bedeckt München
vgwortpixel

SZ-Talentiade:Extreme Bewegungen, akrobatische Sprünge

Frederike Fell

Akrobatik an der Boulderwand: Die 15-jährige Frederike Fell aus Marzling ist eine der besten Sportkletterinnen ihrer Altersgruppe in Deutschland.

(Foto: Eddie Fowke/oh)
  • Der DAV Freising erhält bei der Talentiade 2017 den SZ-Förderpreis, der mit 1500 Euro dotiert ist.

"Sie ist eine der größten Hoffnungsträgerinnen ihrer Altersklasse", sagt Christoph Gabrysch, Trainer des Athletenteams der Boulderwelt in München, über Frederike Fell. Die Sportkletterin ist 15 Jahre alt, kommt aus Marzling und hat vergangenes Jahr bei der Jugendweltmeisterschaft in China den sechsten Platz im Bouldern belegt. Dabei ist sie im Finale gegen junge Kletterstars wie Ashima Shirashi und Brooke Raboutou aus den USA angetreten - obwohl sie in der Qualifikationsrunde eine Knieverletzung erlitten hatte.

Beim Bouldern klettern die Sportler ungesichert an einer bis zu vier Meter hohen Wand und vollführen dabei extreme Bewegungen und akrobatische Sprünge. "Es ist nie das Gleiche: Immer sind es neue Herausforderungen, die gelöst werden müssen", schwärmt Frederike Fell von ihrer Lieblingsdisziplin.

Vergangenes Wochenende ging es für sie zum Europacup nach Portugal, auch der Deutschlandcup in der Erwachsenenwertung in Berlin steht bald an. "Wenn zwischen den Wettkämpfen noch Zeit bleibt, gehe ich gerne an den Fels", sagt Frederike Fell. Das Klettern in der Natur mag sie genauso gerne wie die Wettkämpfe. "Dort messe ich mich nur mit mir selber und trete nicht gegen andere an." Ihr bisher größter Erfolg beim Felsklettern war eine Route im Schwierigkeitsgrad 8 b+ auf der Fontainebleau-Skala - derzeit gibt es Klettertouren von 2 bis 9 b+. Damit ist sie in Deutschland die einzige Jugendliche ihres Alters, die diesen Schwierigkeitsgrad am Fels geklettert ist. Selbst unter Erwachsenen bewältigen nur wenige Frauen solche Touren. Dass sie auch die Nerven behält, wenn sie in der Halle gegen andere Kletterer antritt, beweist Frederike Fell, seitdem sie sieben Jahre alt ist, in der Wettkampfgruppe der Freisinger Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV).

Mittlerweile trainiert die Deutsche Meisterin des Jahres 2015 und Bayerische Meisterin 2016 viermal pro Woche zwei bis drei Stunden: Einmal gemeinsam mit dem Athletenteam der Boulderwelt, ansonsten bei Lehrgängen des Bundesjugendkaders, mit Kletterfreunden oder alleine. Dabei wechselt sie zwischen Ausdauer- und Krafttraining, oft geht es direkt nach dem Unterricht in Kletterhallen in ganz Bayern. Derzeit ist Frederike Fell in der zehnten Klasse und kann Sport und Unterricht noch vereinen. "Ich mache die Schule wie jeder andere auch", sagt die Gymnasiastin.

Sportinternate für Kletterer gibt es in Deutschland bisher nicht - noch nicht, wie ihr Trainer Christoph Gabrysch betont. In Österreich existierten bereits auf das Klettern spezialisierte Internate. "Aber eigentlich will ich schon in Deutschland bleiben - auch wenn das Klettern total wichtig für mich ist," sagt Frederike Fell. Hier habe sie ihre Freunde, den DAV und ihre Mutter, die sie sehr unterstützen. Seit 2016 ist Frederike Fell im Jugendnationalkader - im vergangenen Jahr belegte sie beim European Youth Cup in der Gesamtwertung den vierten Platz.

Bei den Sommerspielen 2020 in Tokio wird das Sportklettern erstmals olympische Disziplin sein; gestartet werden muss in allen drei Disziplinen: Lead, Bouldern und Speed. "Ich glaube, jeder Kletterer würde da gerne mitmachen, aber es ist echt richtig schwer, starten zu können", sagt die 15-Jährige. Trainer Gabrysch schätzt ihre Chancen jedoch als sehr gut ein: "Frederike hat Biss, ihr Wille ist unglaublich stark", sagt er. "Für ihr Alter hat sie ein sehr hohes Kraftpotenzial. Für mich ist sie auf jeden Fall eine der Kandidatinnen für Olympia." Wenn sie sich Tokio selbst als Ziel setze, sehe er keinen Grund, weshalb es nicht klappen sollte.