Aktion in Fürstenfeldbruck:Lesen lernen auch im Alter

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Analphabetismus

Das Alfa-Mobil. Von links: Erica Cabrini, Adrian Eppel, Susann Günther, Gerhard Prange.

(Foto: Manon Harenberg/oh)

Alfa-Mobil informiert über Analphabetismus und Gegenstrategien

Von Manon HARenberg, Fürstenfeldbruck

In Deutschland haben noch immer sechs Millionen Menschen große Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Für sie sind E-Mails verfassen, Packungsbeilagen lesen oder Formulare ausfüllen große Herausforderungen. Oft entwickeln sie daher Strategien, um unentdeckt zu bleiben. Um Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren und Werbung für Lese- und Schreibkurse zu machen ist das Alfa-Mobil jährlich mit rund 160 Aktionen deutschlandweit unterwegs.

Am Donnerstag informierte es im Fürstenfeldbrucker Westen vor dem Mehrgenerationenhaus über die Ursachen und Hintergründe von Analphabetismus und ermutigte Betroffene, Lesen und Schreiben zu lernen. Sowohl direkt als auch indirekt sollen Betroffene dabei angesprochen und motiviert werden. Gerhard Prange, Lern-Botschafter des Alfa-Mobils aus Berlin, war selbst lange Zeit Analphabet - bis er sich vor elf Jahren dazu entschloss, Lesen und Schreiben zu lernen. Damals sei seine Tochter sieben Jahre alt gewesen und zur Grundschule gegangen. Weil er ihr bei den Hausaufgaben nicht helfen konnte beschloss er, sich im Alter von 53 Jahren seinem Analphabetismus zu stellen. Nun wolle er Betroffenen Mut machen. "Ich lerne heute noch, und es macht Spaß. Analphabeten sind ja nicht doof, viele trauen sich nur einfach nicht," erzählt er. Probleme habe er noch bei Wörtern, aus denen er die Buchstaben nicht einzeln raushöre, wie der Buchstabe "H" bei dem Wort "Thüringen".

"Das Thema Analphabetismus sollte enttabuisiert werden, damit die Menschen ein Gefühl dafür bekommen", sagt er. In der Grundschule seien die Schülerinnen und Schüler fünf Tage die Woche mit der Schriftsprache konfrontiert. Ist man jedoch älter, laufen die Lernprozesse um einiges langsamer ab, erklärt Adrian Eppel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Alfa-Mobils. Nach der Arbeit sei man mit anderen Dingen beschäftigt, als sich abends noch in einen Kurs zu setzen und zu lernen.

An ihrem Stand verteilen sie Materialien rund um die Ursachen und das richtige Verhalten für Außenstehende, wenn sie Betroffene kennen, und klären andere Menschen über dieses Thema auf. Außerdem bieten sie ein Quiz an, bei dem zu sechs Wörtern der richtige Plural zu bilden ist. Darunter sind Begriffen wie "Kirmes" oder "Wischmopp". Das Quiz soll zeigen, dass jeder Mensch irgendwann an seine Grenzen kommt, auch Muttersprachler.

Als Ursachen für Analphabetismus gelten negative Schulerfahrungen, Probleme im Elternhaus oder ein geringes Selbstbewusstsein. Daher gibt es auch für Erwachsene Möglichkeiten, das Lesen und Schreiben zu verbessern. Viele Volkshochschulen bieten Lese- und Schreibkurse an. In Fürstenfeldbruck werden beispielsweise jeden Montag Kurse angeboten. Das Projekt Alfa-Mobil wird gefördert vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

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