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Völkermord an den Jesiden:Preisgekrönte Jung-Autorin

Ronya Othmann aus Neufahrn legt ihren Debütroman vor

Mit einem Text über den Völkermord an den Jesiden hatte Ronya Othmann im vergangenen Jahr für Aufsehen in der Literaturwelt gesorgt. Jetzt legt die in Mintraching aufgewachsene Schriftstellerin und Journalistin ihren Debütroman vor. In "Die Sommer" erzählt sie die - teils autobiografisch geprägte - Geschichte des Mädchens Leyla, das in Deutschland lebt und jeden Sommer in das Land der jesidischen Großeltern reist. Sie beschreibt das Leben in dem syrisch-kurdischen Dorf und berichtet von der Unterdrückung der Kurden, die auch dazu geführt hatte, dass Leylas Vater in Syrien einst nicht studieren durfte. Wegen seiner Weigerung, für Assads Geheimdienst zu arbeiten, musste er unter lebensgefährlichen Umständen nach Deutschland fliehen. Später wird der Rest der Familie - bedroht als Kurden und als Jesiden - folgen. Nach dem IS-Massaker an kurdischen Jesiden in Syrien im August 2014 trifft Leyla eine Entscheidung.

Die 27-jährige Ronya Othmann, Tochter einer Deutschen und eines Kurden mit jesidischem Hintergrund, hat schon als Schülerin literarische Texte geschrieben und veröffentlicht. Bis zur neunten Klasse war sie am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn. Dann wechselte sie an das Camerloher-Gymnasium in Freising und machte dort 2012 das Abitur. Danach begann sie Ausbildungen am International Munich Art Lab und am Schweizer Literaturinstitut der Hochschule der Künste in Biel. Inzwischen studiert Ronya Othmann am Leipziger Literaturinstitut. Dort organisierte sie 2015 die Kurdischen Filmtage. 2018 war sie Jurorin eines Internationalen Film-Festivals in der Kurdischen Autonomieregion des Irak. Für ihre Werke wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Text "Vierundsiebzig" über den Genozid an den Jesiden gewann sie 2019 den Publikumspreis bei den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.

© SZ vom 16.09.2020 / bg

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