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Bauleitplanung:Flächensparende Terrassendächer

Gröbenzeller Grüne erläutern geplante Änderungen

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Angst vor mehr Gewerbetreibenden sowie Machtlosigkeit gegenüber einem weiteren Arbeiterwohnheim sind offenbar die häufigsten Vorbehalte gegen die geplante Änderung des Bebauungsplans Freyastraße von einem reinen in ein allgemeines Wohngebiet. Das zeigten die Fragen der Zuhörer einer Veranstaltung der Grünen zur Bauleitplanung und Festsetzung von Überschwemmungsgebieten. Zudem stellten der Zweite und der Dritte Bürgermeister, Martin Runge (Grüne) und Axel von Walther (SPD), vor den etwa 80 Anwesenden im Saal des Bürgerhauses klar, dass nicht alle Wohngebiete im Ort geändert werden sollen. Das war auf einem Plakat der Gröbenhüter zu einer Veranstaltung vom Dienstag, ebenfalls zum Bebauungsplan Freyastraße, gestanden.

Man werde alle Bebauungspläne für Gröbenzell - es gibt mehr als 300 - ganz genau prüfen und dann entscheiden, ob eine Änderung notwendig ist. Wie Runge weiter erläutert, soll der Gemeinderat dann das Vorgehen priorisieren. Warum das Areal zwischen Bahnlinie, Von-Koch-, Dianastraße und Loferweg in eine andere Gebietskategorie kommen soll, begründen beide mit der Realität - Lärm, Verkehr und 48 gemeldete Gewerbe sprächen eher für ein allgemeines Wohngebiet - und den vielen Fehlern, die der aktuelle Bebauungsplan enthält. "Das Ding ist angreifbar", unterstreicht von Walther. Runge erwähnt einen Handwerker, der in einem reinen Wohngebiet seine Büroarbeit machte und umziehen musste, als das bekannt wurde. "Ich möchte die, die Gewerbesteuer zahlen, am Ort halten", unterstreicht er. Es gibt Applaus.

Runge erläutert, dass mit der Änderung das flächenverschwendendes Bauen weniger belohnt werden soll: Derzeit darf ein Bauwerber auf einen ebenerdigen 100-Quadratmeter-Bau ein weiteres Geschoss mit Satteldach setzen und hat 166 Quadratmeter Wohnfläche. Nach der geplanten Änderung, die Terrassendächer erlaubt, darf auf 50 Quadratmeter Grundfläche ein weiteres Vollgeschoss sowie in der zweiten Etage ein Terrassendach mit noch 33 Quadratmeter Wohnfläche gebaut werden. Den Anstoß für diese Bauart gaben laut Runge mehrere entsprechende Bauanträge.

"Wir schließen Dinge aus, die unerwünscht sind", spielt von Walther auf die in allgemeinen Wohngebieten ausnahmsweise möglichen Beherbergungsbetriebe und Tankstellen an. Dass es vor allem vor Ersteren Ängste gibt, zeigen die vielen Wortmeldungen der Zuhörer. "Können wir uns darauf verlassen", fragt ein Mann ganz genau nach. Die Bürgermeister sichern es ihm zu. Auf die Frage einer Frau, ob sie künftig keinen Antrag mehr stellen müsse für ein Gartenhäuschen, erklärt Runge das Prinzip, das im neuen Bebauungsplan gelten soll: "Alles was verfahrensfrei ist, soll auch genehmigungsfrei sein." Das erleichtere Bürgern und Verwaltung das Prozedere. Am Ende sagt eine Frau noch: "Ich bin für das allgemeine Wohngebiet und ich glaube, wir sind viele. Aber wir sind leise, während die anderen laut sind."

"Wir aus Gröbenzell haben angestoßen, dass nachgerechnet und geprüft wird", berichtet Runge zur Aktualisierung der Überschwemmungsgebiete. Bisherigen Berechnungen hätten fehlerhafte Daten zugrunde gelegen. Mit der Neuberechnung, die laut Staatsregierung im ersten Quartal abgeschlossen sein soll, seien "Gröbenzell und Puchheim deutlich weniger betroffen, Eichenau und Olching deutlich mehr". Laut Runge stellt die Neuberechnung Projekte wie die Olchinger Südwestumfahrung in Frage, in Gröbenzell "hängen zwei große Baugebiete dran", nämlich Bahnhofs- und Freyastraße.

© SZ vom 02.03.2019
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