Beim Containern erwischt Prozess erneut abgesagt

Verhandlung gegen Studentinnen wegen Diebstahls von Lebensmittel aus Mülltonne abgesetzt

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Der Prozesstermin wegen Diebstahls gegen die beiden jungen Frauen aus Olching ist erneut geplatzt. Wie die Studentinnen mitteilen, wird die Verhandlung am Montag, 10. Dezember, "aus dienstlichen Gründen" nicht stattfinden. Darüber habe das Amtsgerichts Fürstenfeldbruck in einem Schreiben informiert. Vom Amtsgericht hieß es dazu nur, dass der Termin abgesetzt wurde. Die Angeklagten, die als "Caro und Franzi" inzwischen eine gewisse Berühmtheit erlangt haben, sind von der Polizei beim so genannten Containern - so heißt das Entwenden von weggeworfenen Lebensmittel aus den großen Müllbehältnissen der Supermärkte - erwischt worden. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft per Strafbefehl wegen besonders schwerem Diebstahl (weil der Container verschlossen war) für die 25 und 27 Jahre alten Frauen jeweils 1200 Euro Geldstrafe gefordert. Die Olchingerinnen hatten dem widersprochen, ein bereits anberaumter Verhandlungstermin im Oktober fand nicht statt. In den sozialen Netzwerken gab es viele auf Unverständnis zeugende Reaktionen für die geforderten Strafen. Die Staatsanwaltschaft hatte schließlich den Vorwurf des besonders schweren Diebstahls fallen gelassen. Zuletzt hatte man den Studentinnen aus Olching angeboten, das Verfahren gegen jeweils acht Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Tafel einzustellen. Darauf wollten sich die jungen Frauen aber nicht einlassen. Ihnen gehe es um eine Gesetzesänderung: Containern soll legal werden, lautet ihre Forderung.

Dafür haben sie eine Online-Petition gestartet, die von mehr als 13 000 Personen unterschrieben worden ist. Darüber hinaus soll auch die für 10. Dezember geplante Kundgebung vor dem Amtsgericht um 10 Uhr stattfinden. Derweil hat sich die "Interessengemeinschaft Lebensmittel-Retter Fürstenfeldbruck" zu Wort gemeldet und sich von den Studentinnen distanziert. Die Gruppe organisiert seit einigen Monaten in Kooperation mit zwei lokalen Supermärkten die Verteilung von für den Müll bestimmten Lebensmitteln und lehnt das Containern ab, da es gesetzlich verboten und Diebstahl sei.