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Anwohnerprotest:Überraschend viel Gewerbe

Im Wohngebiet rund um die Freyastraße in Gröbenzell gibt es eine ganze Reihe von Betrieben. Das zeigt eine Aufstellung des Bauamts

Von Karl-Wilhelm Götte, Gröbenzell

Die Menge an Gewerbe um die Freyastraße hat die Gröbenzeller Gemeinderatsmitglieder überrascht. In der jüngsten Sitzung zeigte Bauamtsleiter Markus Groß, dass es in dem reinen Wohngebiet im Bebauungsplanareal elf 48 Gewerbeanmeldungen gibt. Jede Anmeldung versah Groß mit einem Stern, so dass der gesamte Plan voll mit Sternen war. Es folgte ein Streit zwischen dem Zweiten Bürgermeister Martin Runge (Grüne) und dem CSU-Stadtrat Anton Kammerl, der dort zusammen mit protestierenden Anwohnern für die Beibehaltung als reines Wohngebiet streitet, das es schon längst nicht mehr ist. Deshalb hat der Gemeinderat zwischen Freyastraße und Bahnlinie, sowie im Westen begrenzt durch Gröbenbach und Dianastraße statt einem reinen ein allgemeines Wohngebiet beschlossen. In diesem ist noch mehr Gewerbe zulässig. Im Norden soll der Loferweg die Grenze sein. Anwohnerproteste begleiten die Entscheidung des Gemeinderates. Runge wird die entsprechende Bauleitplanung zusammen mit dem Dritten Bürgermeister Axel von Walter (SPD) bei einer Veranstaltung der Grünen am Donnerstag (20 Uhr) im Bürgerhaus erläutern.

In einem reinen Wohngebiet, so die rechtliche Vorgabe, ist Gewerbe nur in Ausnahmefällen und für den täglichen Bedarf möglich. "Maximal ein kleiner Bäcker oder Metzger wäre da zulässig", erläuterte Bauamtsleiter Groß. Er hatte den Auftrag des Gemeinderats, die Realität im Freya-Wohngebiet zu präsentieren, akribisch umgesetzt. Fliesenleger, EDV-Handel, Handelsvertreter, Baumpflegebetrieb, Internethandel mit Kfz-Neuteilen, Hausmeistertätigkeit und Fahrradhandel zählte er bei den 48 Gewerbeanmeldungen im reinen Wohngebiet auf. Diese Gewerbetreibenden werden durch die angestrebte Umwandlung des Bebauungsplans in ein allgemeines Wohngebiet legalisiert. Bei einem allgemeinen Wohngebiet dominiert ebenfalls das Wohnen, aber es ist mehr kleines Gewerbe möglich.

Gar nicht überrascht vom Vortrag seines Bauamtsleiters Groß gab sich Bürgermeister Martin Schäfer (UWG): "Die Gewerbeanmeldungen sind schön gleichmäßig verteilt über das gesamte Gebiet. Dieses Schema - die Sterne - können sie über ganz Gröbenzell setzen." Probleme sind ihm deshalb jedoch noch nicht zu Ohren gekommen. "Zulässig wäre Gewerbe im Wohngebiet nicht, aber das funktioniert", lautet die Erfahrung Schäfers. Nachbarstreitigkeiten würde es vor allem beim Grillen geben oder wenn die Hecken nicht passgenau geschnitten werden. Auch bringe dieses eigentlich dort illegal angesiedelte Gewerbe der Gemeinde Gewerbesteuer ein. Auch Peter Falk, der SPD-Fraktionsvorsitzende, sah das ganz pragmatisch: "Verträgliches Arbeiten und Leben wird dort zusammengebracht." Mehrere Areale seien in Gröbenzell im Laufe der Zeit verändert worden und müssten der Wirklichkeit angepasst werden. Auch Anita Rieger (CSU) bezeichnete es als gewachsene "Realität, dass Gewerbe im Wohngebiet vorkommt", und ergänzte: "Wir können bestimmen, Ausnahmen zuzulassen oder nicht."

Das sah Anton Kammerl ganz anders. "Reine Wohngebiete sind ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt", hob er an und führte ein Beispiel aus Puchheim an, wo der Stadtrat angeblich reine Wohngebiete schützt. Runge widersprach ihm heftig. "Da werden Falschmeldungen multipliziert", meinte er spürbar verärgert und bezeichnete die Kampagne der Gegner als "widerwärtig". "Auch Vernissagen wären in einem reinen Wohngebiet nicht möglich", attackierte Runge den ebenfalls in einem reinen Wohngebiet angesiedelten Fotografen Kammerl und bezeichnete ihn als "Steigbügelhalter" einer Kampagne. Anwohner haben in einem Flugblatt gegen die Umwidmung des Areals protestiert. Sie befürchten, künftig Hotels und Tankstellen als Nachbarn zu bekommen. Kammerl, der den Bebauungsplan Freyastraße als "Pilotprojekt" betrachtet, um danach auch andere Areale zu verändern, konterte mit der Bemerkung: "Da habe ich wohl in ein Wespennest gestochen." Er befürchtet, dass zwei Drittel der Flächen, die momentan noch reine Wohngebiete sind, aufgegeben werden sollen. Kammerls Parteikollege Reinhard Paesler fühlte sich beauftragt, für die CSU klarzustellen, dass dieser als Einzelkämpfer auftritt: "Die Mehrheit der CSU ist nicht der Meinung von Herrn Kammerl."

© SZ vom 27.02.2019
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