Bildung:Digitale Hilfe im Unterricht

BRAINIX ermöglicht gehirngerechtes Lernen durch Multisensorik

Auge und Ohr werden mit der Lernsoftware angesprochen, um Begriffe zu lernen und zu verstehen.

(Foto: Stiftung Digitale Bildung/oh)

Die Stiftung Digitale Bildung entwickelt Lernsoftware und lässt sie vom Germeringer Max-Born-Gymnasium ausprobieren. In den Sommerferien können Schüler das Programm "Brainix" kostenlos testen

Von Andreas Ostermeier, Germering

Lernsoftware aus Germering kommt jetzt auch in einer Germeringer Schule zum Einsatz. Im Juli beteiligt sich das Max-Born-Gymnasium an der Erprobung von "Brainix". Die Software, die im Auftrag der Stiftung "Digitale Bildung" entwickelt wird, wird von zwei sechsten Klassen im Englisch- und Mathematikunterricht eingesetzt. Ausprobiert wird dabei auch ein neu entwickelter Vokabeltrainer. Ziel von Jürgen Biffar, Vorsitzender der Stiftung, ist es, mit dem Einsatz seiner Software den Lernerfolg von Schülern messbar zu steigern. Biffar spricht von einer Steigerung von 30 Prozent.

Erreichen will er dies mit einer Software, die multisensorisch und multimedial arbeitet. Das bedeutet, dass der Lernstoff in Wort, Bild und Ton vermittelt wird. So üben Schüler beispielsweise ein Fremdwort, in dem sie es schreiben und sprechen. Beides wird vom Lernprogramm korrigiert. Dazu gibt es auch Bilder oder Zeichnungen von dem Gegenstand, den das Wort bezeichnet, und die korrekte Aussprache wird auch gleich mitgeliefert. Der Vorteil eines solchen Lernens liegt zum einen im Befolgen der alten Regel, ein Wort einmal geschrieben zu haben, sei so gut, wie es zehnmal zu lesen. Überdies aber wird jeder Nutzer der Software sofort korrigiert. Auf diese Weise können individuelle Fehler rasch abgestellt werden.

So funktioniert auch der Vokabeltrainer, den die Germeringer Gymnasiasten von der zweiten Juliwoche an testen dürfen. Die Sechstklässler aus zwei Klassen des Max-Born-Gymnasiums probieren die Vorteile und Fähigkeiten der digitalen Lernhilfe aus. Drei Lehrkräfte der Schule haben sich dafür eingearbeitet.

Die Software hat bereits Testeinsätze an drei bayerischen Gymnasien absolviert. Sie eigne sich vor allem für den Unterricht in Unter- und Mittelstufe, sagt Biffar. Neben Programmen für den Unterricht an Gymnasien sollen auch solche für Real- und Mittelschulen entwickelt werden.

Freilich täte Lernsoftware in Zeiten von Homeschooling und Wechselunterricht besonders gute Dienste. Doch Biffar ist es wichtig zu betonen, dass Programme wie Brainix künftig einen Platz im schulischen Lernen und Lehren einnehmen. Als Vorteile nennt er das Schließen von Wissenslücken nach einer längeren Krankheit und das Bearbeiten individueller Lerndefizite. Lehrkräfte und Schüler arbeiteten auch jetzt schon mit digitalen Hilfsmitteln, sagt Biffar. Doch sie müssten sich diese Tools einzeln aus dem Internet fischen. Die Programme der Stiftung Digitale Bildung behandelten dagegen den gesamten Lehrplan eines Faches. Von den Programmen erwartet er sich zudem, dass sie die Schüler durch den Stoff führten, sodass diese zu Hause lernen könnten, ohne die Aufmerksamkeit zu verlieren und die Eltern fragen zu müssen.

Auf die Idee zur Entwicklung eines digitalen Lernwerkzeugs für die Vermittlung von Schulstoff ist Biffar nach seinen Angaben gekommen, als seine Töchter iPad-Klassen besuchten. In den Klassen sei zwar an Computern gearbeitet worden, die multimedialen Möglichkeiten der Geräte seien aber nicht genutzt worden, erzählt er. Mit Hilfe der im Auftrag der Stiftung entwickelten Lernsoftware soll dies aber gelingen. Biffar nennt jedoch auch die Grenzen des Einsatzes. So eigne sich die Lernsoftware nur wenig für hochkommunikative Fächer wie Deutsch. Auch sei nicht daran gedacht, die Lehrkraft zu ersetzen. Digitale Lernsoftware könne vielleicht 50 Prozent des Unterrichts übernehmen, schätzt Biffar, ihr Wert liege vor allem in der Vermittlung von Wissen.

Etwa 2,5 Millionen Euro sind laut Biffar bereits in die Entwicklung von Brainix investiert worden. Die Stiftung strebe aber kein Monopol auf die Herstellung von Lernsoftware an. Eher gehe es darum, einen Standard zu setzen und die Bildungsträger dazu zu animieren, in digitale Lernwerkzeuge zu investieren, sagt Biffar.

Schülerinnen und Schüler, die Lernlücken ausgleichen oder die Software kennenlernen möchten, können dies in den Sommerferien kostenlos tun. In der Zeit von 2. August bis 10. September bietet die Stiftung ihnen die Möglichkeit, Brainix zu nutzen. Dafür reichen Endgeräte wie Tablet, iPad oder Laptop. Bereitgestellt werden Lektionen in Englisch und Mathematik der sechsten Gymnasialklassen. Anmeldung per E-Mail unter brainix-sommercamp@digi-edu.org.

© SZ vom 09.07.2021
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