Seniorenpolitisches Konzept für Kreis Freising:Ehrenamtliche "Experten" ins Boot holen

Pflege

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird im Landkreis Freising zunehmen. Hilfestellung bei der Pflege soll ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept geben.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Das zehn Jahre alte seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises soll fortgeschrieben

Von Peter Becker, Freising

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass der damalige Kreistag unter Landrat Michael Schwaiger (FW) ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept beschlossen hat. "Ein belastbares Konzept", lobte Jens Hornig, Sozialplaner am Landratsamt Freising, in der Sitzung des Ausschusses für demografische und soziale Fragen des Kreistags. Es sei aber an der Zeit, eine Aktualisierung vorzunehmen. Hornig schlug vor, dafür die Seniorenbeauftragten der Gemeinden als "Experten" mit ins Boot zu nehmen. Der Ausschuss plädierte dafür, die Verwaltung mit einer umfassenden wissenschaftlichen Konzeption für die Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts zu beauftragen. Dem muss jetzt der Kreisausschuss zustimmen.

Hornig stellte während der Sitzung gleich drei Initiativen vor, die konzeptionell weiter entwickelt werden sollen. Dabei handelt es sich zum einen um eine Erweiterung der Patientenberatung und Pflegeberatung, die derzeit im Freisinger Krankenhaus angesiedelt ist. Gedacht ist dies als Unterstützung für die "ersten Schritte zu Hause nach einem Krankenhausaufenthalt". Dabei handelt es sich etwa um praktische Hilfen beim Einkaufen, Fahrdienste, Putzen und Aufräumen oder Terminvereinbarungen bei Ärzten. Die Initiative wendet sich vor allem an Patienten und Patientinnen, für welche die Rückkehr ins häusliche Umfeld schwierig ist.

Zum Zweiten ist der Aufbau eines Bundesfreiwilligenstützpunkts im Landkreis angedacht. Ehrenamtliche Initiativen und Vereine sollen "niederschwellig und alltagspraktisch" hilfsbedürftige Senioren unterstützen. Vorgesehen ist, Notlagen abzufedern und den betroffenen Seniorinnen und Senioren das Leben im häuslichen Umfeld zu ermöglichen. Pflegende Angehörige könnten überdies durch das Angebot einer Kurzzeitpflege zeitlich entlastet werden.

Untersuchungen haben ergeben, dass selbst Spezialisten oft der Überblick und Einblick über die Vielfältigkeit des Themengebiets fehlt. Deshalb soll ein Format gefunden werden, die sehr aktiven Seniorenbeauftragten und Senioren-Arbeitsgruppen im Landkreis Freising an der Entwicklung neuer Initiativen und Maßnahmen als "Experten" zu beteiligen. Gleichzeitig sollen für diese Gruppe wichtige Informationen bereitgestellt werden. Der Ausschuss stimmte diesen Vorhaben zu.

Sabina Brosch (Grüne) bemerkte, dass bei diesen Vorhaben der Fokus stark auf den vielen Ehrenamtlichen liege. Darunter sind selbst oft Menschen in fortgeschrittenem Alter. "Die gehen irgendwann in den Ruhestand", sagte die Kreisrätin. Man dürfe das Ehrenamt nicht überstrapazieren und es müssten junge Leute dafür gewonnen werden, sich zu engagieren.

Hornig ist zuversichtlich, bis zum Ende des Jahres ein Konzept für die Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts vorlegen zu können. Die Studie dazu soll 2022 starten. Landrat Helmut Petz (FW) bezifferte die Kosten auf etwa 50 000 bis 60 000 Euro. "Das ist es wert", betonte er. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Anteil der über 80-Jährigen im Landkreis steigen wird: laut einer Studie von derzeit 9144 auf 17 841 im Jahr 2050. Dementsprechend werden auch mehr Pflegekräfte benötigt.

© SZ vom 28.07.2021
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