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Ungewöhnlicher Wettstreit:Auf die Brösel kommt es an

Die Tabakexperten vom Schnupferclub Nandlstadt (von links): Winfried Bichlmayer, Georg Stanglmeier, Max Weinmann und Rupert Grottenthaler.

(Foto: Marco Einfeldt)

In Nandlstadt existiert der älteste Schnupferclub Bayerns. Im September veranstaltet er zum 60-jährigen Bestehen eine Deutsche Meisterschaft. Das Training läuft.

Tief einatmend nehmen die Nasenflügel wie kleine Staubsauger die Tabakkrümel in sich auf. Mit ihren Fingern befördern die Schnupfer sie schnell aus einer kleinen Dose und schieben sie zielgenau in ihr Riechorgan, möglichst ohne dass etwas daneben geht. Jeder Griff ist exakt geregelt, denn Tabakschnupfen ist eine Wettkampfdisziplin. Im September wird der Schnupfclub Nandlstadt zu seinem 60-jährigen Bestehen in der Hopfenhalle die 52. Deutsche Meisterschaft ausrichten. 400 Gäste werden dazu erwartet.

Die acht Nandlstädter, die an dem Wettkampf teilnehmen, trainieren schon jetzt regelmäßig in der Töpferwerkstatt von Rupert Grottenthaler, dessen Vater den Schnupfclub Nandlstadt 1959 mit gegründet hatte. Schnupfen sei wieder "in", berichtet Vorsitzender Max Weinmann. Jahrzehntelang habe es kaum Nachwuchs gegeben, kaum einer hatte Freude daran, Tabakkrümel in die Nase zu saugen. Aber derzeit erlebe das Schnupfen eine wahre Renaissance. Denn nachdem Rauchen nicht mehr gerne gesehen werde, griffen vor allem junge Menschen zum Schnupftabak. Der Nandlstädter Verein, der älteste Schnupferclub Bayerns, zählt im Moment 65 Mitglieder, aber nur acht von ihnen sind aktive Wettkampfschnupfer. Die übrigen schätzen die Geselligkeit der regelmäßigen Treffen.

"Bayern Snuff" und "Karibikprise"

Das Material für den rauchfreien Tabakgenuss, der hauptsächlich in Süddeutschland und Österreich gepflegt wird, ist nicht teuer, und im Snuff-Store gibt es für jeden Geschmack die passende Mischung: fruchtig wie "Bayern Snuff", "Karibikprise", die rauchigen Sorten mit so viel versprechenden Namen wie "Viking Snuff Thors Hammer", "Polarprise" oder "Rosinski Berliner Luft" und die in Bayern sehr verbreiteten Sorten, die Schmalzler. Das sind Tabakmischungen, die früher mit Butterschmalz, heute mit Ölen versetzt, gut kleben und gleitfähig gemacht werden, damit die Krümel aneinanderhaften, wenn man sie aus der Dose nimmt und von den Fingern oder dem Handrücken aus in eines oder beide Nasenlöcher befördert.

Neben dem Schmalzler gibt es den Snuff, der nicht so klebt und oft mit Menthol oder Eukalyptus aromatisiert ist. Nach dem Einziehen in die Nase haben die Schnupfer meist vom Tabak einen kleinen schwarzen Bart auf der Oberlippe, der sofort wieder abgewaschen wird. Auch den Tabak schneuzt man wieder kräftig aus der Nase aus. Es gebe aber ein paar junge Mädels, die zögen den Tabak ein, ohne dass man hinterher im Gesicht noch ein Spur davon sehe, schildert Weinmann anerkennend.

Es darf nichts übrig bleiben

Beim Wettkampf, während dem die Teilnehmer große Plastiklätze umgehängt haben, kommt es darauf an, dass beim Einsaugen kein Tabak übrig bleibt. Meist fallen aber doch winzige Krümelchen auf den Latz, die anschließend gewogen werden. Ihr Gewicht und die Schnelligkeit des Einsaugens machen dann die Platzierung aus.

50 Gramm Schnupftabak werden genau abgewogen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Schnupfen komme ursprünglich von den Indianern, erzählt Vereinsvorsitzender Weinmann. Die französische Königin Katharina von Medici war dann im 16. Jahrhundert in Europa eine der ersten und berühmtesten Schnupferinnen. Sie nahm gepulverte Tabakblätter gegen Kopfschmerzen und Migräne ein und machte das Schnupfen bekannt. Auch die Mitglieder des Schnupferclubs in Nandlstadt bestätigen die entspannende Wirkung ihrer Leidenschaft, "es ist erfrischend und macht den Kopf frei", beschreibt Rupert Grottenthaler. Allerdings könne auch der Tabakkonsum durch die Nase abhängig machen oder bei zu viel Mentholgenuss die Schleimhäute reizen.

"Genuss-Schnupfer" sind freundliche Gesellen

Man unterscheide zwischen dem Genuss- und dem Wettkampfschnupfen, erklären Grottenthaler und Weinmann. Der Genießer habe beim sonntäglichen Frühschoppen seine Dose dabei, die die Runde am Tisch mache, sodass jeder einmal probieren könne. Dazu gebe es eine Brotzeit, und die Geselligkeit stehe im Vordergrund. "Wir sind ein sehr friedlicher Verein", sagen die beiden, Raufereien habe es noch nie gegeben. Der Wettkampfschnupfer trainiere seine Technik und trete zu den Wettbewerben an. Es sei jedoch zunehmend schwieriger, Vereine zu finden, die die Deutsche oder auch die Weltmeisterschaft, ausrichten wollten. Nicht umsonst hat Letztere bereits zweimal in Nandlstadt stattgefunden.

Bei der Deutschen Schnupfmeisterschaft am 28. September 2019 in der Hopfenhalle in Nandlstadt treten 200 Schnupfer an und messen ihre Fingerfertigkeit und Nasenmuskulatur.

Max Weinmann hilft Winfried Bichlmayer beim Lätzchen anlegen.

(Foto: Marco Einfeldt)