Umweltschutz Nicht locker lassen

Die Bodenversiegelung durch Logistikhallen, wie auf diesem Bild bei Langenbach, ist dem Bund Naturschutz ein Dorn im Auge. Beste Ackerböden seien dort zubetoniert worden, lautet die Kritik.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Bund Naturschutz in Freising hofft noch immer, dass in den Isarauen ein Nationalpark entsteht. Auch für einen früheren Ausstieg aus der Kohle im Kraftwerk Anglberg setzt sich die Kreisgruppe ein

Von Johann Kirchberger, Freising

Auch wenn in Europa nicht immer alles perfekt sei und vieles verbessert werden müsse, so sei die Europäische Union doch enorm wichtig für die Naturschutz- und Umweltpolitik, betonte Christine Margraf bei der Jahreshauptversammlung der Freisinger Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN). "Arten und Natur kennen keine Grenzen." Deshalb sei es wichtig, sich am 26. Mai an den Wahlen für das europäische Parlament zu beteiligen, so die BN-Artenschutzreferentin. 80 Prozent aller Natur- und Umweltvorgaben kämen mittlerweile aus Brüssel, Grenzwerte in verschiedensten Bereichen würden dort festgesetzt.

Die bedeutenden FFH- und die Vogelschutz-Richtlinien seien Bestandteile des Netzes Natura 2000 und ein großer Gewinn für die Umwelt in ganz Europa, sie seien rechtsverbindlich für alle Mitgliedsstaaten. Bedauerlicherweise, so Margraf, würden gerade in Bayern diese Richtlinien nur dann umgesetzt, wenn die EU wieder einmal mit einem Vertragsverletzungsverfahren drohe.

Zuvor hatte Vorsitzender Wolfgang Willner über das erste Jahr nach Christian Magerl berichtet, der die Kreisgruppe 35 Jahre lang geleitet hatte. Für ihn sei noch vieles neu, sagte er, die Themen seien aber vielfach die alten. Etwa was den Klimawandel betrifft - "da sind wir mitten drin" - oder das Insektensterben. Dass das Volksbegehren dazu ein so großer Erfolg war, habe ihn überrascht, sagte Willner, aber es habe sich gezeigt, dass die Bevölkerung an diesem Thema sehr interessiert sei. Vom Bauernverband sei der BN wegen seines Engagements für das Volksbegehren allerdings teilweise mit "hasserfüllten" Parolen angegangen worden.

Die Flächenversiegelung ist Dauerthema

Beschäftigt habe die Kreisgruppe auch die Idee, die Isarauen zum dritten Nationalpark Bayerns zu machen. "Leider sind wir dabei auf erheblichen Widerstand gestoßen", insbesondere die Anglervereine hätten sich "zu Unrecht" dagegen stark gemacht, dabei hätten sie von einem Nationalpark nichts zu befürchten. "Aber wir werden das weiter verfolgen", sagte Willner. Ein weiteres Dauerthema sei die Flächenversiegelung. Im Landkreis würden in immer kürzeren Abständen immer mehr Logistikhallen gebaut. Insbesondere erwähnte er dabei das Gewerbegebiet in Langenbach, wo beste Ackerflächen zubetoniert worden seien. In Moosburg solle eine Halle für Amazon gebaut werden, in Langenpreising für DHL. "Wenn das so weiter geht, haben wir bald das komplette Isartal zugebaut."

Weiterer Schwerpunkt sei das Kohlekraftwerk Anglberg. Es sei wohl eines der letzten Kohlekraftwerke, die abgeschaltet werden sollen. Das Jahr 2038 stehe da im Raum. Die Pläne, in Anglberg ein Gas-Kraftwerk zu bauen, seien wohl vom Tisch. Der BN werde mit der Werksleitung sprechen und für einen früheren Ausstieg aus der Kohle eintreten. Ein Dorn im Auge sind Willner die vielen Abholzaktionen der vergangenen Wochen. Die Gründe dafür seien für ihn unverständlich und stünden in keinem Zusammenhang mehr mit Sicherheitsaspekten. "Vielleicht", so spekulierte er, "brauchen die einfach Arbeit für ihre großen Maschinen".

Leider müsse man sich weiterhin mit der dritten Startbahn beschäftigen, so Willner. Ein Thema, zu dem Christian Magerl Stellung nahm. Das im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern vereinbarte fünfjährige Moratorium sei enttäuschend und schon deshalb unerheblich, sagte er, weil selbst die Lufthansa erklärt habe, eine dritte Startbahn erst im Jahr 2030 zu benötigen. Die Flugbewegungen hätten zwar im Vorjahr um 2,2 Prozent zugenommen, "die dümpeln jetzt aber schon seit Jahren um die 400 000 herum" und lägen weit hinter allen Prognosen. Bedarf für eine dritte Startbahn, so Magerl, könne man daraus nicht ableiten.

Zugenommen hat die Zahl der BN-Mitglieder im Kreis. Habe man am 3. Januar 2018 noch 4357 Mitglieder gezählt, so BN-Geschäftsführer Manfred Drobny, seien es am 3. Januar 2019 schon 4416 gewesen. Dazu beigetragen hätten wohl die 23 Veranstaltungen mit gut 500 Teilnehmern unter dem Schlagwort "Raus in und für die Natur" sowie von Schulexkursionen. Drobny: "Wir sind wir vermutlich der größte Anbieter für Umweltbildung im Landkreis".