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Bahnhof Fürstenfeldbruck:Frau von Reinigungs-Schlauch erschlagen

Ein Zug rast durch den Bahnhof von Fürstenfeldbruck. Dabei wirbelt der Fahrtwind einen Schlauch in die Luft, der eine Frau am Kopf trifft. Wenig später stirbt die 55-Jährige in einer Klinik - und die Polizei ermittelt gegen den Mitarbeiter einer Reinigungsfirma.

Eine am Bahnsteig in Fürstenfeldbruck auf die S-Bahn wartende Frau ist am Dienstagmorgen tödlich verunglückt. Laut einem Sprecher des Polizeipräsidiums Ingolstadt schleuderte ein durchfahrender Regionalzug einen Reinigungsschlauch hoch. Dieser traf die 54-Jährige aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck am Kopf. Die Frau erlag am Vormittag in einer Klinik ihren schweren Verletzungen. Kurz vor dem Unfall waren Mitarbeiter einer Reinigungsfirma damit beschäftigt gewesen, den Bahnsteig und die Treppe zur Fußgängerunterführung mit einem Hochdruckwasserstrahl gründlich zu säubern. Der entweder durch den Fahrwind hochgewirbelte oder vom Zug mitgerissene Schlauch gehörte zu deren Ausrüstung.

Bahnpolizei in FFB

Am Bahnhof Fürstenfeldbruck ist eine Frau von einem Reinigungsschlauch erschlagen worden.

(Foto: Günther Reger)

Ob der etwa zwei Zentimeter dicke Hartgummischlauch mit Düse zum Zeitpunkt des Unfalls auf dem Bahnsteig lag, was Ermittler zuerst vermuteten, oder aufs Gleis gerutscht war und dann von dem Zug erfasst und hochgeschleudert wurde, konnte bis zum Dienstagnachmittag nicht geklärt werden. Beamte der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck ermitteln gegen einen Beschäftigten der Reinigungsfirma wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Der Schlauch wurde sichergestellt. Die Staatsanwalt ordnete die Obduktion der Toten an.

Die von dem Reinigungsgerät Getroffene brach sofort bewusstlos zusammen. Rettungssanitäter versuchten, die Frau auf dem Bahnsteig noch zu reanimieren. Auch Helfer der Freiwilligen Feuerwehr rückten aus. Sie halfen bei der Bergung der Schwerverletzten durch einen Rettungsdienst.

Die Verunglückte ist den meisten, die sich in der evangelischen Kirche im Dekanat Fürstenfeldbruck engagieren, bekannt. Sie war die persönliche Mitarbeiterin von Dekan Stefan Reimers. Der Dekan sprach an Nachmittag von einem schmerzlichen Verlust. Die Mitarbeiterin der evangelischen Kirche wohnte in einer Gemeinde im südwestlichen Teil des Landkreises.

Züge dürfen den Bahnhof in Fürstenfeldbruck mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern passieren. Bei diesem Tempo besteht laut einem Bahnsprecher für Wartende keine Gefahr, so lange der weiß gekennzeichnete, 80 Zentimeter breite Sicherheitsstreifen nicht betreten wird. Der Pressesprecher sagte aber auch, dass normalerweise keine Reinigungsschläuche auf Bahnsteigen lägen. Dass einer Frau, die auf einen Zug warte, so etwas zustoße, sei äußerst bedauerlich.

An Vorfälle, bei denen Fahrgäste der Bahn durch vorbeifahrende Züge in Mitleidenschaft gezogen wurden, konnte sich der Bahnmitarbeiter nicht erinnern. Er sagte aber auch, dass es schon einmal vorgekommen sei, dass ein ungesicherter, leerer Kinderwagen von einem durchfahrenden Zug ins Gleis gezogen wurde.

Ungeklärt war bis zum Nachmittag, mit welchem Tempo der Regionalzug den Bahnsteig passierte. Genau Angaben erhofft sich die Polizei von der Auswertung des Fahrtenschreibers im Zug, der als Leerfahrt ohne Passagiere und ohne Stopps an Bahnhöfen registriert wurde. Das "Reisebüro Duk" liegt im Bahnhofsgebäude unmittelbar gegenüber der Unfallstelle an der Treppe, die zur Fußgängerunterführung in die Stadt führt. Dort wurde die Frau von dem Schlauch getroffen, wie Dennis Heller, der Inhaber der Reiseagentur, berichtet.

Der 30-Jährige hat bei der Arbeit den Bahnsteig immer im Blickfeld. Unmittelbar vor dem Unfall sah er die 54-jährige Frau noch mit einem Rucksack und einer Tasche am Bahnsteig stehen. Nachdem der Regionalzug durchgefahren war, sei die Frau blutend an der Bahnsteigkante gelegen, sagt Heller. Vorher hatte er beobachtet, wie Mitarbeiter der Reinigungsfirma mit einem Hochdruckwasserstrahl die Treppe zur Unterführung abspritzten und den Glasturm des Aufzugs säuberten. Laut Heller werden Treppe und Bahnsteig regelmäßig gereinigt.

Am Mittag herrscht am Bahnhof wieder Normalbetrieb. Die Spuren des tödlichen Unfalls sind beseitigt, die Schläuche verschwunden, die Reinigungskräfte abgezogen. Ein älterer Mann, der eine Warnweste und Arbeitskleidung trägt, leert auf dem Bahnsteig die Abfallkörbe. Von dem tödlichen Unfall hat er nichts mitbekommen, und schon gar nichts davon, dass Kollegen von ihm in den Vorfall verwickelt sein könnten.