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Arbeiten in Corona-Zeiten, SZ-Serie, Folge 37:Wochen ohne Bewegung

Wann darf in der Sportschule Fürstenfeldbruck-Puch wieder trainiert werden? Das fragt sich Betreiber Lorenz Westner und beklagt, dass es in Bayern noch keinen Zeitplan für eine Öffnung gibt

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Sport gilt als wichtiges Mittel, die eigene Gesundheit zu erhalten. Die negativen Folgen des modernen Lebens mit bewegungsarmen Bürojobs und einer Freizeit, die sich am Smartphone abspielt, sind in vielen Studien nachgewiesen. Dennoch hat Lorenz Westner das Gefühl, "dass der Sport in unserem Land nicht den Stellenwert hat, den er für die Gesundheit der Gesellschaft eigentlich bräuchte". Westner ist 58 Jahre alt und führt seit 33 Jahren die Sportschule Fürstenfeldbruck-Puch, die ihren Ursprung im kleinen Brucker Stadtteil Puch hatte, ehe sie in den Brucker Westen umzog. Doch Sport zu treiben in Sportschulen und Fitnesstudios, ist wegen der Corona-Krise noch immer untersagt. Dabei sei es doch "der ganze Sport, der was für die Gesundheit tut", klagt Westner.

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Abstand halten: Lorenz Westner (von links), Inhaber der Sportschule Fürstenfeldbruck-Puch, Trainer Fabian Krnajac und Verwaltungsangestellte Waltraud Lerner.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Seit Mitte März hat er geschlossen, auf 1200 Quadratmetern Trainingsfläche ist nichts los. Was also tun? Auch Westner macht, was viele Unternehmer jetzt tun: verschiedene "Dinge auf Vordermann bringen", Wartungen und Reparaturen durchführen, Renovierungen vorziehen. Im gesamten Trainingsbereich wurden bereits viele weitere Desinfektionsstationen eingerichtet, die Fassade erhält gerade eine neue Farbe und einen verbesserten Wärmeschutz, was eigentlich erst für August vorgesehen war.

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Wann wieder trainiert werden darf, steht noch nicht fest.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

"Wir wollen mit Geduld und guten Entscheidungen über die Krise kommen", beteuert Westner. Seine Sportschule hat sich in all den Jahren einen Namen weit über den Landkreis hinaus gemacht. Mehr als 200 Sportlerinnen und Sportler, die auf Welt- und Europameisterschaften, Olympischen Spielen, Deutschen Meisterschaften oder Weltcups unter den ersten Drei gelandet sind, haben in der Brucker Sportschule in den vergangenen Jahrzehnten Athletiktraining absolviert oder sich nach Verletzungen dort wieder fit machen lassen. Das Studio kümmert sich aber vor allem auch um Senioren. So manche Mitglieder hätten sich jetzt schon gemeldet, "dass ihnen was weh tut", erzählt Westner.

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Noch stehen die Geräte ungenutzt herum.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Von Kurzarbeit für seine Festangestellten - Trainer und Verwaltungskräfte - hat Lorenz Westner bislang abgesehen. In der Verwaltung gibt es weiterhin genügend zu tun, und die Trainer bauen gerade ihre Überstunden ab, machen Urlaub, helfen da und dort mit und schreiben vor allem Trainingspläne für zu Hause, damit die Mitglieder sich auch daheim adäquat fit halten können und nicht auf Fitness-Videos zurückgreifen müssen. "Da gibt es viel im Internet, was nicht für jeden geeignet ist", warnt er.

Hilfe erfährt Westner in der aktuellen Lage dadurch, dass viele Kunden weiter ihre Mitgliedsbeiträge von ihren Konten einziehen lassen, obwohl es kein Training gibt. "Sie geben uns jetzt einen Kredit, damit wir unseren Verpflichtungen nachkommen können". Immer wieder bedankt sich die Sportschule auf ihrer Internetseite dafür. Dennoch wurden unzählige Telefonate mit Mitgliedern geführt, um, wie Westner sagt, "individuelle Lösungen zu finden" und bereits bezahlte Trainingsmonate zum Beispiel später nachzuholen zu können. 80 Prozent seiner Mitglieder kommen normalerweise zweimal und öfter pro Woche zum Training.

Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass man nach dem Osterferien wieder öffnen kann. Doch wann die bayerischen Fitnessstudios ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen, ist noch nicht geklärt. Es ist vor allem "dieses Hinhalten, dass es keinen Zeitplan gibt", was Unternehmer wie Lorenz Westner Sorgen bereitet: "Sonst könnten wir ja mal auf ein Ziel hinarbeiten."

So aber blicken sie in andere Bundesländer wie etwa Nordrhein-Westfalen, wo die Studios schon wieder aufmachen durften, und beobachten, welche Auflagen dort gelten und was davon auch für Bayern in Betracht kommen könnte. In der Sportschule Fürstenfeldbruck-Puch stehen die Trainingsgeräte schon im 1,5-Meter-Abstand. Im Cardiobereich, das weiß auch Westner, müssen die Abstände indes größer sein, "weil dort schneller geatmet wird". Die Sitzpolster der Geräte seien ohnehin aus einem Material, das einfach zu desinfizieren ist. Aber wird es Fitnesstraining mit Mundschutz geben? Westner rechnet damit, dass er und seine bayerischen Kollegen wohl erst irgendwann im Juni wieder öffnen dürfen. Erstmals will er sein Studio in diesem Sommer dann auch sonntags für seine Mitglieder aufmachen. Aber was wird dann die "neue Normalität" sein?, fragt er. "Und wie lange denkt man, dass das so geht?"

© SZ vom 22.05.2020

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