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Ausbau der S 4:Drei Gleise müssen reichen

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Beim Thema S 4 gibt es auch Differenzen zwischen der CSU im Landkreis und an der Landesspitze.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das bayerische Verkehrsministerium bezeichnet einen viergleisigen Ausbau der S 4 als überflüssig. Den Pendlern werden stattdessen weitere Langzüge in Aussicht gestellt

Sieben Wochen hat das bayerische Verkehrsministerium gebraucht, um auf einen Brief von Michael Pausch (Freie Wähler) zu antworten. Der Pendler aus Puchheim hatte über Verspätungen und Zugausfälle geklagt und einen Ausbau der S 4 gefordert. Der markanteste Satz des Ministeriums lautet, ein viergleisiger Ausbau der Strecke wäre "bahnbetrieblich nicht erforderlich und dessen Herstellung bautechnisch sehr aufwendig und finanziell unverhältnismäßig".

Überfüllte Züge, ständig Verspätungen, komplette Ausfälle, mangelhafte Information, gestrichene Verbindungen infolge von Fahrzeugmangel im Herbst und Behinderungen durch den Umbau des Bahnhofs Buchenau hatte Pausch in seinem offenen Brief an Verkehrsminister Hans Reichart (CSU) angeführt. Er rügte das "tägliche Chaos" und forderte Besserung - und zwar sofort. Die Störungen zeigen nach Ansicht Pauschs auch, dass ein dreigleisiger Ausbau der Strecke bis Eichenau völlig unzureichend wäre.

Im Landkreis sind inzwischen Politiker der CSU, FW und SPD auf die Position der Umwelt- und Verkehrsverbände sowie der Grünen eingeschwenkt, die einen dreigleisigen Ausbau, den das Ministerium 2014 verkündet hatte, von Anfang an als ungenügend verworfen hatten. Minister Reichhart hatte deshalb eine neue Machbarkeitsstudie zur Viergleisigkeit angekündigt. Wann diese vorliegt, steht in den Sternen. Derweil wird die Planung für den dreigleisigen Ausbau angeblich weiter vorangetrieben. Liest man das Antwortschreiben aus dem Ministerium, hat man den Eindruck, dass sich daran nichts ändern wird: Demnach reichen drei Gleise.

Zur neuen Machbarkeitsstudie heißt es in dem Schreiben an Pausch, der Minister habe diese Studie "angestoßen", um die Debatte über die Viergleisigkeit zu "versachlichen". Weiter ist zu lesen, dass der dreigleisige Ausbau einen späteren Ausbau "nicht verhindern wird". Pausch argwöhnt ebenso wie der Landtagsabgeordnete Martin Runge (Grüne), dass tatsächlich ein Großteil der neuen Brücken, Bahnsteige und Lärmschutzwände wieder abgerissen werden müsste. Runge hat dazu einen ausführlichen Fragenkatalog ausgearbeitet, der alle Bauwerke auflistet. Eine Antwort darauf steht seit Wochen aus.

Unklar ist derzeit auch, wann der Verkehrsausschuss des Landtags über zwei Anträge befinden wird. Der Fürstenfeldbrucker Abgeordnete Benjamin Miskowitsch (CSU) fordert, den dreigleisigen Ausbau zu beschleunigen, während sein Kollege Runge (Grüne) das Projekt stoppen und auf vier Gleise erweitern will.

Was die Verspätungen und Zugausfälle betrifft, wird auf die mangelhafte Infrastruktur verwiesen, die Ausfälle des Stellwerks am Ostbahnhof, fehlende Züge infolge häufigerer Wartungen sowie Bauarbeiten im Bereich des Betriebswerkes in Steinhausen. Pausch hatte zudem gerügt, dass auf der S4 im Berufsverkehr oft nur zweiteilige Vollzüge unterwegs sind. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Zugverkehr für das Ministerium regeln soll, habe dies bei der DB Region bereits angemahnt, heißt es in dem Schreiben. Sobald zusätzliche Fahrzeuge in Betrieb genommen werden, sollen einige Verbindungen als dreiteilige Langzüge fahren.

Pausch ist mit den Antworten in dem Schreiben des Ministeriums nicht zufrieden. "Auf die Fragen wird im Wesentlichen nur standardmäßig geantwortet, ich erkenne keinen Millimeter Bewegung oder irgendetwas Neues in der Position des Ministeriums", sagte er der SZ. Und offensichtlich halte der Apparat des Ministeriums an der Vorgabe fest, nur drei Gleise zu bauen. Der FW-Politiker will sich damit nicht zufrieden geben: "Wir müssen alle den Druck weiter erhöhen und eine politische Entscheidung im Landtag herbeiführen."

© SZ vom 05.02.2020

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