgeholt werden. Auch für differenzierten Unterricht sieht Theiß ihre Schule vorbereitet. So gibt es eine Zusatzplattform, auf der Kinder, die sich leicht tun, Aufgaben finden, während mit den anderen Schülern nachgearbeitet wird. Und auch die Ausstattung mit Geräten steht dem Digitalunterricht nicht im Weg. Sämtliche Schülerinnen und Schüler verfügten über einen Computer oder Laptop, sagt Theiß. Kinder, die kein solches Gerät besitzen, wurden von der Schule ausgestattet. Überdies erwartet die Rektorin noch 20 weitere Laptops. Die seien bestellt, aber noch nicht geliefert worden, sagt sie.

Soweit scheint also alles bestens vorbereitet. Doch eine Sorge hat Theiß dennoch. "Wir verlangen von den Lehrkräften sehr viel", sagt sie als Leiterin einer Schule und auch als Kreissprecherin der Schulleiterinnen und Schulleiter. Denn Distanzunterricht mache wesentlich mehr Arbeit als Präsenzunterricht. Dazu kommt, dass das vergangene Jahr mit all den neuen Anforderungen und ständigen Wechseln zwischen Unterricht in der Schule oder zuhause ebenfalls viel Kraft gekostet hat. Theiß hat deshalb Sorge, dass etliche Lehrkräfte krank werden könnten. Denn das Virus ist weiterhin stark in der Bevölkerung verbreitet.

© SZ vom 11.01.2021
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