Bau Hort soll ohne Wohnungen gebaut werden

Weil die Zeit drängt und gespart werden muss, wird die geplante Brucker Kita wohl aufs Grundstück der Schule-West verlegt

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Der bislang auf einem Grundstück am Sulzbogen geplante Schülerhort soll verlegt werden - in die nordöstliche Ecke des Grundstücks der künftigen Schule-West, zwischen Cerveteristraße und B 471. Das Areal am Sulzbogen stünde damit komplett für den Wohnungsbau zur Verfügung. Das haben die Mitglieder des Bau- und des Hauptausschusses am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung dem kommende Woche tagenden Stadtrat empfohlen. Möglich wurde der Beschluss durch die einheitliche Abstimmung der BBV-Fraktion, die in der Frage zunächst gespalten war. Die SPD plädierte ebenso wie die Grünen und Die Partei und Frei für die Beibehaltung des bisherigen Standorts.

Durch die Verlagerung soll ein schneller Baubeginn des zweigruppigen Horts erreicht werden. Denn die Zeit drängt. Für die Betreuung fehlen in der Stadt zurzeit 35 Plätze. Der Hort soll weitgehend reserviert werden für Kinder der Richard-Higgins-Schule - die künftige Schule-West wird über eigene Ganztagsangebote verfügen. Dem für Schulen zuständigen Michael Maurer zufolge ist es aus formalen Gründen wichtig, den Hort möglichst zwei Jahre vor dem Bau der Schule West zu errichten und zu belegen. Laut Stadtarchitekt Christian Lichtenberg sprechen gegen den alten Standort am Sulzbogen vor allem die deutliche Kostensteigerung in der Baubranche sowie das mangelnde Interesse an der bisherigen Ausschreibung des Wohn- und Hort-Projekts. Der neue Standort und die Beschränkung auf den Bau eines Horts eröffnen der Stadt in Verbindung mehr Spielraum. Am bisherigen Standort war geplant, über dem Hort 13 Wohnungen zu bauen - statt der ursprünglich 4,6 Millionen Euro müsste die Stadt für das Gesamtpaket nun wohl 5,2 Millionen Euro hinblättern. Am Sulzbogen will sich die Stadt - später - ganz auf den Wohnungsbau konzentrieren. Platz wäre ohne Hort für fünf zusätzliche Wohnungen. Die BBV knüpfte ihre Zustimmung zur Standortverlagerung an die Zusage, dass die Stadt das Grundstück am Sulzbogen nicht verkauft und nach Möglichkeit sogar selbst als Bauherr für das angedachte Wohnhaus auftritt. Raff kann sich mit Blick auf den angespannten städtischen Haushalt auch die Auslagerung an die bereits beschlossene, aber noch zu gründende Wohnbaugesellschaft des Landkreises vorstellen.

Die neuen Planungen sehen vor, den Hort direkt an die Cerveteristraße zu verlegen, in direkter Nachbarschaft zum Montessori-Kinderhaus. Fertig gestellt sein soll das auf 2,25 Millionen Euro veranschlagte Projekt möglichst bis September 2020. Das eingeschossige Gebäude in Holzbauweise soll für eine künftige Aufstockung ausgelegt sein und mit einem begrünten Dach nebst Photovoltaikanlage ausgestattet sowie per Fernwärme beheizt werden. Als schwierig erweisen könnte sich die Zufahrt über das "Nadelöhr" zwischen Montessorihaus und dem künftigen Schülerhort hindurch zu der im rückwärtigen Bereich nahe der Bundesstraße 471 geplanten Schule-West.

Walter Schwarz (SPD) kritisierte ebenso wie sein Fraktionskollege Ulrich Schmetz und Alexa Zierl (Die Partei und Frei), dass die Stadtspitze die Planung für den Sulzbogen eigenmächtig und ohne Rücksprache mit den Fachausschüssen oder dem Stadtrat umgeworfen habe. Damit, so Schwarz, seien 777 000 Euro an Planungskosten weitgehend "für die Katz" und "ein Dreivierteljahr verplempert". Schwarz warnte davor, den Wohnungsbau am Sulzbogen nun auf die lange Bank zu schieben, obwohl Erlöse aus Verkäufen städtischer Grundstücke fest dafür eingeplant gewesen seien. Christian Stangl (Grüne) kritisierte die lediglich eingeschossige Planung am neuen Standort, die nicht mehr zeitgemäß sei. Zudem schränke das Haus den planerischen Spielraum für den Architektenwettbewerb der neuen Schule-West ein.

Raff widersprach: Trennung von Wohnungsbau und Kita sowie die Wahl des neuen Standorts auf einem ebenfalls städtischen Grundstück sparen dem OB zufolge Zeit und Geld und bringen zudem noch mehr Wohnungen. Hans Schilling stimmte dem ebenso zu wie Andreas Lohde (beide CSU) sowie Klaus Wollenberg (FDP). Die Kombination aus Hort und Wohnen sei ohnehin nicht optimal und bringe statische Probleme, so Lohde.