Althegnenberg:Weiter Streit über Neubau für die Feuerwehr

Gemeinschaftshaus für Althegnenberg und Hörbach würde laut Gutachten zu lange Einsatzzeiten mit sich bringen

Von Manfred Amann, Althegnenberg

Nach mehreren Vorberatungen hat der Gemeinderat von Althegnenberg am Freitag mehrheitlich den sechsten Entwurf des Feuerwehrbedarfsplanes verabschiedet. Der Plan, der auf der Homepage der Feuerwehr eingesehen werden kann, gilt als Planungsgrundlage für die Gemeinde. Sie muss sicherstellen, dass die Feuerwehr einsatzfähig ist.

Kernpunkt der dreistündigen kontroversen Beratung im Gemeinderat ist die Befürchtung, dass aufgrund des Gutachtens der Bau eines gemeinsamen Feuerwehrhauses für die Feuerwehren von Althegnenberg und Hörbach scheitern könnte. Der Bedarfsplan belegt, dass sich vom dafür geplanten Standort aus die Zeitspannen von der Alarmierung bist zum Einsatzort für beide Wehren, insbesondere für die Hörbacher, deutlich verschlechtern werden und die zehnminütige Hilfsfrist zuweilen nicht eingehalten werden kann. Bürgermeister Rainer Spicker (Bürgerinitiative) nannte die von Ratsmitgliedern beantragte Sondersitzung "äußerst unglücklich", denn die wichtigste Stellungnahme stehe noch aus. Die Kommunalaufsicht müsse in Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern rechtssicher mitteilen, ob die Zehnminutenfrist unumstößlich einzuhalten ist oder ob in Einzelfällen eine geringe Überschreitung von wenigen Sekunden geduldet werden kann.

"Erst dann können wir sagen, ob ein gemeinsames Feuerwehrhaus errichtet werden kann", erklärte Spicker. Es gebe Aussagen, dass die Zehnminutenfrist lediglich als Orientierungszeit gelte, aber auch solche, dass es bei einer Verschlechterung der Einsatzzeiten keine Zuschüsse gebe. Die Gemeinde dürfe sich nicht in die Gefahr begeben, eine Klage am Hals zu haben, weil die Helfer verspätet eingetroffen sind.

Kreisbrandrat Hubert Stefan sieht sich in seinen Bedenken bestätigt, dass sich für beide Wehren die Zeiten vom Alarm bis zum Einsatzort verschlechter würden. Sollte das gemeinsame Haus kommen, "wird die Hilfsfrist seitens der Gemeinde wissentlich überschritten", warnt er in einer Stellungnahme. Beim Bürgerentscheid Mitte Juli hatte sich eine deutliche Mehrheit der Wähler für den Gemeinschaftsbau ausgesprochen. Damit war die Planung der Gemeinde zunichte gemacht, in beiden Ortsteilen aus den maroden Bauten zukunftsfähige Feuerwehrhäuser zu schaffen. Die Befürworter des Gemeinschaftsbaus hatten zur Sitzung 30 Fragen eingereicht, die in teils heftigen Debatten zu beantworten versucht wurde. Dabei ging es immer wieder auch um die vom Büro für Feuerwehrfahrzeug- und Gerätebeschaffung vorgelegten Zeitangaben, die vom neuen Standort bis zum Eintreffen am Einsatzort gebraucht werden. Weil Marianne Dunkel Zweifel äußerte, dass Fahrzeiten so genau festgelegt werden könnten, musste sie sich anhören, "durch Sekundenfeilscherei" die Zeiten drücken und so Überschreitungen der Zehnminutenfrist in Frage stellen zu wollen. Die Sozialdemokratin wies dies zurück und sagte, sie werde den Eindruck nicht los, Bürgermeister Spicker wolle mit aller Macht das Ergebnis des Bürgerentscheides aushebeln.

Althegnenbergs Kommandant Robin Pradel wies in einer Stellungnahme unter anderem darauf hin, dass die Fahrzeiten im Gutachte bei einer praktischen Überprüfung unterschritten worden seien. Kommandant Florian Bernhard äußerte die Befürchtung, dass viele Hörbacher Feuerwehrler ihr Ehrenamt aufgeben könnten, wenn sie in ein Gemeinschaftshaus umziehen müssten.

© SZ vom 23.11.2020
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