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Apotheken in Fürstenfeldbruck:Große Nachfrage nach FFP-2-Masken

Endlich da: Seit Mittwochmittag können Ulrike Mehrlich und Antonia Sturm (rechts) die FFP-2-Masken gratis an Risikopatientinnen und -patienten abgeben.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Viele Menschen holen sich seit Dienstag kostenlosen Mund-Nasen-Schutz ab

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Das Interesse an den kostenlosen FFP-2-Masken für Personen über 60 Jahre und Risikogruppen ist groß. Die von der SZ befragten Apotheker berichten von etlichen Anfragen, telefonisch wie persönlich. Und vereinzelt auch von Lieferengpässen. Damit die gut gemeinte Idee in der Praxis nicht zu den gefürchteten Menschenansammlungen führt, die ja wieder das Risiko einer Ansteckung mit Sars-Cov-2 erhöhen, haben sich manche etwas einfallen lassen und die Maskenabgabe beispielsweise mit einem Bistro-Tisch oder Glühweinstand vor die Geschäftsräume verlegt. Damit die Abgabe so schnell funktioniert, mussten die Pharmazien finanziell in Vorleistung gehen. Das führte vereinzelt zu der Befürchtung, dass manche das großzügige Angebot ausnutzen könnten, indem sie sich einfach bei mehreren Apotheken Masken holen.

Gerüchten zufolge sollen manche Apotheken die Masken nur an Stammkunden abgeben. Doch die Befragten gehören nicht dazu. "Ich habe schon viele Menschen gestern da gehabt, die ich nicht kenne", sagt Ulrike Mehrlich. Doch so lange sie Masken hätte, würde sie auch welche abgeben. "Wir appellieren einfach an die Ehrlichkeit der Menschen." Allerdings gehört die Inhaberin der Ahorn-Apotheke Fürstenfeldbruck zu jenen im Landkreis, die derzeit mit Lieferengpässen zu kämpfen haben. Sie bestellte ein Kontingent bei ihrem sonst zuverlässigen Lieferanten. "Wir sollten gestern versorgt werden", doch bis Mittwochmittag war die Lieferung noch nicht eingetroffen. "Ich will ein bisschen an die Geduld der Menschen appellieren. Sie werden alle versorgt, es dauert nur ein bisschen", betont Mehrlich. Ihr Vertrauen auf den Lieferanten wird übrigens kurz nach dem Gespräch belohnt: Am späten Mittag kommt die heiß begehrte Ware an.

Mehr Glück mit der Anlieferung hatte Thomas Benkert. Er betreibt in Mammendorf zwei Apotheken und erklärt: "Wir haben reichlich Masken besorgt", eine genaue Zahl möchte der Präsident der Bundesapothekerkammer lieber nicht veröffentlicht sehen. Von größeren Engpässen oder Lieferschwierigkeiten hat er bislang nichts gehört. "Ich glaube, wenn Apotheken etwas bestellen wollten, konnten sie bestellen." Er persönlich habe keine Probleme mit seiner Lieferung gehabt.

Kritisch sieht Benkert, dass die jeweils drei FFP-2-Masken nun ohne Kontrolle völlig unbürokratisch ausgegeben werden: Über-60-jährige müssen lediglich ihren Ausweis vorzeigen, Risikopatienten mit beispielsweise einer Atemwegserkrankung nennen ihre Beschwerden und bekommen dann die Masken ausgehändigt. "Die Leute gehen jetzt von einer Apotheke zur anderen und holen sich die Masken ab", findet Babak Aleni klare Worte für seine Angst vor Mehrfachabholern. Denn das Interesse sei enorm, so der Inhaber der Kreuz-Apotheke Gröbenzell. Seit Beginn der Aktion am Dienstag bis Mittwochnachmittag hat er 3500 FFP-2-Masken ausgegeben. Benkert lässt die Abholer eine Selbsterklärung unterschreiben, um die Hemmschwelle für Missbrauch zu erhöhen. Erst wenn im Januar der nächste Schwung der Masken ausgegeben wird, soll ein Coupon der Krankenkassen Betrug verhindern.

Einfallsreich hat der Mammendorfer Apotheker auch das Problem von Menschenansammlungen gelöst. Er lieh von der Gemeinde einen Glühweinstand und postierte ihn mit wechselnden Mitarbeitern neben der Apotheke. Bei der Rosen-Apotheke in Olching übernahm der Seniorchef einen ähnlichen Außendienst - an einem Bistrotisch sitzend, wie dessen Tochter und Juniorchefin Lea Sedlmaier erzählt. Dort wurden bis Mittwochmittag etwa 2350 Packungen mit jeweils drei Atemschutzmasken abgeholt. Dennoch ist das Lager noch nicht leer. Man habe bewusst einen großen Vorrat angelegt, "da wir viele Kunden haben". Dafür mussten die Apotheker jedoch auch Mühen auf sich nehmen: Einen Teil der Ware holten sie in Wasserburg ab. Und wie alle anderen auch mussten sie in Vorleistung gehen, um die Masken erwerben zu können. Angst davor, dass sie diese Investition nicht wieder ersetzt bekommen, äußerte keiner der befragten Apotheker.

© SZ vom 17.12.2020
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