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Ascherdonnerstag der FDP:Wohlstand für alle

Klaus Wollenberg (links) und Helmut Markwort in Bruck.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Helmut Markwort diskutiert in Bruck mit Klaus Wollenberg

Zehn Jahre lang hat Helmut Markwort eine Sendung namens "Sonntags-Stammtisch" im Bayerischen Fernsehen geleitet und darin über Politik, Gott und die Welt geplaudert. So lag es nahe, einen Abend mit Markwort als "sogenannten Stammtisch" zu führen, wie Hendrik Grallert, der FDP-Kreisvorsitzende, in seiner Begrüßung sagt. Knapp zwei Dutzend Parteigänger wollen am Donnerstagabend im Hotel Post dabei sein - darunter auch der Nicht-Parteigänger von der BBV, Brucks zweiter Bürgermeister Christian Götz -, um Markwort mit dem Brucker FDP-Stadt- und Kreisrat Klaus Wollenberg diskutieren zu hören.

Markwort, 82 ("Ich muss mich immer verteidigen, dass ich schon so alt bin"), hat seiner bemerkenswerten Laufbahn als Journalist - von 1993 bis 2010 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus, danach dessen Mitherausgeber und eben auch Fernsehmann - jüngst eine späte politische Karriere hinzugefügt. Vorigen September wurde er für die FDP in den Bayerischen Landtag gewählt. Im Rundfunkrat will man den ehemaligen Medienmann jedoch nicht haben, eines vorgeblichen Interessenskonflikts wegen. Die Sache läuft noch, Markwort will abwarten, die FDP nicht klein beigeben und keinen anderen Kandidaten benennen. Nun werde der Kultusminister für eine Entscheidung eingeschaltet, erzählt Markwort.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bleibt das Thema. Markwort ist ein geübter Redner, der druckreif formulieren und zuspitzen kann. "Ich bin so arrogant zu sagen: Ich bin seit 50 Jahren in den Medien und verstehe deshalb mehr als andere." Eine Abschaffung der Gebühren hält er für eine "illusionäre Forderung" und Unterhaltung gehört seinen Worten zufolge ebenso zum Programmauftrag wie Bildung, allerdings erkennt er eine "falsche Gewichtung", die Unterhaltung an die erste Stelle rücke. Im politischen Programm nimmt er zuvorderst "grüne Politiker" wahr: "Sie sind die absoluten Lieblinge."

Danach geht es um die scheinbar zur Routine gewordene Gepflogenheit in den Ministerien, für viel Geld externe Berater einzusetzen. Dabei seien die Ministerien voller eigener exzellenter Fachleute. Markwort möchte nun in Erfahrung bringen, ob dies - siehe Bundesverteidigungsministerium - auch für Bayern gilt. Gutachten von Externen einzuholen, sei auch in der Kommunalpolitik verstärkt zu beobachten, sekundiert Klaus Wollenberg, der seit 42 Jahren Stadtrat in Fürstenfeldbruck ist. Gegen jüngst vorgebrachte Untersuchungsergebnisse, wonach Städte verstärkt gefördert werden sollen - zulasten des Landes - wehrt sich die FDP. "Wenn wir annähernd gleiche Lebensbedingungen nicht schaffen, dann drücken immer mehr Menschen in die Ballungszentren", warnt Markwort.

Und so kommen sie dann auf die soziale Marktwirtschaft zu sprechen, ein Herzensanliegen Wollenbergs, der dazu eigens Ludwig Erhardts 1957 erschienenes Buch "Wohlstand für alle" mitgebracht hat und sich Sorgen macht, ob diese soziale Marktwirtschaft im Deutschland 2019 noch eine Zukunft hat. Wachstum sei heute ein "verpönter Begriff", wundert sich Wollenberg. Markwort sieht das genauso und verweist auf die regulierende Funktion des Kartellamts, das dafür sorge, dass es einen Markt mit verschiedenen Anbietern überhaupt geben kann.

Man spürt, dass sich Unzufriedenheit breit gemacht hat bei den Liberalen: mit der Großen Koalition, mit der Bildungspolitik, mit der Wirtschaftspolitik. Wollenberg vermisst einen "ordnungspolitischen Kompass" im Land, eine Zuhörerin wirft der FDP daraufhin vor, bei der Möglichkeit, einen solchen einzurichten, gekniffen zu haben - damals, als der Bundesvorsitzende Christian Lindner die Koalitionsverhandlungen platzen ließ. "So denken viele", hat Markwort erlebt: "Das war ein Dauerthema." Aber Lindner habe ihm überzeugend begründen können, dass dies eine schwarz-grüne Koalition geworden wäre und "wir untergegangen wären". Aber "vielleicht hätte er es taktischer machen sollen."

Aus der sozialen Marktwirtschaft habe man zwischenzeitlich "zwei Welten gemacht", wirft Birgit Thomann, die stellvertretende Kreisvorsitzende, ein: "Die einen sollen es verdienen und die anderen verteilen es dann." Leider kämen "die Propheten unserer These in den Talkshows nicht vor", bedauert Helmut Markwort. Dort säßen "nur Ankläger der Wirtschaft". Und so kommt er auf die Sendung "Tatort" zurück. "Auch dort", sagt Markwort, "ist meist der Unternehmer der Mörder."