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Umgang mit Biomüll im Landkreis Freising:Keine Schlupflöcher

Abfallberater sieht kein Problem bei der Trennung und weist Kritik vom Verband der Bayerischen Entsorgungs­unternehmen zurück

Von Gabriel Wonn, Freising

"Zu wenige Bioabfälle werden in Bayern getrennt erfasst"- zu diesem Fazit kommt der Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS) nach der vor kurzem veröffentlichten Hausmüllbilanz des Landesamts für Umwelt. Auch wenn 85 Prozent der Einwohner an eine Biotonne angeschlossen seien, gebe es bei der Pro-Kopf-Sammlung eine Abnahme von 57,1 auf 56,5 Kilogramm Bioabfall. Hiermit läge man unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 60 Kilogramm je Einwohner und Jahr. Im Kreis Freising sieht man sich in Sachen Biomüll-Trennung jedoch gut aufgestellt.

Blicke man nach Schleswig-Holstein und Hessen, wo ein Durchschnittswert bei über 90 kg pro Einwohner zu beobachten sei, könne man daraus ableiten, wie bedeutend die dort vollzogene nahezu flächendeckende Einführung der Biotonne für die Trennung des Abfalls sei.

In diesem Zusammenhang kritisiert der VBS, dass die seit 2015 bestehende Verpflichtung, Bioabfälle getrennt zu erfassen, "in manchen Kommunen nicht konsequent umgesetzt beziehungsweise gezielt umgangen" werde: "Häufig wird in diesen Landkreisen verlangt, dass die Bürger ihren Bioabfall zu zentralen Sammelpunkten bringen. Andere Städte und Kreise bieten nur eine freiwillige Biotonne an, die von den Bürgern extra bestellt werden muss." Von der Staatsregierung wird ein "einheitlicher Vollzug" und das Schließen von Schlupflöchern gefordert.

In Freising gebe es solche Schlupflöcher nicht, berichtet Johannes Hofmann, der Abfallberater des Landkreises: "Die Biotonne ist Pflicht. Nur wer eine ausreichend große Gartenfläche hat, um selbst kompostieren zu können, verfügt über die Möglichkeit, sich von dieser Pflicht befreien zu lassen. Dazu muss man einen Antrag stellen. Dann wird die Größe des Gartens mit der Anzahl der gemeldeten Personen verglichen." Ein Entbindung von der Trennungspflicht gebe es in keinem Fall. Ohne berechtigten Antrag werde man als Neu-Freisingerin oder -Freisinger nach der Anmeldung ohnehin erst einmal mit einer Biotonne versorgt.

Diese Regelung gebe es bereits seit der Einführung der Tonne im Jahr 1992. Damals habe man in anderen Landkreisen gesehen, dass sogar Menschen in Hochhäusern sich das Geld für die Tonne durch Kompostieren auf ihrem Balkon sparen wollten. Aufgrund dieser Erfahrung habe man die Gartenfläche als Maßstab genommen. Dennoch seien in Freising viele Bürgerinnen und Bürger tatsächlich auch berechtigt, auf die Tonne zu verzichten oder sie sich bei geringem Bedarf - bei sehr kleinen Firmen beispielsweise - mit Nachbarn zu teilen: ungefähr 37 000 Restmülltonnen des Volumens 120 Liter stünden zirka 18 000 Biotonnen derselben Größe gegenüber.

Ein gutes Verhältnis, findet Hofmann. Schließlich gebe es ja immer deutlich mehr Rest- als Biomüll. "Wir sammeln 9000 Tonnen Biomüll im Jahr", so der Abfallberater: "1992 war Müll ein großes Problem. Auf der Mülldeponie hatten wir früher viele Möwen, die den ganzen Biomüll rausgefischt haben. Ein halbes Jahr nach Verteilung der Biotonnen waren die alle weg. Man konnte daraus ablesen, wie sauber die Bürger trennen."

Dass es nicht immer hundertprozentige Kontrolle geben könne, sei klar. Doch Hofmann empfindet die Regelungen als ausreichend und wertet sie als Erfolg. Freising sei bestimmt nicht mit der Kritik des VBS gemeint gewesen: "Über andere Landkreise und Gemeinden kann ich nichts sagen. Hier funktioniert es."

© SZ vom 18.01.2021
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