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Aufklärung:Andrang am Tag der offenen Tür

Klären in Türkenfeld über Adipositas auf: Christian Echter (von links), Barbara Echter-König, Peter Stauch und Thomas Hüttl.

(Foto: Günther Reger)

Adipositas-Selbsthilfegruppe weckt großes Interesse

Menschen mit hohem Übergewicht aus der meist selbst gewählten Isolation herauszuholen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie beim Abnehmen und damit bei der Rückgewinnung des Selbstwertgefühls zu begleiten, ist eine der Hauptaufgaben, die sich die Adipositas-Selbsthilfegruppe Amper-Lech gestellt hat. Beim Tag der Offenen Tür zum Start des Angebotes im Pfarrheim Türkenfeld zeigte sich deutlich, dass es für eine Selbsthilfegruppe durchaus Bedarf gibt. Einige Interessierte bekamen keinen Sitzplatz mehr, als Fachleute aus dem medizinischen und aus dem therapeutischen Bereich sowie vom deutschen Adipositas-Verband in Impulsvorträgen über Fettleibigkeit als Krankheit, ihre Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit und damit auf die Lebensqualität sowie über Maßnahmen zur Gewichtsreduktion und über die rechtlichen Grundlagen und Ansprüche gegenüber Krankenkassen informierten.

"Mit so einem Andrang haben wird nicht gerechnet", freute sich Christian Echter, der mit seiner Ehefrau Barbara Echter-König die Selbsthilfegruppe in Türkenfeld leiten wird. Wie viele davon sich letztlich der Gruppe anschließen werden, lässt sich laut Echter noch nicht sagen, denn unter den gut 70 Besuchern seien nicht nur Übergewichtige und bereits in Behandlung befindliche Menschen, sondern auch Angehörige, die sich nur Informationen holen, um ihr Familienmitglied unterstützen zu können. "Erfahrungsgemäß sind auch Personen dabei, die von Fettleibigen vorgeschickt werden, um so in Erfahrung zu bringen, ob sie der Selbsthilfegruppe beitreten sollten", erklärte ein Besucher, der "einschlägige Erfahrung mit Diäten und Jojo-Effekten" hatte, bis er sich beraten ließ. "Manche Übergewichtige scheuen die Öffentlichkeit, aus Angst davor, mitleidig und bedauernd angesehen zu werden, da hilft nur eins, aufzustehen und sich an Fachleute zu wenden", sagte er, der Hausarzt sollte dabei die erste Anlaufstelle sein.

Das Gruppenleiter-Paar Echter kennt die Probleme mit allen seinen Folgen und Einschränkungen "bei allem, was man tut". Nachdem sie den Kampf gegen extremes Übergewicht gewonnen haben, wollen sie Adipositas-Kranke unterstützen. Die neue Selbsthilfegruppe sei der ideale Rahmen, sich beraten zu lassen und sich mit anderen Übergewichtigen auszutauschen. Eine Selbsthilfegruppe sei in ein engmaschiges Netzwerk eingebunden, so dass jede Art von Hilfe machbar sei, erklärte der Vorsitzende des Adipositas-Verbandes, Christian Wirtz. In Selbsthilfegruppen stehe immer der Mensch im Mittelpunkt. Jemanden zu überreden oder gar zu drängen, bestimmte Maßnahmen zum Abnehmen zu ergreifen, sei daher ausgeschlossen. "Selbstfindung ist das Ziel, woraus sich dann individuelle Strategien ableiten lassen", befand ein Gast, der bereits einer anderen Gruppe angehört.

Die Mediziner Peter Stauch, leitender Oberarzt, und Thomas Hüttl, Chefarzt der chirurgischen Abteilung, beide von den Lubos-Kliniken Bogenhausen, zeigten die Vielfalt von Therapiemethoden auf und klärten darüber auf, dass es mit anderen Menschen leichter gehe, Pfunde abzuschmelzen, und Therapien mit Begleitung und psychologischer Unterstützung meist zum Erfolg führten: "Psyche und Ernährung beeinflussen sich oft gegenseitig." Aber wenn alle Therapien nicht helfen sollten, könne eine chirurgischer Eingriff wie eine Magenverkleinerung oder ein Schlauchmagen die effektivste Methode für eine dauerhafte Gewichtsreduzierung sein, so die Fachärzte, die sich den Fragen der Besucher ebenso stellten wie Rechtsanwalt Peter Hüttl.

© SZ vom 22.01.2020
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